Hauptsach guud gess

Z. B. Ein Teller von Sternekoch Cliff Hämmerle aus Blieskastel (Foto)

Im Saar­land ist Essen mehr als eine Notwenigkeit, Genuss eine Leben­sphiloso­phie: Eine Reise durch eine Region, in der auf kle­in­stem Raum tra­di­tionelle Küche, 14 Miche­lin­sterne, aus­geze­ich­nete Weine und Lebens­mit­tel­man­u­fak­turen ein geschmack­volles Gesamtkunst­werk bilden. Während der Geschmackswochen im Okto­ber ler­nen Ein­heimis­che und Besuch­er die kuli­nar­ischen Schätze der Region noch bess­er ken­nen.

Das Saar­land liegt geo­graphisch Seite an Seite mit Frankre­ich. Früh etablierte sich so im Saar­land der franzö­sis­che Gedanke des Genuss­es: Essen ist nicht nur eine Notwendigkeit, son­dern eine Hal­tung. Es ent­stand eine regionale Küche, die typ­isch deutsch-deftig sein kann, zugle­ich aber ein aus­geprägtes Gespür für hochw­er­tige und saisonale Grund­pro­duk­te, Respekt vor dem Handw­erk, für feine Weine und lange Tis­chge­spräche verin­ner­licht hat. Heute ver­fügt das flächen­mäßig kleine Saar­land mit 14 Miche­lin-Ster­nen über eine außergewöhn­lich hohe Dichte an Gourme­trestau­rants, in denen auch heimis­che Weine die Gerichte ergänzen.

Und weil der hohe Genuss immer auf dem Feld, im Stall oder dem Wein­berg seinen Ursprung hat, sind es Men­schen wie Land­wirtin Jen­nifer Bla­sius und Speiseöl-Erzeuger Patric Bies, die wesentlich dazu beitra­gen, dass die kuli­nar­ische Seite des Saar­lands weit über seine Gren­zen bekan­nt ist und geschätzt wird. Bei­de glauben an die Qual­itätsmerk­male Herkun­ft, Handw­erk und Ver­ant­wor­tung. In ein­er Zeit, in der Lebens­mit­tel aus aller Welt jed­erzeit ver­füg­bar sind, machen sie das Nahe­liegende zum Beson­deren.

Wo die “Farm-to-Table”-Idee nicht Trend, sondern eine Selbstverständlichkeit ist

Der Geschmack des Saar­lands begin­nt mit der Entschei­dung, alte Arten wiederzubeleben, Tiere als wertvolle Lebe­we­sen zu respek­tieren und regionale Lebens­mit­tel nicht möglichst bil­lig, son­dern möglichst gut zu erzeu­gen. Diese Entschei­dung führt z.B. auf einen Bauern­hof im Hochwald. Auf dem Döster­hof bei Wadern führt Jen­nifer Bla­sius gemein­sam mit ihrer Fam­i­lie einen Betrieb, der beispiel­haft für eine neue Gen­er­a­tion regionaler Land­wirtschaft ste­ht. „Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht“, sagt die Tierärztin und Land­wirtin. „Wir betreiben eine vielfältige, tierg­erechte und bäuer­liche Land­wirtschaft, die trans­par­ent ist für alle inter­essierten Men­schen.“

Soge­nan­nte Hochleis­tungstiere suchen Besuch­er auf dem Döster­hof verge­blich, denn Jen­nifer Bla­sius und ihr Mann set­zen auf alte Rassen, die genügsam, gesund und robust sind. Die Rinder leben von Geburt an und bis zu ihrem let­zten Tag in der Herde oder im Fam­i­lien­ver­band, das Fut­ter stammt von eige­nen Wiesen und Wei­den. Alle Pro­duk­te wer­den in der Direk­tver­mark­tung über den Hofladen verkauft oder zu leck­eren Gericht­en ver­ar­beit­et, die in der Hof­gas­tronomie mit Hof­café und Bier­garten ange­boten wer­den.

Das Öl der Kelten und die Zukunft des Genusses

Auch die Begeg­nung mit Patric Bies macht deut­lich, wie acht­sam und kreativ die Genusshandw­erk­er des Saar­lan­des mit ihrer Heimat und ihren Ressourcen umge­hen. Im Biosphären­reser­vat Blies­gau betreibt Patric Bies zusam­men mit Jörg Hec­tor die Blies­gau Ölmüh­le. Seit vie­len Jahren beschäftigt er sich mit heimis­chen Ölsaat­en und alten Kul­turpflanzen – und ent­deck­te das Lein­dot­teröl der Kel­ten wieder für die deutsche Küche. Archäol­o­gis­che Funde bele­gen, dass Lein­dot­ter in Mit­teluropa schon in der Bronzezeit sowie in der keltischen Epoche ange­baut und zum Kochen, für Lam­p­en und als Heilmit­tel ver­wen­det wurde.

Trotz ähn­lich­er Namen stam­men Lein­dot­teröl und Leinöl übri­gens von völ­lig unter­schiedlichen Pflanzen­fam­i­lien. Während Leinöl aus Flachs gewon­nen wird, ist die Lein­dot­terpflanze als Kreuzblütengewächs ver­wandt mit Raps und Senf und ihr Öl im Geschmack deut­lich milder. „Neben Sonne und Wass­er bee­in­flusst vor allem das „Ter­roir“ des Blies­gaus – mit seinen Muschel­ka­lk­land­schaften und oberem Buntsand­stein – die Qual­ität unser­er Speiseöle“, beschreibt Patric Bies. „Die Land­schaft gibt ihnen ihren einzi­gar­ti­gen Charak­ter.“

Das Saarland tischt auf: Geschmackswochen von 1. bis 31. Oktober 2026

Im Herb­st zeigt das Saar­land während der Geschmackswochen gebün­delt, was es kuli­nar­isch zu bieten hat. Mehr als 100 Ver­anstal­tun­gen bieten Urlaubern die Möglichkeit, Pro­duzen­ten über die Schul­ter zu schauen, ihre Pro­duk­te zu verkosten und die Region zu erkun­den, in der der Geschmack des Saar­lands wächst und gedei­ht. Mal geht es mit zu ein­er Hof­führung, mal zu ein­er Wein­probe oder auf eine Genuss­wan­derung. Kuli­nar­ische The­menabende und exk­lu­sive Menüs gehören eben­falls zu der Ent­deck­ungsreise durch Land­schaft, Kul­tur und Handw­erk. Infos find­et Ihr unter www.genuss.saarland

 

Foto: Touris­mus Zen­trale Saar­land