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06.03.2017

Mars oder Amor

Händels Barockoper "Orlando" kommt in Kooperation mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn und der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart auf die Bühne

Auf den Schlachtfeldern des Krieges hat Orlando so manchen Sieg davon getragen. In der Liebe jedoch holt er sich tiefe Wunden und verliert vor lauter Eifersucht sogar den Verstand. Das Versepos "Orlando furioso", der "rasende Roland", von Ludovico Ariosto aus dem Jahre 1516 diente als Grundlage für Händels Oper "Orlando" (UA 1733 in London). Jetzt kommt dieses grandiose Verwirrspiel um Liebe, Leidenschaft, Verführung und Eifersucht in Heilbronn auf die Bühne - Premiere ist am 5. März im Großen Haus.

Damit arbeiten das Theater Heilbronn und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn bereits zum siebten Mal an einer gemeinsamen Musiktheaterproduktion. Nach der erfolgreichen Inszenierung von Mozarts "Così fan tutte" in der Saison 2014/15 ist auch die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart wieder Kooperationspartner. Als musikalischer Leiter konnte mit Michael Form ein renommierter Barock-Spezialist gewonnen werden. Regie führt auch bei dieser Kooperation der Heilbronner Intendant Axel Vornam. Für die herausfordernde Titelpartie sagte der erfahrene, international bekannte Counter-Tenor, der Brite Owen Willets, zu. Er ist Absolvent der berühmten Royal Academy of Music und war in Deutschland unter anderem bei den Händel-Festspielen in Halle, an den Staatstheatern Karlsruhe und Hannover zu Gast. Die vier anderen jungen Sängerinnen und Sänger sind Studierende der Staatlichen Hochschule für Musik Stuttgart und haben sich über ein anspruchsvolles Auswahlverfahren für ihre Rollen qualifiziert: die Sopranistinnen Sara-Maria Saalmann (Angelika) und Johanna Pommranz (Dorinda), die dänische Mezzosopranistin Lisbeth Rasmussen Juel (Medoro) und der Bariton Konstantin Krimmel (Zoroastro).

Zum Inhalt

Bei Händel ist die Oper eine fantastische Rittergeschichte mit Zauberei und Mystik: Ritter Orlando hat sich in Königin Angelica verliebt und vergisst darüber seine Verpflichtungen als Kämpfer. Der Zauberer Zoroastro fordert ihn auf, Amor zu entsagen und wieder dem Kriegsgott Mars zu folgen. Aber Orlando kann in seiner derzeitigen Verfassung nur lieben und sonst gar nichts. Allerdings fällt seine Liebe nicht auf fruchtbaren Boden, denn Angelica liebt (heimlich) Medoro und möchte ihn ungeachtet seines niederen Standes heiraten. Auch die Schäferin Dorinda ist in Medoro verliebt, was die Situation nicht einfacher macht. Doch während die Schäferin akzeptieren kann, dass sich Angelica und Medoro wirklich lieben, löst diese Erkenntnis bei Orlando rasende Eifersucht aus, die sich bis in den Wahn steigert und unberechenbar für alle Beteiligten wird. Doch der Zauberer Zoroastro behält den Überblick und wendet alles zum Guten.

In Heilbronn ist Orlando ein kriegstraumatisierter Held

Für Regisseur Axel Vornam sind all diese Figuren Glücks- und Sinnsuchende in einer unsicheren Zeit. Er siedelt die Oper in einem "failed state" wie etwa Syrien, Ägypten oder Irak an, aus denen heute täglich in den Nachrichten berichtet wird. Das (hier nicht konkret benannte) Land ist vom Krieg zerrüttet, die Infrastruktur am Zusammenbrechen. Einziger Rückzugsort ist ein einigermaßen intaktes Haus, das Gloria-Hotel. Hier bilden diese fünf Figuren aus der Oper eine Notgemeinschaft. Der kriegsmüde Orlando sucht einen Unterschlupf und Ruhe, begegnet Angelica und verliebt sich in sie. Sie kann diese Liebe aber nicht erwidern, weil sie den Soldaten Medoro, den sie heimlich pflegt, ins Herz geschlossen hat. Auch das Zimmermädchen Dorinda ist in Medoro verliebt.

Orlando ist hin- und hergerissen zwischen seinen Pflichten als Soldat (Mars) und seiner unglücklichen Liebe (Amor), in die er sich mehr und mehr hineinsteigert. Auch seine nicht verarbeiteten Kriegstraumata machen ihn zur tickenden Zeitbombe. Zoroastro ist in dieser Deutung kein allmächtiger Zauberer, sondern ein Hotelmanager, der hier als Agent Provocateur fungiert und Orlando vorantreibt, um ihn letztlich vor sich selbst zu schützen. "Wo und wie finde ich meinen Platz in der Gesellschaft, in der man nicht mehr verortet und in der nichts mehr geordnet ist", beschreibt Vornam die Situation der Figuren.

Ausstatter Tom Musch hat das Foyer des Gloria- Hotels auf die Drehbühne gebaut, das als Reminiszenz an die Barockoper mit reich verzierten Tapeten versehen ist - ein geschützter Ort der Idylle, während draußen die Gesellschaft im Bürgerkrieg zerfällt und die handelnden Figuren im Innern von ihren Konflikten zerrissen werden.

Achterbahn der Gefühle findet sich in der Musik wieder

Händel hat das Drama, in dem seine Figuren steckten, musikalisch verdichtet. Die Achterbahn ihrer Gefühle wird in der Partitur gespiegelt. Außerdem schrieb er die Gesangspartien den größten Sängerinnen und Sängern seiner Zeit auf den Leib, die mit den kunstvoll ausgeschmückten Da-capo-Arien, in Duetten und Terzetten ihr ganzes Können unter Beweis stellen wollten, beschreibt Dirigent Michael Form. Musikwissenschaftler stellen "Orlando" auf eine Stufe mit der "Zauberflöte". Dass Mozarts Sarastro fast ein Namensvetter von Händels Zoroastro ist, ist sicherlich kein Zufall. Mozart äußerste sich bewundernd über seinen großen Komponistenkollegen: "Händel weiß am besten unter uns allen, was großen Effekt tut; wo er das will, schlägt er ein wie ein Donnerwetter!"

Musikalischer Partner für die akustischen Theateraffekte und die Händelsche Klangmagie ist das Württembergische Kammerorchester Heilbronn. Das für seine lebendige und sinnliche Klangkultur geschätzte Kammerorchester hat mit Michael Form einen Workshop zur historisch inspirierten Aufführungspraxis absolviert und wird nach barockem Vorbild im erhöhten Orchestergraben agieren Es wird um Barock-Instrumentarium wie die Viola da gamba, zwei Cembali im Continuo sowie Naturhörner und Blockflöten erweitert. Der Blockflötenpart wird hier in besonderer Personalunion von Künstlerischem Leiter Michael Form und WKO-Geiger Johannes Hehrmann übernommen, die beide studierte Barockflötisten sind. Bilder: Theater Heilbronn

Weitere Vorstellungen: 10.03. 2017; 14.03. 2017; 18.03. 2017; 23.03. 2017; 12.04. 2017; 17.04. 2017; 05.05. 2017 – jeweils um 19.30 Uhr www.theater-heilbronn.de



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