13. POSITIONS Berlin Art Fair | 10. bis 13.09.2026 | Berlin Flughafen Tempelhof
Seit ihrer Gründung 2014 schafft die POSITIONS Berlin Art Fair Verbindungen zwischen Epochen und Generationen. Die Messe bringt etablierte Kunstwerke und junge Positionen zusammen, lädt Besucher:innen ein, Kunst neu zu entdecken. Qualität und Relevanz der Werke sowie die wichtige Arbeit der Galerien als Beobachterinnen, Förderinnen und Vermittlerinnen stehen dabei im Mittelpunkt. Besonderes Augenmerk liegt auf der Förderung junger Künstler:innen und angehender Sammler:innen, um den Kunstmarkt langfristig zu stärken.
96 Galerien aus 20 Ländern stellen auf der POSITIONS Berlin Art Fair ihre wichtigsten künstlerischen Positionen vor. Vertreten sind Galerien aus Korea, Budapest, Japan, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Taiwan, Tschechien, Mexiko, Spanien, Lettland, Kanada, Litauen, Rumänien, Polen, der Türkei und der Ukraine. Über 300 Künstler:innen aus rund 50 Ländern stellen auf der diesjährigen POSITIONS aus.
POSITIONS Berlin Art Fair
Flughafen Tempelhof | Hangar 5 – 6
Tempelhofer Damm 45 | 12101 Berlin
ÖPNV: U6 Paradestraße
Öffnungszeiten
Freitag, 11. September 2026
12 — 14 Uhr VIP Hours
14 — 20 Uhr Reguläre Öffnungszeiten
Samstag, 12. September 2026
11 — 19 Uhr Reguläre Öffnungszeiten
Sonntag, 13. September 2026
11 — 18 Uhr Reguläre Öffnungszeiten
Eintritt
Regulär 25 Euro | Ermäßigt 15 Euro
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.
Ein besonderer Länder-Fokus liegt in diesem Jahr auf der Türkei: Drei türkische Galerien stellen auf der Messe aus und haben Werke von einigen der wichtigsten zeitgenössischen türkischen Künstler:innen im Gepäck. Sie nutzen die Messeplattform als Ort der Vermittlung, des Verkaufs und des Austauschs. Die Galeriepräsentationen werden ergänzt durch ein vielfältiges und hochwertiges Rahmenprogramm mit Sonderausstellungen, Preisverleihungen und Talks. Zu den diesjährigen Highlights gehören:
Eva Chapkin | Arsmonitor Gallery, Bucharest, A25
Für Eva Chapkin ist Fotografie eine instinktive Geste, ein Impuls, eine schnelle Reaktion auf ein Gefühl, eine Bewegung oder eine subtile Veränderung. Die rumänische Künstlerin wuchs in Tiraspol in Transnistria auf, eine international nicht anerkannte Region. Einen Großteil ihres Lebens verbrachte sie damit, irgendwo anzukommen und sofort wieder ihren Weggang vorzubereiten. Verschwinden ist bei ihr ein Dauerzustand und die Fotografie ihr intimes Tagebuch. Der fotografische Akt fungiert für Eva Chapkin als Form der Entfremdung denn als Instrument der Identitätsbehauptung: „Je mehr ich versuche, meine Präsenz zu wiederholen, meinen Körper und meine Existenz in einem bestimmten Raum zu dokumentieren, desto mehr habe ich das Gefühl, dass sie sich immer schwerer festhalten lassen.” Dieser Versuch des Festhaltens materialisiert sich vielleicht in den von Chapkin entworfenen mattschwarzen Holzrahmen. Die skulptural anmutenden Rahmen funktionieren auch nach einer körperlichen Logik, sie sind als Prothesen des Werks zu verstehen: Das Bild ist unvollständig, das Foto unzureichend, und die Rahmen erhalten die physische Erinnerung an das Bild.
Daphne van de Velde | Galerie De Baas, A22
Penthesilea, die Königin der Amazonen, praktizierte Askese, um den Schmerzen, die Liebe verursachen kann, zu entgehen. Für ebendiesen fragilen Spannungsbereich zwischen dem Verlangen nach Intimität und der Angst vor physischer Konfrontation interessiert sich die niederländische Künstlern Daphne van de Velde. Sie zeigt, wie dieser Konflikt auch heutzutage fortbesteht: Trotz der Emanzipierung bleibt weibliche Sexualität eingeschränkt und das Verlangen bleibt verschlossen unter der Oberfläche. Van de Veldes Serie Penthesilea fängt den Moment ein, in dem diese Grenze überschritten wird. Dank ihres Hintergrunds in Contemporary Dance, Architektur, Fotografie und Bildender Kunst nehmen ihre Arbeiten oft räumliche Dimensionen an. Van de Velde testet Grenzen aus und bringt Identitäten zum Vorschein. Vieles an ihrer Arbeit ist autobiografisch inspiriert, von der komplizierten Beziehung zu ihren Familienmitgliedern und von Weiblichkeit in einer männlich dominierten Gesellschaft.
Albert Scopin | FWR Galerie, Berlin, B19
Eher zufällig quartierte sich Albert Scopin 1969 im Chelsea Hotel ein und geriet dadurch in das produktivste künstlerische Umfeld seiner Zeit. Tagsüber arbeitete er als Assistent für den Modefotografen Bill King und nachts fotografierte er im Hotel: Nachbar:innen, Besucher:innen, Unbekannte. Der damals noch junge Fotograf hielt die wilde Kreativszene im Chelsea mit einer einfachen Kodak Instamatic fest, die er gelb bemalte, denn die Kamera sollte wie ein Spielzeug aussehen und die Menschen nicht in ihrem Alltag unterbrechen. Diese Beiläufigkeit zeichnet auch Scopins Fotografien aus: Menschen kommen und gehen, sitzen inmitten ihrer Besitztümer in ihren Zimmern oder werden von ihm im Fahrstuhl fotografiert. Alle Arbeiten waren nach der Erstveröffentlichung im ZEIT Magazin verloren gegangen und als sie 2016 irgendwo am Tegernsee wieder auftauchten, wollte der Fotograf erst einmal nichts mit ihnen zu tun haben. New York sei eine Selbstfindungsphase für ihn gewesen, teils schmerzhaft. Doch Stück für Stück seien die Erinnerungen zurückgekommen, bunt, warm und lebhaft. So sind die Werke selbst Dokumente des Verschwindens und der Wiederentdeckung: von Bildern, Menschen und Lebensentwürfen.
Chai Chiau-Syan | Idolon, New Taipei City, C10
Tagebuchartig verewigt Chai Chiau-Syan die beige-grauen Betonwände der Mehrfamilienhäuser deutscher Städte in ihren Keramiken und reduziert sie auf ihre Um- und Grundrisse. Auf künstlerisch-forschende Weise begibt sie sich auf die Suche nach „dem Traumhaus”, beobachtet urbanes Leben und hinterfragt die Bedeutung von Zuhause und die utopischen Konzepte des Eigenheims. Diese Suche nahm die Form von Terrazzo- Keramik-Arbeiten an, angesiedelt zwischen Konzept, Bild und Skulptur. Dabei bleiben architektonische Formen Ausgangspunkt ihrer Arbeiten, die sie dann in visuelle, meist serielle Darstellungen von Stadtlandschaften übersetzt. In Chiau-Syans Serie „Haus Sammlung 100” produzierte die Künstlerin hundert dieser Keramiken. Das zeugt nicht nur von Sammelleidenschaft, sondern ist auch Abbild verschiedener architektonischer Ausdrucksformen. Chai Chiau-Syan war bereits 2022 bei den Academy Positions vertreten.
Hyeongkyeong You | Iseurrat Artroom, Seoul, B07
Hyeonkyeong You befasst sich mit hinterlassenen Spuren und Überresten aller Art: die Spur von Krankheit im eigenen Gesicht, die Spuren von menschlichen Schritten im Schnee, das leuchtende Fenster im Haus als Spur von Leben. Gesichter auf Porträts lösen sich in Farbflecken auf, als wenn sich Identität nur auf indirekte Weise genähert werden könne. Ihr Pinselstrich mit Ölfarbe auf Leinwand ist eine Akkumulation von Momenten, jeder Farbauftrag ist Zeugnis von Warten und Aushalten. Thematisch liegt ihr Fokus auf Erinnerung und Verletzlichkeit, eine Position geformt von Migration und Isolation. „Ich habe noch nie eine unversehrte Person getroffen”, schreibt die Künstlerin. „Das Leben ist überall einsam und schwer. Doch trotz dieser Mühen hört niemand auf, sich durchzukämpfen.” Gekämpft hat auch die Künstlerin: Gegen Depressionen während ihrer Zeit in New York und dann, um all ihr Hab und Gut zusammenzupacken und nach Berlin zu ziehen. „Ich verschiffte all meine Gemälde nach Deutschland, und als sie endlich ankamen, wurde mir klar: Ich bin endgültig weggegangen”, schreibt You.
Arturs Bērziņš | Maksla XO, Riga, B20
Die Weise, wie Arturs Bērziņš’ Werke ihren Weg auf die Leinwand finden, ist ein innovatives Entre-deux, eine vom Künstler eigens entwickelte Technik, angesiedelt irgendwo zwischen Malerei und Fotografie. „Langfotografien” nennt Arturs Bērziņš seine Arbeiten. Der Künstler ist ein wichtiger Repräsentant der aktuellen lettischen Kunstszene und sucht in seinen Arbeiten Antworten auf Fragen über Strukturen, welche Kultur und Denktraditionen formen. Somit sind seine Foto-Gemälde konzeptuelle Untersuchungen über den Zusammenhang von Gegenwart und in der vergangenheit Geschehenem. Antworten finde er meist in der Natur: „In der Natur lassen sich viele verschiedene Bildwelten entdecken. Es ist jedoch wichtig, die diejenigen auszuwählen, die am meisten zum Nachdenken anregen, um ein neues Bild der Natur zu schaffen, das uns fühlen und darüber nachdenken lässt, was war, ist und sein wird, wie es war, ist und sein wird, warum es war, ist und sein wird.”
Jane Gabert | Paint Shop, Berlin, B09
In einem Spannungsfeld zwischen Schutz und Angriff, Rückzug und Sichtbarkeit verhandelt Gabert das fragile Verhältnis von Verletzlichkeit und Widerstand. Bemerkenswert ist dabei ihre sensible, aber auch nüchterne Auseinandersetzung mit Weggeworfenem, Behelfsmäßigem oder Flüchtigem. Die Künstlerin hält oft Dinge, die auf den ersten Blick banal erscheinen, fotografisch und videografisch fest – seien es Renovierungen, urbane Szenarien oder versteckte Arbeitsroutinen – um sie später aus ihrem Kontext zu nehmen und neue Narrative zu offenbaren. Im Zentrum ihrer Arbeit steht eine Ästhetik der Ambivalenz, die sich in der Wahl der Materialien ebenso zeigt wie in der offenen, oft durchlässigen Formensprache. Weiches und Hartes, Transparentes und Opakes, Körperliches und Abwesendes begegnen einander auf Augenhöhe.
Katja Jaroschewski | Paul Scherzer, Halle/Saale, B22
Raumgreifend breiten sich Stapel von Schläuchen und Kegeln aus Ton in den Arbeiten der Keramikkünstlerin Katja Jaroschewski aus. Manche dieser Formationen sind mit einem Soundmix aus Alltagsgeräuschen unterlegt. In anderen Arbeiten zweckentfremdet die Künstlerin Geschirr oder ordnet Scherben in Erde an, sodass sie einer archäologischen Ausgrabungsstätte gleichen. Jaroschewski untersucht Kausalitäten, die gesellschaftlichen Prozessen innewohnen. Ihr Ausgangspunkt ist unsere sich stetig verändernde Umwelt, in der sich der Mensch stetig neu verorten muss. Sie verarbeitet Wahrnehmungsfragmente und Erinnerungsstücke zu Objekten und setzt diese meist in Installationen zueinander in Beziehung. Abhängig von Prozess und Inhalt wählt Jaroschewski unterschiedliche Materialien wie Ton, Porzellan, Holz oder Pappmaché, die in installativen, performativen oder motorisierten Umsetzungen ihren Ausdruck finden.
Ernstina Eitner
Pierre-François Ouellette art contemporain Inc, Montréal, A24 Stickereien, Aufbereitung von Bast, Arbeit mit Wolle und Birkenholz: Am Anfang der künstlerischen Arbeit von Ernstina Eitner steht die Recherche, das Wiedererforschen und Neu-Erlernen von traditionellen Handwerkstechniken. „Meine aktuelle künstlerische Arbeit ist geprägt von der Auseinandersetzung mit meiner russlanddeutschen Familiengeschichte – eine Geschichte, der es an materieller Erinnerung mangelt, da sie von Deportation und ewigem Neuanfang bestimmt ist”, erzählt die Tochter schwarzmeerdeutscher Eltern aus Kasachstan. „Immer wieder vor dem Nichts zu stehen, lehrt, mit dem Mangel produktiv umzugehen. Von meinem Vater habe ich mir das Anfertigen eines Besens zeigen lassen, der dies bereits von seinem Vater erlernt hat.” Die Objekte, Installationen und Zeichnungen, die am Ende einer Recherche stehen, setzt Eitner anschließend räumlich zueinander in Beziehung. Oft ist es hauptsächlich die Ausstellungssituation und die damit einhergehende Hervorhebung und Würdigung, die ihre Kunstobjekte von den Alltagsgegenständen ihrer Vorfahren unterscheidet.
Susanne Piotter | Carolyn Heinz, Hamburg, A23
Beton, ein maßgeblicher Bestandteil von Susanne Piotters Arbeit, ist für die Künstlerin Bedeutungsträger sowie formales Ausdrucksmittel. “Kaum ein anderes Material prägt unsere gebaute Umwelt so nachhaltig”, erklärt Piotter. “Einst stand das Material für Innovation, bezahlbaren Wohnraum und neue Gestaltungsmöglichkeiten. Doch ebenso steht Beton für gescheiterte Projekte, Bauruinen und Bunker, die das Stadtbild prägen.” Diese Ambivalenz hält Einzug in Piotters Skulpturen aus Beton, welche grafische und ornamentale, mal fragile, mal massive Geschichten erzählen: von Reliefs, von Rohrabdrücken, von repetitiven Strukturen und modulare Konstruktionen. Susanne Piotter denkt wie eine Urbanistin, sie seziert die Struktur von Bau und Stadt — doch kreiert sie als Künstlerin. Welches ist das Erscheinungsbild einer Stadt, wenn man ihre visuelle Formgebung abstrahiert und grafisch neu repräsentiert?
Karsten Konrad | TAMMEN, Berlin
Als während Karsten Konrads Studium die Mauer fiel, wurde „der ganze Osten quasi ent sorgt“, und der Künstler erwarb russisches und polnisches Spielzeug, Nahrungsmittel, Möbel und mehr „Ostkram“ am Potsdamer Platz. „Am Alexanderplatz, wo die meisten Ministerien waren, konnte man alte Teile aus Sitzungsräumen ersteigern. Manchmal habe ich sogar Chromteile von stehen gelassenen Ostautos abmontiert“, erzählt Konrad. Aus den Gegenständen und Bauteilen setzt der Künstler Skulpturen zusammen: Manche der Wandarbeiten spielen mit den Gattungsgrenzen, indem sie trotz ihres Objektcharakters an konstruktivistische Malerei erinnern. Die Bildhauerei ist für den Künstler, der bei David Evison und Marina Abramović studierte und u. a. an der UdK Berlin lehrte, ein treffsicheres Analyseinstrument, um unsere Wirklichkeit zu untersuchen und zu überprüfen. Als visueller Archäologe gräbt er die verschütteten Hoffnungen und modernistischen Utopien aus, die in ausrangierte Gebrauchsgegenstände, Möbel, Maschinen und Architekturen eingeschrieben sind.
Länderfokus Türkei
Die türkische Kultur hat das Leben in Deutschland und Europa seit vielen Generationen intensiv mitgeprägt – so auch die bildende Kunst. Als geografisches Brückenland zwischen den Kontinenten ist die Türkei ein wichtiger Knotenpunkt für jedweden Austausch. Gerade vor dem Hintergrund einer komplizierter werdenden politischen Lage in Europa und der Welt, ist es besonders wichtig, Kunst sichtbar zu machen und die Pflege eines künstlerischen Austausches zu stärken. 2026 präsentiert die POSITIONS Berlin Art Fair ausgewählte türkische Galerien und wirft einen konzentrierten Blick auf den Kunstmarkt und die Kunstproduktion des Landes.
Oğulcan Kuş | Anna Laudel, Istanbul, C20
Der weiße Handschuh — ein wiederkehrendes Element in den Arbeiten von Oğulcan Kuş, einem türkischen Künstler, der viele Jahre in den USA lebte und stark von amerikanischer Popkultur inspiriert ist. Doch seine türkischen Wurzeln sind ebenso präsent: “Lange Zeit habe ich hauptsächlich minimalistisch und geometrisch gearbeitet. Ich glaube, das ergibt sich intuitiv daraus, dass ich in der Türkei geboren und aufgewachsen bin, denn die Türkei ist ein modernes Land mit islamischen Wurzeln, die bis ins Osmanische Reich zurückreichen, in dem die Darstellung von Figuren lange Zeit verboten war. Daher besteht der Großteil des bildlichen Erbes eher aus geometrischen Mustern und Ornamenten als aus Figuren oder Darstellungen,” erklärt der Künstler. Dieses duale Bewusstsein findet sich in den Arbeiten von Kuş wieder. So sind die weißen Handschuhe in Kuş’ Gemälden inspiriert von amerikanischen Cartoons wie Mickey Mouse und Co, und gleichzeitig beeinflusst von Kuş’ Arbeit als Art Handler, bei der das Tragen von Handschuhen unentbehrlich ist. Und: „Es gibt da einen türkischen Glauben – die unsichtbare Hand. Etwas, das das Schicksal seinen Lauf nehmen lässt, das hinter den Kulissen dafür sorgt, dass Dinge geschehen.“
Ece Özel | Ambidexter, Istanbul, A26
Für Ece Özel ist Malerei ein Zusatz zu ihrer Praxis als DJ und Soundkünstlerin, obwohl sie ursprünglich Bildende Kunst in Istanbul studierte. Doch wie viele vor ihr machte sie die Erfahrung, dass die Akademie nicht unbedingt ihre Liebe zur Kunst stärkte, denn das Klima der türkischen Kunstszene war ihrerzeit ein konservatives. Und so legte sie den Pinsel für fast zehn Jahre nie der, hielt ihre künstlerische und musikalische Identität fein säuberlich getrennt, bis sich diese Praxis nicht länger bewährte und Özel die Musik und die Kunst zu einer kohärenten gemeinsamen Ausdrucksform zusammenführte. Und die musikalischen Einflüsse sind in ihren Gemälden gut wiederzuerkennen: Ihre Arbeiten sind oft in das gleiche leuchtende Nachtclub-Rot getaucht wie ihre DJ-Sets, und auch die Schichtung der Farben, die Stimmungen und der Sinn für Timing resonieren mit den Dynamiken elektronischer Musik. Wie in der Nachtwelt finden sich auch bei Özel gesichtslose Figuren, flüchtige Silhouetten und fließende Bewegungen.
Erol Eskici | Sanatorium, Istanbul, B21
Erol Eskicis fächerförmige Strukturen aus Tinte erinnern zunächst an Flügel von Schmetterlingen oder die geriffelte Struktur einer Muschelschale, doch die reine Assoziation mit der Natur oder der Biologie wäre zu kurz gegriffen. Ganz eher interessiert der Künstler sich für die Analogien und Prozesse dieser morphologischen Einheiten, für das Falten, Biegen, Entfalten und erneute Schließen. Ob Rost, Regen oder Bakterien; es handelt sich bei Eskici oft um gepresste, verbogene oder im Laufe der Zeit abgelagerte Strukturen. Der Künstler öffnet einen Raum, in dem Formen umherwandern, sich verwandeln, vermehren und ständig neue Möglichkeiten hervorbringen. Erol Eskici stellt keine bereits entdeckte Welt dar, sondern schafft ein eigenes visuelles Universum.
Ardan Özmenoğlu | Anna Laudel, Istanbul, C20
Der Post-it-Zettel ist den Meisten eher Mittel zum Zweck, Ort des Erinnerns oder verhasster To-do-Listen. Ardan Özmenoğlu siebdruckt und bemalt die quadratischen Papierchen, die sich demzufolge leicht einrollen und dreidimensionale, beinahe architektonische Strukturen erzeugen. Auch in ihren neueren Arbeiten sucht die Künstlerin nach Voluminösität, sie bemalt Glasplatten mit Nagellack, um diese hintereinander zu positionieren, mit Transparenz und Opazität zu spielen und farbige Schichtungen zu erzeugen. Oder in ihren Neonschrift Skulpturen, in denen sie umgangssprachliche türkische Ausdrücke aufgreift. In einigen dieser Arbeiten kritisiert sie patriarchale Macho-Kultur in der Türkei, in anderen kommentiert sie globale popkulturelle Phänomene – immer mit einem Hauch Ironie.
Simla İçeli | Ambidexter, Istanbul, A26
Die weiche Farbenwelt von Simla İçeli wiegt die Betrachter:in zunächst in Sicherheit. Verspielt tanzen Figuren, Zahlen und Objekte umeinander, glasiert von Pastelltönen, schweben, treten hervor und verschwinden wieder. Doch die Kindheitserinnerungen und popkulturellen Anspielungen in İçelis Arbeiten, wie beispielsweise das Baby auf den Cicibebe-Keksen, das immer wieder vorkommt, dienen der Künstlerin lediglich als Bedeutungsträger für Themen wie Diszplin, Bestrafung und Spiel. Schicht für Schicht pellt Simla İçeli kulturell erlernte Denkweisen ab, um die darunterliegenden Fehler im patriarchalen Gesellschaftssystem zu offenbaren. Die traumgleiche, trostspendende Dimension ihrer Werke geht Hand in Hand mit den Darstellungen von Andenken aus ihrem Familienarchiv, dank derer sie ihre eigene kulturelle Identität erforscht und stets infrage stellt.
Der Ort
In diesem Jahr bespielt die POSITIONS Berlin Art Fair die großzügigen Hangars 5 und 6 des Flughafen Tempelhof — spektakuläre Räume mit industriellem Flair, sichtbaren Stahlträgern und 14 Meter hohen Wänden. Der überdachte Außenbereich bietet einen weiten Ausblick, der zum Pausieren einlädt. Bereits seit 2018 ist der Flughafen Berlin-Tempelhof der Veranstaltungsort der POSITIONS Berlin Art Fair. Seine großzügigen Hallen boten auch in herausfordernden Zeiten wie den Jahren 2020- 2022 genügend Raum für die Messe. Als größtes Baudenkmal Europas, Ort der Berliner Luftbrücke und einem mehr als 50-jährigen zivilen Luftverkehr ist der Flughafen seit langem auch ein Symbol der Freiheit und eine Bühne für Weltoffenheit und internationalen Austausch. Im September wird er in einen Hotspot für Kunst verwandelt und mit seiner monumentalen Architektur und seiner bewegten Geschichte einen spannungsreiches Umfeld für die vielseitigen Präsentationen zeitgenössischer Kunst bieten.
Die Berlin Art Week
Die POSITIONS Berlin Art Fair ist seit 2014 offizieller Partner und heute die einzige Kunstmesse der Berlin Art Week, einer prestigeträchtigen Veranstaltung, die ausgewählte Ausstellungseröffnungen von Berliner Galerien, Privatsammlungen, Projekträumen und bedeutenden Museen und Institutionen zusammenbringt, darunter die Neue Nationalgalerie, Hamburger Bahnhof, KW Institute of Contemporary Art, Berlinische Galerie, Gropius Bau und viele mehr. 2026 feiert die Berlin Art Week ihr 15-jähriges Jubiläum mit einem umfangreichen Festival Programm und dem Berlin Art Week Garten am Kulturforum.
Liebe Geniesserinnen, wir sind letztes Jahr dabei gewesen und können nur empfehlen: hingehen und staunen. Es ist wirklich klasse, was dort gezeigt wird. Und falls Du dich dort in ein Kunstwerk verliebst – Du kannst es sogar gleich kaufen.
Foto: Malgorzata-Dawidek | Holding-Patterns | 2025 | No.-4 | Color-photography 91.5 × 61 cm | Hahnemuehle-Fine-Art-Baryta-Satin-300‑g | Giclee fineart print | Limited edition | Courtesy VAN-RIJ-GALLERY
