One Night at KitKat

Exklusive Doku: ARD Kultur zeigt den KitKatClub | Kommentar

(Gün­ther Dorn/Mit Mate­r­i­al der ARD) Und die näch­ste Kitkat-Doku kommt, dies­mal von der ARD: Seit mehr als 30 Jahren zählt der Berlin­er KitKat­Club zu den bekan­ntesten Orten des inter­na­tionalen Nachtlebens. Die Klei­dung wird am Ein­gang gegen kinky Out­fits einge­tauscht, Handy-Kam­eras sind ein No-Go: Das KitKat in Berlin set­zt auf strik­te Pri­vat­sphäre. Für die Doku­men­ta­tion “One Night at KitKat” von ARD Kul­tur wur­den exk­lu­siv die Türen des leg­endären Clubs geöffnet. Zu sehen ab dem 30. Sep­tem­ber 2026 in der ARD Mediathek und am 8. Okto­ber 2026 in 3Sat. Unser Ein­druck: Deut­lich unter­halt­samer als “KitKat­Club — Kinks of Berlin”.

Men­schen aus aller Welt kom­men ins KitKat, um einen Raum zu erleben, in dem Tech­noszene, sex­pos­i­tive Clubkul­tur und Fetis­chszene frei von gesellschaftlichen Kon­ven­tio­nen gelebt wer­den kön­nen. Für viele ist der Club zugle­ich ein Ort, an dem Fra­gen von Iden­tität, Zuge­hörigkeit und sex­ueller Selb­st­bes­tim­mung ver­han­delt wer­den. Seine strenge Tür­poli­tik schützt die Besuchen­den des Clubs und macht ihn gle­ichzeit­ig zu einem der geheimnisvoll­sten.

Die Doku­men­ta­tion “One Night at KitKat” wirft einen einzi­gar­ti­gen, so noch nicht gezeigten Blick auf die leg­endäre, orig­i­nale KitKat-Nacht am Sam­stag. Die Gründer:innen, Gäste und Mitar­bei­t­ende erzählen von Selb­stakzep­tanz, Gemein­schaft und per­sön­lich­er Verän­derung. Der Film begleit­et unter anderem KitKat-DJ Don Basti und seine Fre­undin Nora, die von Depres­sio­nen, Kör­perge­fühl und neuer Selb­st­sicher­heit erzählen.

Die ehe­ma­lige Köchin und heutige Dom­i­na Megan spricht über sex­uelle Selb­st­bes­tim­mung – und darüber, wo die Schutzmech­a­nis­men des Clubs an ihre Gren­zen stoßen. Die Protagonist:innen sprechen aber auch über Gren­züber­schre­itun­gen und über die Frage, wie sich Sicher­heit und Frei­heit als zen­trale Ver­sprechen der Clubkul­tur miteinan­der vere­in­baren lassen. Dabei geht es um Kom­mu­nika­tion, Ver­trauen, indi­vidu­elle Gren­zen und die Suche nach einem respek­tvollen Miteinan­der in einem Raum größt­möglich­er per­sön­lich­er Frei­heit.

 

Egal, ob man das KitKat faszinierend, fremd oder kon­tro­vers find­et: Mit diesem Film kann man etwas erleben, was son­st kaum möglich ist. Wir kon­nten erst­mals an den Sam­stagaben­den im Club drehen und Men­schen in sehr per­sön­lichen Momenten begleit­en. Dadurch entste­ht ein Blick auf eine Welt, über die viele sprechen, die aber nur wenige wirk­lich ken­nen. Wir beobacht­en, hören zu und bilden ab, ohne zu bew­erten.” Kris­t­ian Cos­ta-Zahn, Pro­gram­mgeschäfts­führer ARD Kul­tur

 

Das iranis­che Regiepaar Mohsen Najafimehri und Diba Dar­bari zeich­net ein viel­stim­miges und ambiva­lentes Bild eines Berlin­er Kul­tur­ortes und sein­er Men­schen – sinnlich und per­sön­lich, zugle­ich kri­tisch und ohne voyeuris­tis­chen Blick. “[…] Für ´One Night at KitKat´ wurde uns von den Ver­ant­wortlichen eben­so wie von den Men­schen vor und hin­ter den Kulis­sen ein außergewöhn­lich­es Ver­trauen ent­ge­genge­bracht. Danke an STARKL­film und ARD Kul­tur für diese erfol­gre­iche Zusam­me­nar­beit.” so Katrin Ste­fanović, Man­ag­ing Direc­tor Ban­i­jay Pro­duc­tions Ger­many

Die Doku­men­ta­tion bildet das Leben und die Kul­tur rund um den KitKat­Club in Berlin authen­tisch und real­ität­snah ab. Dazu gehören auch Szenen, die Nack­theit oder sex­uelle Inhalte im doku­men­tarischen Kon­text zeigen. Deshalb ist die Doku­men­ta­tion von der FSK ab 16 Jahren eingestuft. In der ARD Mediathek ist sie daher entwed­er nur mit Login für Nutzerin­nen und Nutzer ab dem entsprechen­den Alter oder ohne Login im Rah­men des Jugendme­di­en­schutzes erst ab 22.00 Uhr ver­füg­bar.

“One Night at KitKat” und “KitKatClub — Kinks of Berlin” – ein Vergleich

Ver­gle­icht frau die bei­den Dokus, “One Night at KitKat” und “KitKat­Club — Kinks of Berlin” so bleiben wir unweiger­lich beim Ersteren hän­gen. Farbe, Tonal­i­ty, The­men – alles deut­lich ansprechen­der im “One Night at KitKat”. Es gibt hier einen erkennbaren roten Faden (am Anfang geht es hinein in den Club und am Ende wieder hin­aus ins andere Leben), der den Zuschauer durch den Film leit­et. Kom­mentare von Gästen, Mitar­beit­ern und aus dem Off führen den Zuschauer durch den Film. Während “KitKat­Club — Kinks of Berlin” den Ein­druck hin­ter­läßt, das KitKat sei eher etwas für Rand­grup­pen der Gesellschaft zeigt “One Night at KitKat” sehr schön, dass der KitKat im Main­stream angekom­men ist.

Hart sind bei­de Filme auf ihre Art: “KitKat­Club — Kinks of Berlin” zeigt inten­siv­en Dro­genkon­sum und aus­führliche Gays-Sex-Szenen. Und “One Night at KitKat” hat zahlre­iche Sexszenen, het­ero und les­bisch, BDSM, Wachsspiele,… die zeigen, wie unkon­ven­tionell es im Club zuge­ht. Die Ein­stu­fung von “One Night at KitKat” mit der “Freiga­be ab 16” hat uns ehrlich gesagt gewun­det. “KitKat­Club — Kinks of Berlin” hat dage­gen die Ein­stu­fung “Ab 18”.  Bei­de wür­den “Ab 18” ver­tra­gen. Die Pro­tag­o­nis­ten in “One Night at KitKat” wer­den deut­lich pos­i­tiv­er dargestellt, die frau gerne begleit­et, ver­ste­hen kann und klar neugierig auf den Club machen. “KitKat­Club — Kinks of Berlin” ist – sich­er auch, weil er in schwarz-weiß daher kommt – deut­lich düster­er. Die fehlende Farbe bringt Art-House-Vibe, macht ihn damit aber nicht bess­er.

In “One Night at KitKat” kom­men auch die KitKat-Eign­er Simon Thaur und Kisten Krüger deut­lich bess­er weg als in “KitKat­Club — Kinks of Berlin”. Während in “KitKat­Club — Kinks of Berlin” Thaur als mißge­launter, grum­meliger alter Mann, als ein eher schwieriger Typ für Beziehun­gen dargestellt wird und Krüger gar nicht erscheint, kommt er in “One Night at KitKat” deut­lich bess­er weg, gar ein wenig sym­pa­thisch. Sich­er hil­ft es, dass er in die Doku als eine Art Held des Berlin­er Nachtlebens darstellt, der sich und anderen Men­schen Sachen ermöglicht, die viele nicht für möglich gehal­ten haben. Sie kön­nen ihre Philoso­phie darstellen, ihren Lifestyle erk­lären. Unser Ein­druck: Nach “One Night at KitKat” hat frau Lust, ein­mal in dieses “KitKat” zu gehen und des zu erleben. Die Doku macht neugierig. Beim anderen Film eher nicht, er beschreibt eine fremde Welt, die nicht unbe­d­ingt lockt.

“One Night at KitKat” ist eine Pro­duk­tion von Doc.Banijay, dem Doku-Label von Ban­i­jay Pro­duc­tions Ger­many und STARKL!film für ARD Kul­tur. Die Redak­tion ver­ant­worten Kris­t­ian Cos­ta-Zahn (Head of Con­tent ARD Kul­tur) und Katha­ri­na Groll (ARD Kul­tur). Regie führen Mohsen Najafimehri und Diba Dar­bari.

“One Night at KitKat” ist seit dem 30. Sep­tem­ber 2026 in der ARD Mediathek ver­füg­bar und nach der Tech­no-Doku­men­ta­tion “Love is Stronger” und dem Rave the Plan­et-Livestream-Ange­bot das näch­ste Pro­grammhigh­light des ARD The­men­schw­er­punk­ts “Wel­come to the Club”. Am 8. Okto­ber 2026 kön­nt Ihr  um 22:55 Uhr die Doku in 3sat zu sehen. Vielle­icht schafft sie auch noch mal in ARD Haupt­gro­gramm?

“One Night at KitKat” und “KitKat­Club — Kinks of Berlin” sowie das kür­zlich erschiene Buch “Radikal frei” der ehe­ma­li­gen Mitar­bei­t­erin im KitKat Alexan­dra Bahr kön­nte frau fast wie eine Mar­ket­ing-Offen­sive des son­st so ver­schlosse­nen und geheimn­nisumwit­terten Clubs ver­ste­hen. Oder dass man/frau ger­ade auf der KitKat-Welle mitschwim­men will.

 

Foto: ARD / Diba Dar­bari  / STARKL­film