Die Aydins in Almanya

Eine deutsch-türkische Familiengeschichte zu 65 Jahre Anwerbeabkommen

Das Anwer­be­abkom­men mit der Türkei gilt als Meilen­stein deutsch­er Migra­tions­geschichte – am 30. Okto­ber 2026 jährt es sich zum 65. Mal. Die ZDF-Doku­men­ta­tion “Die Aydins in Almanya” schildert die stille Heldengeschichte eines Mannes, der mit viel Fleiß für seine Fam­i­lie ein neues, besseres Leben auf­baute.

Sabri Aydin war ein­er der ersten türkischen Gas­tar­beit­er, die 1961 nach Deutsch­land kamen – seine Geschichte ist typ­isch für die vie­len Ein­wan­der­er, die das Ruhrge­bi­et bis heute prä­gen. Der Film von Ina Baltes aus dem ZDF-Lan­desstu­dio Nor­drhein-West­falen ist ab jet­zt im ZDF-Stream­ing-Por­tal zu sehen und wird am Sam­stag, 17. Okto­ber 2026, um 17.35 Uhr im ZDF gesendet.

Vor 65 Jahren, am 30. Okto­ber 1961, wurde in Bonn das deutsch-türkische Anwer­be­abkom­men unterze­ich­net – es gilt als Meilen­stein deutsch­er Migra­tions­geschichte. Da die deutsche Wirtschaft damals auf Hoch­touren lief und drin­gend Arbeit­skräfte benötigte, soll­ten Men­schen aus der Türkei als “Gas­tar­beit­er” willkom­men geheißen wer­den. Anfangs nur befris­tet für zwei Jahre, doch schon ab 1964 war dauer­hafter Aufen­thalt möglich – und ökonomisch erwün­scht.

Ein Gastarbeiter der ersten Generation

Sabri Aydin ist mit 91 Jahren ein­er der let­zten noch leben­den Gas­tar­beit­er der ersten Gen­er­a­tion. Das Wirtschaftswun­der ver­langte nach dem Krieg nach gün­sti­gen Arbeit­skräften. Ein Foto der Deutschen Presse-Agen­tur zeigt Sabri damals mit anderen Bergleuten, als sie in Düs­sel­dorf aus dem Flugzeug stiegen. Er fing an, für Thyssen in ein­er Kohlem­ine zu schuften. Altes Film­ma­te­r­i­al zeigt, wie schw­er die Arbeits­be­din­gun­gen damals unter Tage waren. Viele aus der Fam­i­lie Aydin arbeit­en oder arbeit­eten in der Stahlin­dus­trie – alle bei Thyssen.

Deutsch lernen “wie ein Papagei”

Auf dem Foto seht Ihr die Aydins: 23 Fam­i­lien­mit­glieder und zwei Hunde beim Sam­stagskaf­fee. Sabri erzählt in gebroch­en­em Deutsch von seinen Anfän­gen im Duis­burg­er Wohn­heim. Er lernte Deutsch, so sagt er, “wie ein Papagei” mit dem Fernse­hen und den Fil­men mit Inge Mey­sel. Später holte er seine Frau und zwei Söhne nach – die Fam­i­lie lebte zu sechst auf 50 Quadrat­metern. Zur Rück­kehr in die Heimat kam es nie. Sabri sagt heute: “Mein Mut­ter­land ist die Türkei, mein Vater­land ist hier.”

 

Bild: ZDF/Ina Baltes