Die Dreizehnte

13. POSITIONS Berlin Art Fair | 10. bis 13.09.2026 | Berlin Flughafen Tempelhof

Vom 10. bis zum 13. Sep­tem­ber 2026 ver­wan­delt die 13. POSITIONS Berlin Art Fair die ein­drucksvollen Hangars 5 und 6 des Flughafen Tem­pel­hof in eine spek­takuläre Plat­tform für zeit­genös­sis­che und mod­erne Kun­st: Als einzige Kun­stmesse und fes­ter Part­ner der Berlin Art Week bietet sie einen konzen­tri­erten Überblick über aktuelle Strö­mungen und ist zudem zen­traler Tre­ff­punkt von Sammler:innen, Kurator:innen und Kun­stin­ter­essierten.

Seit ihrer Grün­dung 2014 schafft die POSITIONS Berlin Art Fair Verbindun­gen zwis­chen Epochen und Gen­er­a­tio­nen. Die Messe bringt etablierte Kunst­werke und junge Posi­tio­nen zusam­men, lädt Besucher:innen ein, Kun­st neu zu ent­deck­en. Qual­ität und Rel­e­vanz der Werke sowie die wichtige Arbeit der Gale­rien als Beobach­terin­nen, Förderin­nen und Ver­mit­t­lerin­nen ste­hen dabei im Mit­telpunkt. Beson­deres Augen­merk liegt auf der Förderung junger Künstler:innen und ange­hen­der Sammler:innen, um den Kun­st­markt langfristig zu stärken.

96 Gale­rien aus 20 Län­dern stellen auf der POSITIONS Berlin Art Fair ihre wichtig­sten kün­st­lerischen Posi­tio­nen vor. Vertreten sind Gale­rien aus Korea, Budapest, Japan, der Schweiz, den Nieder­lan­den, Frankre­ich, Ital­ien, Tai­wan, Tschechien, Mexiko, Spanien, Let­t­land, Kana­da, Litauen, Rumänien, Polen, der Türkei und der Ukraine. Über 300 Künstler:innen aus rund 50 Län­dern stellen auf der diesjähri­gen POSITIONS aus.

 


POSITIONS Berlin Art Fair

Flughafen Tem­pel­hof  | Hangar 5 – 6
Tem­pel­hofer Damm 45 | 12101 Berlin
ÖPNV: U6 Parade­straße

Öff­nungszeit­en

Fre­itag, 11. Sep­tem­ber 2026
12 — 14 Uhr VIP Hours
14 — 20 Uhr Reg­uläre Öff­nungszeit­en

Sam­stag, 12. Sep­tem­ber 2026
11 — 19 Uhr Reg­uläre Öff­nungszeit­en

Son­ntag, 13. Sep­tem­ber 2026
11 — 18 Uhr Reg­uläre Öff­nungszeit­en

Ein­tritt
Reg­ulär 25 Euro | Ermäßigt 15 Euro
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Ein­tritt.


 

Ein beson­der­er Län­der-Fokus liegt in diesem Jahr auf der Türkei: Drei türkische Gale­rien stellen auf der Messe aus und haben Werke von eini­gen der wichtig­sten zeit­genös­sis­chen türkischen Künstler:innen im Gepäck. Sie nutzen die Messe­plat­tform als Ort der Ver­mit­tlung, des Verkaufs und des Aus­tauschs. Die Galeriepräsen­ta­tio­nen wer­den ergänzt durch ein vielfältiges und hochw­er­tiges Rah­men­pro­gramm mit Son­der­ausstel­lun­gen, Preisver­lei­hun­gen und Talks. Zu den diesjähri­gen High­lights gehören:

Eva Chapkin | Arsmonitor Gallery, Bucharest, A25

Für Eva Chap­kin ist Fotografie eine instink­tive Geste, ein Impuls, eine schnelle Reak­tion auf ein Gefühl, eine Bewe­gung oder eine sub­tile Verän­derung. Die rumänis­che Kün­st­lerin wuchs in Tiraspol in Transnis­tria auf, eine inter­na­tion­al nicht anerkan­nte Region. Einen Großteil ihres Lebens ver­brachte sie damit, irgend­wo anzukom­men und sofort wieder ihren Weg­gang vorzu­bere­it­en. Ver­schwinden ist bei ihr ein Dauerzu­s­tand und die Fotografie ihr intimes Tage­buch. Der fotografis­che Akt fungiert für Eva Chap­kin als Form der Ent­frem­dung denn als Instru­ment der Iden­titäts­be­haup­tung: „Je mehr ich ver­suche, meine Präsenz zu wieder­holen, meinen Kör­p­er und meine Exis­tenz in einem bes­timmten Raum zu doku­men­tieren, desto mehr habe ich das Gefühl, dass sie sich immer schw­er­er fes­thal­ten lassen.” Dieser Ver­such des Fes­thal­tens mate­ri­al­isiert sich vielle­icht in den von Chap­kin ent­wor­fe­nen mattschwarzen Holzrah­men. Die skulp­tur­al anmu­ten­den Rah­men funk­tion­ieren auch nach ein­er kör­per­lichen Logik, sie sind als Prothe­sen des Werks zu ver­ste­hen: Das Bild ist unvoll­ständig, das Foto unzure­ichend, und die Rah­men erhal­ten die physis­che Erin­nerung an das Bild.

Daphne van de Velde | Galerie De Baas, A22

Penthe­silea, die Köni­gin der Ama­zo­nen, prak­tizierte Askese, um den Schmerzen, die Liebe verur­sachen kann, zu ent­ge­hen. Für ebendiesen frag­ilen Span­nungs­bere­ich zwis­chen dem Ver­lan­gen nach Intim­ität und der Angst vor physis­ch­er Kon­fronta­tion inter­essiert sich die nieder­ländis­che Kün­stlern Daphne van de Velde. Sie zeigt, wie dieser Kon­flikt auch heutzu­tage fortbeste­ht: Trotz der Emanzip­ierung bleibt weib­liche Sex­u­al­ität eingeschränkt und das Ver­lan­gen bleibt ver­schlossen unter der Ober­fläche. Van de Veldes Serie Penthe­silea fängt den Moment ein, in dem diese Gren­ze über­schrit­ten wird. Dank ihres Hin­ter­grunds in Con­tem­po­rary Dance, Architek­tur, Fotografie und Bilden­der Kun­st nehmen ihre Arbeit­en oft räum­liche Dimen­sio­nen an. Van de Velde testet Gren­zen aus und bringt Iden­titäten zum Vorschein. Vieles an ihrer Arbeit ist auto­bi­ografisch inspiri­ert, von der kom­plizierten Beziehung zu ihren Fam­i­lien­mit­gliedern und von Weib­lichkeit in ein­er männlich dominierten Gesellschaft.

Albert Scopin | FWR Galerie, Berlin, B19

Eher zufäl­lig quartierte sich Albert Scopin 1969 im Chelsea Hotel ein und geri­et dadurch in das pro­duk­tivste kün­st­lerische Umfeld sein­er Zeit. Tagsüber arbeit­ete er als Assis­tent für den Mod­e­fo­tografen Bill King und nachts fotografierte er im Hotel: Nachbar:innen, Besucher:innen, Unbekan­nte. Der damals noch junge Fotograf hielt die wilde Kreativszene im Chelsea mit ein­er ein­fachen Kodak Insta­mat­ic fest, die er gelb bemalte, denn die Kam­era sollte wie ein Spielzeug ausse­hen und die Men­schen nicht in ihrem All­t­ag unter­brechen. Diese Beiläu­figkeit zeich­net auch Scopins Fotografien aus: Men­schen kom­men und gehen, sitzen inmit­ten ihrer Besitztümer in ihren Zim­mern oder wer­den von ihm im Fahrstuhl fotografiert. Alle Arbeit­en waren nach der Erstveröf­fentlichung im ZEIT Mag­a­zin ver­loren gegan­gen und als sie 2016 irgend­wo am Tegernsee wieder auf­taucht­en, wollte der Fotograf erst ein­mal nichts mit ihnen zu tun haben. New York sei eine Selb­stfind­ungsphase für ihn gewe­sen, teils schmerzhaft. Doch Stück für Stück seien die Erin­nerun­gen zurück­gekom­men, bunt, warm und leb­haft. So sind die Werke selb­st Doku­mente des Ver­schwindens und der Wieder­ent­deck­ung: von Bildern, Men­schen und Lebensen­twür­fen.

Chai Chiau-Syan | Idolon, New Taipei City, C10

Tage­buchar­tig verewigt Chai Chi­au-Syan die beige-grauen Beton­wände der Mehrfam­i­lien­häuser deutsch­er Städte in ihren Keramiken und reduziert sie auf ihre Um- und Grun­drisse.  Auf kün­st­lerisch-forschende Weise beg­ibt sie sich auf die Suche nach „dem Traumhaus”, beobachtet urbanes Leben und hin­ter­fragt die Bedeu­tung von Zuhause und die utopis­chen Konzepte des Eigen­heims. Diese Suche nahm die Form von Ter­raz­zo- Keramik-Arbeit­en an, ange­siedelt zwis­chen Konzept, Bild und Skulp­tur. Dabei bleiben architek­tonis­che For­men Aus­gangspunkt ihrer Arbeit­en, die sie dann in visuelle, meist serielle Darstel­lun­gen von Stadt­land­schaften über­set­zt. In Chi­au-Syans Serie „Haus Samm­lung 100” pro­duzierte die Kün­st­lerin hun­dert dieser Keramiken. Das zeugt nicht nur von Sam­mellei­den­schaft, son­dern ist auch Abbild ver­schieden­er architek­tonis­ch­er Aus­drucks­for­men. Chai Chi­au-Syan war bere­its 2022 bei den Acad­e­my Posi­tions vertreten.

Hyeongkyeong You | Iseurrat Artroom, Seoul, B07

Hyeonkyeong You befasst sich mit hin­ter­lasse­nen Spuren und Über­resten aller Art: die Spur von Krankheit im eige­nen Gesicht, die Spuren von men­schlichen Schrit­ten im Schnee, das leuch­t­ende Fen­ster im Haus als Spur von Leben. Gesichter auf Porträts lösen sich in Farbfleck­en auf, als wenn sich Iden­tität nur auf indi­rek­te Weise genähert wer­den könne. Ihr Pin­sel­strich mit Ölfarbe auf Lein­wand ist eine Akku­mu­la­tion von Momenten, jed­er Far­bauf­trag ist Zeug­nis von Warten und Aushal­ten. The­ma­tisch liegt ihr Fokus auf Erin­nerung und Ver­let­zlichkeit, eine Posi­tion geformt von Migra­tion und Iso­la­tion. „Ich habe noch nie eine unversehrte Per­son getrof­fen”, schreibt die Kün­st­lerin. „Das Leben ist über­all ein­sam und schw­er. Doch trotz dieser Mühen hört nie­mand auf, sich durchzukämpfen.” Gekämpft hat auch die Kün­st­lerin: Gegen Depres­sio­nen während ihrer Zeit in New York und dann, um all ihr Hab und Gut zusam­men­zu­pack­en und nach Berlin zu ziehen. „Ich ver­schiffte all meine Gemälde nach Deutsch­land, und als sie endlich anka­men, wurde mir klar: Ich bin endgültig wegge­gan­gen”, schreibt You.

Arturs Bērziņš | Maksla XO, Riga, B20

Die Weise, wie Arturs Bērz­iņš’ Werke ihren Weg auf die Lein­wand find­en, ist ein inno­v­a­tives Entre-deux, eine vom Kün­stler eigens entwick­elte Tech­nik, ange­siedelt irgend­wo zwis­chen Malerei und Fotografie. „Lang­fo­tografien” nen­nt Arturs Bērz­iņš seine Arbeit­en. Der Kün­stler ist ein wichtiger Repräsen­tant der aktuellen let­tis­chen Kun­st­szene und sucht in seinen Arbeit­en Antworten auf Fra­gen über Struk­turen, welche Kul­tur und Denk­tra­di­tio­nen for­men. Somit sind seine Foto-Gemälde konzeptuelle Unter­suchun­gen über den Zusam­men­hang von Gegen­wart und in der ver­gan­gen­heit Geschehen­em. Antworten finde er meist in der Natur: „In der Natur lassen sich viele ver­schiedene Bild­wel­ten ent­deck­en. Es ist jedoch wichtig, die diejeni­gen auszuwählen, die am meis­ten zum Nach­denken anre­gen, um ein neues Bild der Natur zu schaf­fen, das uns fühlen und darüber nach­denken lässt, was war, ist und sein wird, wie es war, ist und sein wird, warum es war, ist und sein wird.”

Jane Gabert | Paint Shop, Berlin, B09

In einem Span­nungs­feld zwis­chen Schutz und Angriff, Rück­zug und Sicht­barkeit ver­han­delt Gabert das frag­ile Ver­hält­nis von Ver­let­zlichkeit und Wider­stand. Bemerkenswert ist dabei ihre sen­si­ble, aber auch nüchterne Auseinan­der­set­zung mit Wegge­wor­fen­em, Behelf­s­mäßigem oder Flüchtigem. Die Kün­st­lerin hält oft Dinge, die auf den ersten Blick banal erscheinen, fotografisch und videografisch fest – seien es Ren­ovierun­gen, urbane Szenar­ien oder ver­steck­te Arbeit­srou­ti­nen – um sie später aus ihrem Kon­text zu nehmen und neue Nar­ra­tive zu offen­baren. Im Zen­trum ihrer Arbeit ste­ht eine Ästhetik der Ambivalenz, die sich in der Wahl der Mate­ri­alien eben­so zeigt wie in der offe­nen, oft durch­läs­si­gen For­men­sprache. Weich­es und Hartes, Trans­par­entes und Opakes, Kör­per­lich­es und Abwe­sendes begeg­nen einan­der auf Augen­höhe.

Katja Jaroschewski | Paul Scherzer, Halle/Saale, B22

Raum­greifend bre­it­en sich Stapel von Schläuchen und Kegeln aus Ton in den Arbeit­en der Keramikkün­st­lerin Kat­ja Jaroschews­ki aus. Manche dieser For­ma­tio­nen sind mit einem Sound­mix aus All­t­ags­geräuschen unter­legt. In anderen Arbeit­en zweck­ent­fremdet die Kün­st­lerin Geschirr oder ord­net Scher­ben in Erde an, sodass sie ein­er archäol­o­gis­chen Aus­grabungsstätte gle­ichen. Jaroschews­ki unter­sucht Kausal­itäten, die gesellschaftlichen Prozessen innewohnen. Ihr Aus­gangspunkt ist unsere sich stetig verän­dernde Umwelt, in der sich der Men­sch stetig neu verorten muss. Sie ver­ar­beit­et Wahrnehmungs­frag­mente und Erin­nerungsstücke zu Objek­ten und set­zt diese meist in Instal­la­tio­nen zueinan­der in Beziehung. Abhängig von Prozess und Inhalt wählt Jaroschews­ki unter­schiedliche Mate­ri­alien wie Ton, Porzel­lan, Holz oder Papp­maché, die in installa­tiv­en, per­for­ma­tiv­en oder motorisierten Umset­zun­gen ihren Aus­druck find­en.

Ernstina Eitner

Pierre-François Ouel­lette art con­tem­po­rain Inc, Mon­tréal, A24 Stick­ereien, Auf­bere­itung von Bast, Arbeit mit Wolle und Birken­holz: Am Anfang der kün­st­lerischen Arbeit von Ern­sti­na Eit­ner ste­ht die Recherche, das Wieder­erforschen und Neu-Erler­nen von tra­di­tionellen Handw­erk­stech­niken. „Meine aktuelle kün­st­lerische Arbeit ist geprägt von der Auseinan­der­set­zung mit mein­er rus­s­land­deutschen Fam­i­liengeschichte – eine Geschichte, der es an materieller Erin­nerung man­gelt, da sie von Depor­ta­tion und ewigem Neuan­fang bes­timmt ist”, erzählt die Tochter schwarzmeerdeutsch­er Eltern aus Kasach­stan. „Immer wieder vor dem Nichts zu ste­hen, lehrt, mit dem Man­gel pro­duk­tiv umzuge­hen. Von meinem Vater habe ich mir das Anfer­ti­gen eines Besens zeigen lassen, der dies bere­its von seinem Vater erlernt hat.” Die Objek­te, Instal­la­tio­nen und Zeich­nun­gen, die am Ende ein­er Recherche ste­hen, set­zt Eit­ner anschließend räum­lich zueinan­der in Beziehung. Oft ist es haupt­säch­lich die Ausstel­lungssi­t­u­a­tion und die damit ein­herge­hende Her­vorhe­bung und Würdi­gung, die ihre Kun­sto­b­jek­te von den All­t­ags­ge­gen­stän­den ihrer Vor­fahren unter­schei­det.

Susanne Piotter | Carolyn Heinz, Hamburg, A23

Beton, ein maßge­blich­er Bestandteil von Susanne Piot­ters Arbeit, ist für die Kün­st­lerin Bedeu­tungsträger sowie for­males Aus­drucksmit­tel. “Kaum ein anderes Mate­r­i­al prägt unsere gebaute Umwelt so nach­haltig”, erk­lärt Piot­ter. “Einst stand das Mate­r­i­al für Inno­va­tion, bezahlbaren Wohn­raum und neue Gestal­tungsmöglichkeit­en. Doch eben­so ste­ht Beton für gescheit­erte Pro­jek­te, Bau­ru­inen und Bunker, die das Stadt­bild prä­gen.” Diese Ambivalenz hält Einzug in Piot­ters Skulp­turen aus Beton, welche grafis­che und orna­men­tale, mal frag­ile, mal mas­sive Geschicht­en erzählen: von Reliefs, von Rohrab­drück­en, von repet­i­tiv­en Struk­turen und mod­u­lare Kon­struk­tio­nen. Susanne Piot­ter denkt wie eine Urban­istin, sie seziert die Struk­tur von Bau und Stadt — doch kreiert sie als Kün­st­lerin. Welch­es ist das Erschei­n­ungs­bild ein­er Stadt, wenn man ihre visuelle For­mge­bung abstrahiert und grafisch neu repräsen­tiert?

Karsten Konrad | TAMMEN, Berlin

Als während Karsten Kon­rads Studi­um die Mauer fiel, wurde „der ganze Osten qua­si ent sorgt“, und der Kün­stler erwarb rus­sis­ches und pol­nis­ches Spielzeug, Nahrungsmit­tel, Möbel und mehr „Ostkram“ am Pots­damer Platz. „Am Alexan­der­platz, wo die meis­ten Min­is­te­rien waren, kon­nte man alte Teile aus Sitzungsräu­men ersteigern. Manch­mal habe ich sog­ar Chromteile von ste­hen gelasse­nen Ostau­tos abmon­tiert“, erzählt Kon­rad. Aus den Gegen­stän­den und Bauteilen set­zt der Kün­stler Skulp­turen zusam­men: Manche der Wan­dar­beit­en spie­len mit den Gat­tungs­gren­zen, indem sie trotz ihres Objek­tcharak­ters an kon­struk­tivis­tis­che Malerei erin­nern. Die Bild­hauerei ist für den Kün­stler, der bei David Evi­son und Mari­na Abramović studierte und u. a. an der UdK Berlin lehrte, ein tre­ff­sicheres Analy­se­in­stru­ment, um unsere Wirk­lichkeit zu unter­suchen und zu über­prüfen. Als visueller Archäologe gräbt er die ver­schüt­teten Hoff­nun­gen und mod­ernistis­chen Utopi­en aus, die in aus­rang­ierte Gebrauchs­ge­gen­stände, Möbel, Maschi­nen und Architek­turen eingeschrieben sind.

 

Länderfokus  Türkei

Die türkische Kul­tur hat das Leben in Deutsch­land und Europa seit vie­len Gen­er­a­tio­nen inten­siv mit­geprägt – so auch die bildende Kun­st. Als geografis­ches Brück­en­land zwis­chen den Kon­ti­nen­ten ist die Türkei ein wichtiger Knoten­punkt für jed­we­den Aus­tausch. Ger­ade vor dem Hin­ter­grund ein­er kom­pliziert­er wer­den­den poli­tis­chen Lage in Europa und der Welt, ist es beson­ders wichtig, Kun­st sicht­bar zu machen und die Pflege eines kün­st­lerischen Aus­tausches zu stärken. 2026 präsen­tiert die POSITIONS Berlin Art Fair aus­gewählte türkische Gale­rien und wirft einen konzen­tri­erten Blick auf den Kun­st­markt und die Kun­st­pro­duk­tion des Lan­des.

Oğulcan Kuş | Anna Laudel, Istanbul, C20

Der weiße Hand­schuh — ein wiederkehren­des Ele­ment in den Arbeit­en von Oğul­can Kuş, einem türkischen Kün­stler, der viele Jahre in den USA lebte und stark von amerikanis­ch­er Pop­kul­tur inspiri­ert ist. Doch seine türkischen Wurzeln sind eben­so präsent: “Lange Zeit habe ich haupt­säch­lich min­i­mal­is­tisch und geometrisch gear­beit­et. Ich glaube, das ergibt sich intu­itiv daraus, dass ich in der Türkei geboren und aufgewach­sen bin, denn die Türkei ist ein mod­ernes Land mit islamis­chen Wurzeln, die bis ins Osman­is­che Reich zurück­re­ichen, in dem die Darstel­lung von Fig­uren lange Zeit ver­boten war. Daher beste­ht der Großteil des bildlichen Erbes eher aus geometrischen Mustern und Orna­menten als aus Fig­uren oder Darstel­lun­gen,” erk­lärt der Kün­stler. Dieses duale Bewusst­sein find­et sich in den Arbeit­en von Kuş wieder. So sind die weißen Hand­schuhe in Kuş’ Gemälden inspiri­ert von amerikanis­chen Car­toons wie Mick­ey Mouse und Co, und gle­ichzeit­ig bee­in­flusst von Kuş’ Arbeit als Art Han­dler, bei der das Tra­gen von Hand­schuhen unent­behrlich ist. Und: „Es gibt da einen türkischen Glauben – die unsicht­bare Hand. Etwas, das das Schick­sal seinen Lauf nehmen lässt, das hin­ter den Kulis­sen dafür sorgt, dass Dinge geschehen.“

Ece Özel | Ambidexter, Istanbul, A26

Für Ece Özel ist Malerei ein Zusatz zu ihrer Prax­is als DJ und Sound­kün­st­lerin, obwohl sie ursprünglich Bildende Kun­st in Istan­bul studierte. Doch wie viele vor ihr machte sie die Erfahrung, dass die Akademie nicht unbe­d­ingt ihre Liebe zur Kun­st stärk­te, denn das Kli­ma der türkischen Kun­st­szene war ihrerzeit ein kon­ser­v­a­tives. Und so legte sie den Pin­sel für fast zehn Jahre nie der, hielt ihre kün­st­lerische und musikalis­che Iden­tität fein säu­ber­lich getren­nt, bis sich diese Prax­is nicht länger bewährte und Özel die Musik und die Kun­st zu ein­er kohärenten gemein­samen Aus­drucks­form zusam­men­führte. Und die musikalis­chen Ein­flüsse sind in ihren Gemälden gut wiederzuerken­nen: Ihre Arbeit­en sind oft in das gle­iche leuch­t­ende Nacht­club-Rot getaucht wie ihre DJ-Sets, und auch die Schich­tung der Far­ben, die Stim­mungen und der Sinn für Tim­ing resonieren mit den Dynamiken elek­tro­n­is­ch­er Musik. Wie in der Nachtwelt find­en sich auch bei Özel gesicht­slose Fig­uren, flüchtige Sil­hou­et­ten und fließende Bewe­gun­gen.

Erol Eskici | Sanatorium, Istanbul, B21

Erol Eski­cis fächer­för­mige Struk­turen aus Tinte erin­nern zunächst an Flügel von Schmetter­lin­gen oder die ger­if­felte Struk­tur ein­er Muschelschale, doch die reine Assozi­a­tion mit der Natur oder der Biolo­gie wäre zu kurz gegrif­f­en. Ganz eher inter­essiert der Kün­stler sich für die Analo­gien und Prozesse dieser mor­phol­o­gis­chen Ein­heit­en, für das Fal­ten, Biegen, Ent­fal­ten und erneute Schließen. Ob Rost, Regen oder Bak­te­rien; es han­delt sich bei Eski­ci oft um gepresste, ver­bo­gene oder im Laufe der Zeit abge­lagerte Struk­turen. Der Kün­stler öffnet einen Raum, in dem For­men umher­wan­dern, sich ver­wan­deln, ver­mehren und ständig neue Möglichkeit­en her­vor­brin­gen. Erol Eski­ci stellt keine bere­its ent­deck­te Welt dar, son­dern schafft ein eigenes visuelles Uni­ver­sum.

Ardan Özmenoğlu | Anna Laudel, Istanbul, C20

Der Post-it-Zettel ist den Meis­ten eher Mit­tel zum Zweck, Ort des Erin­nerns oder ver­has­ster To-do-Lis­ten. Ardan Özmenoğlu sieb­druckt und bemalt die qua­dratis­chen Papierchen, die sich demzu­folge leicht ein­rollen und drei­di­men­sion­ale, beina­he architek­tonis­che Struk­turen erzeu­gen. Auch in ihren neueren Arbeit­en sucht die Kün­st­lerin nach Volu­minösität, sie bemalt Glas­plat­ten mit Nag­el­lack, um diese hin­tere­inan­der zu posi­tion­ieren, mit Trans­parenz und Opaz­ität zu spie­len und far­bige Schich­tun­gen zu erzeu­gen. Oder in ihren Neon­schrift Skulp­turen, in denen sie umgangssprach­liche türkische Aus­drücke auf­greift. In eini­gen dieser Arbeit­en kri­tisiert sie patri­ar­chale Macho-Kul­tur in der Türkei, in anderen kom­men­tiert sie glob­ale pop­kul­turelle Phänomene – immer mit einem Hauch Ironie.

Simla İçeli | Ambidexter, Istanbul, A26

Die weiche Far­ben­welt von Sim­la İçeli wiegt die Betrachter:in zunächst in Sicher­heit. Ver­spielt tanzen Fig­uren, Zahlen und Objek­te umeinan­der, glasiert von Pastelltö­nen, schweben, treten her­vor und ver­schwinden wieder. Doch die Kind­heit­serin­nerun­gen und pop­kul­turellen Anspielun­gen in İçelis Arbeit­en, wie beispiel­sweise das Baby auf den Cicibebe-Kek­sen, das immer wieder vorkommt, dienen der Kün­st­lerin lediglich als Bedeu­tungsträger für The­men wie Dis­z­plin, Bestra­fung und Spiel. Schicht für Schicht pellt Sim­la İçeli kul­turell erlernte Denkweisen ab, um die darun­ter­liegen­den Fehler im patri­ar­chalen Gesellschaftssys­tem zu offen­baren. Die traum­gle­iche, trost­spendende Dimen­sion ihrer Werke geht Hand in Hand mit den Darstel­lun­gen von Andenken aus ihrem Fam­i­lien­ar­chiv, dank der­er sie ihre eigene kul­turelle Iden­tität erforscht und stets infrage stellt.

Der Ort

In diesem Jahr bespielt die POSITIONS Berlin Art Fair die großzügi­gen Hangars 5 und 6 des Flughafen Tem­pel­hof — spek­takuläre Räume mit indus­triellem Flair, sicht­baren Stahlträgern und 14 Meter hohen Wän­den. Der über­dachte Außen­bere­ich bietet einen weit­en Aus­blick, der zum Pausieren ein­lädt. Bere­its seit 2018 ist der Flughafen Berlin-Tem­pel­hof der Ver­anstal­tung­sort der POSITIONS Berlin Art Fair. Seine großzügi­gen Hallen boten auch in her­aus­fordern­den Zeit­en wie den Jahren 2020- 2022 genü­gend Raum für die Messe. Als größtes Bau­denkmal Europas, Ort der Berlin­er Luft­brücke und einem mehr als 50-jähri­gen zivilen Luftverkehr ist der Flughafen seit langem auch ein Sym­bol der Frei­heit und eine Bühne für Weltof­fen­heit und inter­na­tionalen Aus­tausch. Im Sep­tem­ber wird er in einen Hotspot für Kun­st ver­wan­delt und mit sein­er mon­u­men­tal­en Architek­tur und sein­er bewegten Geschichte einen span­nungsre­ich­es Umfeld für die viel­seit­i­gen Präsen­ta­tio­nen zeit­genös­sis­ch­er Kun­st bieten.

Die Berlin Art Week

Die POSITIONS Berlin Art Fair ist seit 2014 offizieller Part­ner und heute die einzige Kun­stmesse der Berlin Art Week, ein­er pres­tigeträchti­gen Ver­anstal­tung, die aus­gewählte Ausstel­lungseröff­nun­gen von Berlin­er Gale­rien, Pri­vat­samm­lun­gen, Pro­jek­träu­men und bedeu­ten­den Museen und Insti­tu­tio­nen zusam­men­bringt, darunter die Neue Nation­al­ga­lerie, Ham­burg­er Bahn­hof, KW Insti­tute of Con­tem­po­rary Art, Berlin­is­che Galerie, Gropius Bau und viele mehr. 2026 feiert die Berlin Art Week ihr 15-jähriges Jubiläum mit einem umfan­gre­ichen Fes­ti­val Pro­gramm und dem Berlin Art Week Garten am Kul­tur­fo­rum.

Liebe Geniesserin­nen, wir sind let­ztes Jahr dabei gewe­sen und kön­nen nur empfehlen: hinge­hen und staunen. Es ist wirk­lich klasse, was dort gezeigt wird. Und falls Du dich dort in ein Kunst­werk ver­lieb­st – Du kannst es sog­ar gle­ich kaufen.

 

Foto: Mal­go­rza­ta-Daw­idek | Hold­ing-Pat­terns | 2025 | No.-4 | Col­or-pho­tog­ra­phy 91.5 × 61 cm | Hah­ne­muehle-Fine-Art-Bary­ta-Satin-300‑g | Giclee fin­eart print | Lim­it­ed edi­tion | Cour­tesy VAN-RIJ-GALLERY