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31.01.2019

Was einen guten Arzt ausmacht…

Buchrezension

„Wenn sich ein Patient einem Arzt anvertraut, überträgt er ihm - zumindest potentiell - die Verantwortung für sein Leben. Ohne es auszusprechen, legt er sein Schicksal in die Hand des Arztes. Etwas Vergleichbares gibt es in keinem anderen Beruf.“ Das sagt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, renommierter Kardiologe und Internist und Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung zu Beginn seines Buches „Ärztliche Kunst. Was einen guten Arzt ausmacht“, erschienen in der Taschenbuchreihe „Wissen und Leben“ im Verlag Schattauer.

„Es gibt Meinungen, nach denen sich ‚der gute Arzt‘ überlebt hat und nicht mehr gefragt ist.“ Dass für ihn das Gegenteil der Fall ist, legt Prof. Meinertz in seinem Buch ausführlich dar. Über lange Zeit sei die Frage, weil selbstverständlich, nicht gestellt worden. Aber um 1850, mit dem Beginn der medizinischen Neuzeit habe sich das geändert. „Neue Techniken und Vorgehensweisen“ wandelten „Alltag und Tätigkeiten“ des Arztes grundlegend mit Folgen für das Verhältnis zwischen Arzt und Patient, das bis dahin eine selbstverständliche persönliche Beziehung war und sich nun zunehmend entpersönlichte.

Heute haben Patienten meist mehr als einen Behandler, werden von Spezialisten teilweise in mehreren Kliniken und Praxen betreut. Machen Zeitdruck, Kommerzialisierung und der moderne Medizinbetrieb den „guten Arzt“ entbehrlich? Nein, sagt Prof. Meinertz, denn der Patient „sucht nach dem persönlichen Arzt als integrierenden Ansprechpartner, vor allem bei chronischen und schwerwiegenden Krankheitszuständen, aber auch bei subjektiv empfundener Not. Er benötigt den persönlichen Arzt, um seine Fragen zu beantworten, Widersprüche zu erklären, um Trost von ihm zu erhalten“. „Aber auch, um seiner Krankheit einen Sinn zu geben.“ Dies alles könne auch ein noch so gutes Ärzteteam nicht leisten, weder eine Gesundheitsorganisation noch eine Krankenkasse oder ein professioneller Helfer, so der Autor.

Der „gute Arzt“ von heute sei dabei kein Medizinmann aus dem Mittelalter, sondern ein auf naturwissenschaftlicher Basis arbeitender, moderne Technik nutzender und aktuelle Therapieverfahren anwendender Mediziner. Viele Patienten fühlen sich durch ihren Arzt nicht gut betreut, so Prof. Meinertz, trotz all der Errungenschaften der modernen Medizin, die deutlich höhere Lebenserwartung und Heilungschancen mit sich bringen.

„Patienten merken, dass sie nicht im Mittelpunkt ärztlichen Interesses stehen. Sie leiden darunter, dass sich der Arzt nur für bestimmte Organe und nicht für den ganzen Menschen interessiert. Sie spüren, dass in Klinik und Praxis technische und apparative Leistungen von viel größerem Interesse sind als ihr persönliches Schicksal. Ihnen wird klar, wie sehr finanzielle Aspekte den Ablauf von Diagnostik und Therapie bestimmen“, macht Prof. Meinertz unmissverständlich klar.

Ärzte selbst würden nicht sehen, wie wenig befriedigend ihre Betreuung aus Patientensicht ist. Vielfach würden „klagende und unzufriedene Menschen als Einzelfall abgetan oder als Querulanten etikettiert“. Er habe dieses Buch geschrieben, „um Ursachen für die Unzufriedenheit vieler Patienten mit der derzeitigen ärztlichen Versorgung aufzuzeigen und Veränderungen vorzuschlagen, um dies zu verbessern“, schreibt Prof. Meinertz.

In der praktischen Ausübung des auf Wissenschaft beruhenden Arztberufes sei dieser aber weniger Wissenschaftals Kunstfertigkeit auf wissenschaftlicher Grundlage, so der Autor. Ärztliche Tätigkeit erfordere neben soliden theoretischen und praktischen Grundlagen zusätzliche Fertigkeiten wie „Einfallsreichtum, kritische Analyse von Fakten und Untersuchungsergebnissen, Kombinationsvermögen und die Fähigkeit zu bewerten und Schlussfolgerungen zu ziehen.“

Nicht jedem Mediziner mit Staatsexamen seien die Fähigkeiten eines guten Arztes gegeben. Aber auch sie seien ebenso wie Handwerk und Naturwissenschaft lehr- und lernbar, allerdings viel schwieriger. „Psychologisches Feingefühl, richtige Geste und Auftreten gegenüber dem Patienten und die Art, wie der Arzt auf den Patienten zugeht, ohne dass sich dieser in die Enge gedrängt oder überrumpelt fühlt“, seien dabei von großer Bedeutung. Andererseits braucht der Patient das Gefühl vom Arzt geführt zu werden. Intuitiv müsse der Behandler erfassen können, wo die Toleranzgrenze des jeweiligen Patienten liegt. Auch spielt gedankliche Kombinationskunst eine große Rolle, die dem Patienten unnötige Diagnostik erspart. Diese Fertigkeiten, so Prof. Meinertz, seien praktisch erlernbar, und zwar am Krankenbett unter Anleitung erfahrener klinischer Lehrer. Die Kunst bestehe darin, zu möglichst allen Patienten einen guten Zugang zu finden. Dies könne der Arzt an Vorbildern lernen. Das schildert der Autor ausführlich an Beispielen aus der eigenen Praxis.

Es geht um Einfühlungsvermögen in die Situation des Patienten, das ehrliche Interesse an seinen Schilderungen ohne Unterbrechungen während des Gesprächs, ungeteilte Aufmerksamkeit des Arztes, Mitgefühl, Abwägen, was er dem konkreten Patienten bei der Aufklärung über dessen Situation und mit Blick auf notwendige Behandlungen zumuten kann. Wie gelingt der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses? Wo werden grobe Fehler gemacht, die womöglich die Würde des Patienten verletzen oder im Fall einer Prognose zur Lebenserwartung den letzten Lebenswillen eines Patienten zerstören können. Der Respekt und die Achtung des freien Willens eines jeden Menschen und die Wahrung weiterer ethisch-moralischer Grundsätze werden beleuchtet.

Prof. Thomas Meinertz zeichnet auf 180 Seiten ein ideales Bild des „guten Arztes“, dem das Patientenwohl am wichtigsten ist und dessen Handeln nicht zuerst vom materiellen Motiven bestimmt wird.

Mit seinem Buch wendet sich der Autor „an alle in der Versorgung der Patienten tätigen Berufsgruppen, insbesondere an Medizinstudenten und junge Ärzte in der Ausbildung und an die pflegenden Berufe, die mit der Betreuung Kranker befasst sind.“ Gerade sie spürten häufig als erste „Missbehagen und Unzufriedenheit der Patienten mit der heute üblichen ärztlichen
Vorgehensweise“. Er könne bestätigen „aus eigener Erfahrung in Praxis und Klinikbereich, dass diese Unzufriedenheit in den letzten Jahren deutlich zugenommen habe“, so Prof. Meinertz. Darüber hinaus könne das Buch sicher auch viele Fragen beantworten, die Patienten und Angehörige an die derzeit geübte ärztliche Praxis haben.
Felicitas Morgenstern



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