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Sie sind hier: Home » Schlau » Wirtschaftliches am 22.11.2017



27.02.2017

Pharmaindustrie leidet uunter schlechtem Image

Gerade jüngere Patienten erwarten mehr Zuwendung, Service und Flexibilität

Wie zufrieden sind die Deutschen mit ihrem Gesundheitswesen, wo wünschen sie sich Veränderungen? Dieser Frage geht das Healthcare-Barometer von PwC jährlich nach.

In einem Gespräch äußerte sich Michael Burkhart, Partner bei PwC und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma, zu den Ergebnissen der aktuellen Studie.

Herr Burkhart, wie zufrieden sind die Deutschen mit ihrem Gesundheitssystem?
Michael Burkhart:
Da überwiegen die positiven Urteile bei weitem: Vier von fünf der von uns befragten Bundesbürger fühlen sich medizinisch gut versorgt, 85 Prozent sind mit den Leistungen ihrer Krankenversicherung zufrieden. Wir bewegen uns also auf hohem Niveau – und das ist den Versicherten auch bewusst: 64 Prozent zählen das deutsche Gesundheitssystem zu den Top-3 der Welt. Und die wenigsten sehen die Notwendigkeit, für eine Behandlung ins Ausland zu gehen. Wenn überhaupt, dann vor allem wegen Zahnbehandlungen und das nur aus Kostengründen.

An welchen Punkten entzündet sich Kritik?
Michael Burkhart:
Kritik müssen vor allem niedergelassene Ärzte einstecken. Interessanterweise gibt nicht etwa eine fehlende fachliche Qualifikation oder die Behandlung selbst Grund zur Unzufriedenheit, sondern das Miteinander von Arzt und Patient. 41 Prozent der gesetzlich Versicherten bemängeln, dass sich der Arzt zu wenig Zeit für sie nimmt. Die Gruppe der unter 55-Jährigen legt darauf übrigens mehr Wert als Ältere. Das sollte niedergelassenen Ärzten zu denken geben.

Denn gerade mit der Gruppe der Patienten, die heute jünger als 35 Jahre sind und mit dem Internet aufgewachsen sind, kommen neue Anforderungen auf Ärzte zu: Diese Patienten informieren sich viel stärker auf Websites von Kliniken, über Bewertungsportale oder Online-Foren im Internet. Und sie erwarten mehr Zuwendung, Service und Flexibilität.

Wie können Ärzte diesen Erwartungen begegnen?
Michael Burkhart:
Niedergelassene Ärzte müssen die Stärken ausspielen, die das Internet nicht hat, sich Zeit für Patienten nehmen und Vertrauen aufbauen. Auch Arztpraxen müssen ihrerseits digitale Komponenten für ihr Geschäftsmodell nutzen, um den Kontakt zu Patienten zu pflegen, den Service zu verbessern und Abläufe zu optimieren.

Wie ist es um die Qualität in Krankenhäusern bestellt?
Michael Burkhart:
Da sind die Meinungen geteilt: Die Versorgung in deutschen Kliniken schätzen 53 Prozent der Befragten als gut ein. Insgesamt scheint das Vertrauen aber dennoch hoch zu sein: Operationen im Ausland sind für Versicherte kein Thema, nur ein Prozent von ihnen hat schon einmal einen Eingriff außerhalb Deutschlands vornehmen lassen. Viele verzichten darauf, weil sie fürchten, dass die medizinischen Behandlungen im Ausland nicht den deutschen Standards entsprechen – auch im Hinblick auf Sauberkeit und Hygiene.

Die Pharmaindustrie kam beim Healthcare-Barometer bisher immer schlecht weg.
Michael Burkhart:
Das ist auch diesmal nicht anders: Um das Image der Branche ist es in Deutschland nach wie vor schlecht bestellt. Fast drei Viertel der Befragten unterstellen, dass die Pharmaindustrie nur auf ihren Gewinn bedacht ist, 68 Prozent wünschen sich, dass die Arzneimittel-Hersteller mehr auf innovative Forschung setzen als auf die Entwicklung preisgünstiger Nachahmerprodukte. Die Pharmaunternehmen werden meiner Einschätzung nach in diesem Punkt zu Unrecht geprügelt: Die Erforschung neuer Medikamente ist stets verbunden mit einem hohen Risiko des Totalausfalls, wenn das neue Medikament keinen Zusatznutzen stiftet. In der Automobilbranche bedeutet ein „geflopptes“ neues Modell oft nur einen Rückgang der Verkaufszahlen um 10 Prozent. Bei forschenden Pharmaunternehmen heißt es „außer Spesen nichts gewesen“. Dadurch ist der Kosten- und Innovationsdruck höher als in anderen Branchen. Forschung ist trotz exzellenter Infrastruktur in Deutschland deshalb immer schwerer zu finanzieren. Im Bereich der Antibiotika ist das schon der Fall – mit der Konsequenz, dass für Patienten mit multiresistenten Keimen schon jetzt keine neuen Wirkstoffe ausreichend erforscht werden.

Wo sehen Sie Ansatzpunkte?
Michael Burkhart:
Bisher versucht jeder Akteur im Gesundheitswesen seine Ziele zu verfolgen. Diese sind mindestens teilweise widerstreitend. In keinem Fall haben alle das Wohl des Patienten als einzige Handlungsmaxime oder definieren diese unterschiedlich. Gefragt sind daher neue Kooperationsmodelle, bei denen Pharmaunternehmen mit wissenschaftlichen Einrichtungen, Non-profit-Organisationen und dem Staat zusammenarbeiten, um die Zufriedenheit der Patienten in den Fokus zu rücken. Neue Formen der Anreize sollten für alle Akteure geschaffen werden, die die Zufriedenheit des Patienten und Bürgers im Auge haben. Dabei spielen Qualität und Kosten zwar eine Rolle, aber eben nicht ausschließlich. Zuwendung, Individualität und „ganzheitliche“ Begleitung müssen zukünftig eine größere Rolle spielen.



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