Exklusive Doku: ARD Kultur zeigt den KitKatClub | Kommentar
Menschen aus aller Welt kommen ins KitKat, um einen Raum zu erleben, in dem Technoszene, sexpositive Clubkultur und Fetischszene frei von gesellschaftlichen Konventionen gelebt werden können. Für viele ist der Club zugleich ein Ort, an dem Fragen von Identität, Zugehörigkeit und sexueller Selbstbestimmung verhandelt werden. Seine strenge Türpolitik schützt die Besuchenden des Clubs und macht ihn gleichzeitig zu einem der geheimnisvollsten.
Die Dokumentation “One Night at KitKat” wirft einen einzigartigen, so noch nicht gezeigten Blick auf die legendäre, originale KitKat-Nacht am Samstag. Die Gründer:innen, Gäste und Mitarbeitende erzählen von Selbstakzeptanz, Gemeinschaft und persönlicher Veränderung. Der Film begleitet unter anderem KitKat-DJ Don Basti und seine Freundin Nora, die von Depressionen, Körpergefühl und neuer Selbstsicherheit erzählen.
Die ehemalige Köchin und heutige Domina Megan spricht über sexuelle Selbstbestimmung – und darüber, wo die Schutzmechanismen des Clubs an ihre Grenzen stoßen. Die Protagonist:innen sprechen aber auch über Grenzüberschreitungen und über die Frage, wie sich Sicherheit und Freiheit als zentrale Versprechen der Clubkultur miteinander vereinbaren lassen. Dabei geht es um Kommunikation, Vertrauen, individuelle Grenzen und die Suche nach einem respektvollen Miteinander in einem Raum größtmöglicher persönlicher Freiheit.
Egal, ob man das KitKat faszinierend, fremd oder kontrovers findet: Mit diesem Film kann man etwas erleben, was sonst kaum möglich ist. Wir konnten erstmals an den Samstagabenden im Club drehen und Menschen in sehr persönlichen Momenten begleiten. Dadurch entsteht ein Blick auf eine Welt, über die viele sprechen, die aber nur wenige wirklich kennen. Wir beobachten, hören zu und bilden ab, ohne zu bewerten.” Kristian Costa-Zahn, Programmgeschäftsführer ARD Kultur
Das iranische Regiepaar Mohsen Najafimehri und Diba Darbari zeichnet ein vielstimmiges und ambivalentes Bild eines Berliner Kulturortes und seiner Menschen – sinnlich und persönlich, zugleich kritisch und ohne voyeuristischen Blick. “[…] Für ´One Night at KitKat´ wurde uns von den Verantwortlichen ebenso wie von den Menschen vor und hinter den Kulissen ein außergewöhnliches Vertrauen entgegengebracht. Danke an STARKLfilm und ARD Kultur für diese erfolgreiche Zusammenarbeit.” so Katrin Stefanović, Managing Director Banijay Productions Germany
Die Dokumentation bildet das Leben und die Kultur rund um den KitKatClub in Berlin authentisch und realitätsnah ab. Dazu gehören auch Szenen, die Nacktheit oder sexuelle Inhalte im dokumentarischen Kontext zeigen. Deshalb ist die Dokumentation von der FSK ab 16 Jahren eingestuft. In der ARD Mediathek ist sie daher entweder nur mit Login für Nutzerinnen und Nutzer ab dem entsprechenden Alter oder ohne Login im Rahmen des Jugendmedienschutzes erst ab 22.00 Uhr verfügbar.
“One Night at KitKat” und “KitKatClub — Kinks of Berlin” – ein Vergleich
Vergleicht frau die beiden Dokus, “One Night at KitKat” und “KitKatClub — Kinks of Berlin” so bleiben wir unweigerlich beim Ersteren hängen. Farbe, Tonality, Themen – alles deutlich ansprechender im “One Night at KitKat”. Es gibt hier einen erkennbaren roten Faden (am Anfang geht es hinein in den Club und am Ende wieder hinaus ins andere Leben), der den Zuschauer durch den Film leitet. Kommentare von Gästen, Mitarbeitern und aus dem Off führen den Zuschauer durch den Film. Während “KitKatClub — Kinks of Berlin” den Eindruck hinterläßt, das KitKat sei eher etwas für Randgruppen der Gesellschaft zeigt “One Night at KitKat” sehr schön, dass der KitKat im Mainstream angekommen ist.
Hart sind beide Filme auf ihre Art: “KitKatClub — Kinks of Berlin” zeigt intensiven Drogenkonsum und ausführliche Gays-Sex-Szenen. Und “One Night at KitKat” hat zahlreiche Sexszenen, hetero und lesbisch, BDSM, Wachsspiele,… die zeigen, wie unkonventionell es im Club zugeht. Die Einstufung von “One Night at KitKat” mit der “Freigabe ab 16” hat uns ehrlich gesagt gewundet. “KitKatClub — Kinks of Berlin” hat dagegen die Einstufung “Ab 18”. Beide würden “Ab 18” vertragen. Die Protagonisten in “One Night at KitKat” werden deutlich positiver dargestellt, die frau gerne begleitet, verstehen kann und klar neugierig auf den Club machen. “KitKatClub — Kinks of Berlin” ist – sicher auch, weil er in schwarz-weiß daher kommt – deutlich düsterer. Die fehlende Farbe bringt Art-House-Vibe, macht ihn damit aber nicht besser.
In “One Night at KitKat” kommen auch die KitKat-Eigner Simon Thaur und Kisten Krüger deutlich besser weg als in “KitKatClub — Kinks of Berlin”. Während in “KitKatClub — Kinks of Berlin” Thaur als mißgelaunter, grummeliger alter Mann, als ein eher schwieriger Typ für Beziehungen dargestellt wird und Krüger gar nicht erscheint, kommt er in “One Night at KitKat” deutlich besser weg, gar ein wenig sympathisch. Sicher hilft es, dass er in die Doku als eine Art Held des Berliner Nachtlebens darstellt, der sich und anderen Menschen Sachen ermöglicht, die viele nicht für möglich gehalten haben. Sie können ihre Philosophie darstellen, ihren Lifestyle erklären. Unser Eindruck: Nach “One Night at KitKat” hat frau Lust, einmal in dieses “KitKat” zu gehen und des zu erleben. Die Doku macht neugierig. Beim anderen Film eher nicht, er beschreibt eine fremde Welt, die nicht unbedingt lockt.
“One Night at KitKat” ist eine Produktion von Doc.Banijay, dem Doku-Label von Banijay Productions Germany und STARKL!film für ARD Kultur. Die Redaktion verantworten Kristian Costa-Zahn (Head of Content ARD Kultur) und Katharina Groll (ARD Kultur). Regie führen Mohsen Najafimehri und Diba Darbari.
“One Night at KitKat” ist seit dem 30. September 2026 in der ARD Mediathek verfügbar und nach der Techno-Dokumentation “Love is Stronger” und dem Rave the Planet-Livestream-Angebot das nächste Programmhighlight des ARD Themenschwerpunkts “Welcome to the Club”. Am 8. Oktober 2026 könnt Ihr um 22:55 Uhr die Doku in 3sat zu sehen. Vielleicht schafft sie auch noch mal in ARD Hauptgrogramm?
“One Night at KitKat” und “KitKatClub — Kinks of Berlin” sowie das kürzlich erschiene Buch “Radikal frei” der ehemaligen Mitarbeiterin im KitKat Alexandra Bahr könnte frau fast wie eine Marketing-Offensive des sonst so verschlossenen und geheimnnisumwitterten Clubs verstehen. Oder dass man/frau gerade auf der KitKat-Welle mitschwimmen will.
Foto: ARD / Diba Darbari / STARKLfilm
