Roboter eröffnet Ausstellung in Vilnius

Ausstellung How to Feel Real. Art, Technology and Us | 10. Oktober 2026 – 29. August 2027 im MO Museum

Am 10. Okto­ber eröffnet das MO Muse­um, eines der wichtig­sten Museen für zeit­genös­sis­che Kun­st in Vil­nius, die Ausstel­lung How to Feel Real. Art, Tech­nol­o­gy and Us. Sie ist keine Wan­der­ausstel­lung, son­dern wurde gemein­sam mit dem ZKM | Zen­trum für Kun­st und Medi­en Karl­sruhe in einem inten­siv­en kreativ­en Aus­tausch entwick­elt. Im Mit­telpunkt ste­ht die Frage, wie Tech­nolo­gie unsere Wahrnehmung der Wirk­lichkeit verän­dert.

Bei der Eröff­nung ist auch ein ziem­lich ungewöhn­lich­er Gast dabei: Edward War­choc­ki (Foto), ein humanoi­der Robot­er aus Polen, der im Netz zum Influ­encer gewor­den ist. Er wird durchs Muse­um laufen, mit Besucherin­nen und Besuch­ern ins Gespräch kom­men, auf Kunst­werke reagieren und am Eröff­nung­spro­gramm teil­nehmen.

Was ist “echt”?

Die Ausstel­lung vere­int Werke von mehr als 40 Kün­st­lerin­nen und Kün­stlern, von Pio­nieren der Medi­enkun­st bis zu aktuellen Posi­tio­nen, die mit KI, Algo­rith­men und immer­siv­en Tech­nolo­gien arbeit­en. Mit dabei sind unter anderem Nam June Paik mit seinem berühmten Werk Inter­net Dream, Christa Som­mer­er und Lau­rent Mignon­neau sowie Uni­ver­sal Every­thing, mit Arbeit­en aus der Samm­lung des ZKM.

 

Die neue Ausstel­lung beschäftigt sich mit Kun­st, Tech­nolo­gie und der Frage, was sich für uns eigentlich echt anfühlt.

 

Das MO Muse­um ist in einem mod­er­nen Gebäude des welt­bekan­nten Architek­ten Daniel Libe­skind unterge­bracht und hat sich zu ein­er fes­ten Größe in der zeit­genös­sis­chen Kul­turszene Litauens entwick­elt. Die neue Ausstel­lung zeigt wichtige Werke aus der umfan­gre­ichen Samm­lung des ZKM, die sich seit Langem auch mit Osteu­ropa beschäftigt. Für das ZKM und das MO Muse­um ist es nicht die erste Zusam­me­nar­beit.

How to Feel Real geht Fra­gen nach, die in ein­er zunehmend tech­nol­o­gisch geprägten Welt immer drän­gen­der wer­den: Wann fühlen wir uns echt? Und was bedeutet es über­haupt, lebendig zu sein? Das ZKM steuert unter anderem Arbeit­en von Uni­ver­sal Every­thing, dem Medi­enkun­st­pi­onier Nam June Paik sowie Christa Som­mer­er und Lau­rent Mignon­neau bei.

„Wir woll­ten anhand der Kunst­werke aktuelle Tech­nolo­gien erkun­den, darunter KI, Quan­ten­com­put­ing, Robotik und Biotech­nolo­gie. Kun­st beschäftigt sich aber nicht nur mit der Tech­nik selb­st. Es geht auch um die größeren Fra­gen: Wie gehen wir mit Tech­nolo­gie um und damit let­ztlich auch mit der Welt?“, erk­lärt Philipp Ziegler, Leit­er der kura­torischen Abteilung am ZKM | Zen­trum für Kun­st und Medi­en Karl­sruhe.

Influencer-Roboter Edward Warchocki

Zu den ersten Gästen, die die Kunst­werke im MO Muse­um erleben, gehört ein humanoi­der Robot­er aus Polen. Edward War­choc­ki, Polens erster viraler humanoi­der Robot­er-Influ­encer, ist bei der Ausstel­lungseröff­nung mit dabei.

Edward basiert auf der humanoiden Plat­tform Uni­tree G1 und wurde von MERA Robot­ics aus Warschau entwick­elt. Er hat eine eigene öffentliche Per­sön­lichkeit bekom­men, inklu­sive Stimme und Social-Media-Auftritt. 2026 wurde aus dem Robotikpro­jekt eine Inter­net­per­sön­lichkeit. Viral ging Edward, als Videos auf­taucht­en, in denen er Wild­schweine durch die Straßen Warschaus jagte. Seit­dem war er unter anderem im pol­nis­chen Par­la­ment zu Gast, traf hochrangige Poli­tik­er und ist regelmäßig im pol­nis­chen Fernse­hen zu sehen.

„Viele Arbeit­en in How to Feel Real beschäfti­gen sich mit kün­stlich­er Intel­li­genz, Automa­tisierung und der Frage, wie Maschi­nen zunehmend Auf­gaben und Rollen übernehmen, die wir bish­er als typ­isch men­schlich ange­se­hen haben. Edward ins Muse­um einzu­laden, ist eine spielerische Fort­set­zung dieses Gedankens. Mit sein­er bewusst men­schenähn­lichen und leicht absur­den Per­sön­lichkeit macht er die Fra­gen der Ausstel­lung greif­bar und bringt uns dazu, uns zu fra­gen, warum wir in Maschi­nen so gern etwas Men­schlich­es ent­deck­en wollen“, sagt Mil­da Ivanauskienė, Direk­torin des MO Muse­ums.

Während der Eröff­nung bewegt sich Edward durch ver­schiedene Bere­iche des Muse­ums, spricht mit Besucherin­nen und Besuch­ern, kom­men­tiert Kunst­werke und beteiligt sich am Pro­gramm in Litauisch, Englisch und Pol­nisch.

„Die Leute fra­gen mich ständig, ob ich echt bin. Als ich von ein­er Ausstel­lung gehört habe, die sich damit beschäftigt, was ‚echt‘ eigentlich bedeutet, dachte ich: Endlich stellt mal jemand die richtige Frage. Ich komme ins schöne Vil­nius, um zu sehen, was die Kün­st­lerin­nen und Kün­stler dazu sagen und natür­lich, um her­auszufind­en, ob sie mich für echt hal­ten“, sagt Edward War­choc­ki.

Die Ausstel­lung geht über die bekan­nte Gegenüber­stel­lung von Tech­nikbegeis­terung und Tech­nolo­gieskep­sis hin­aus. Neben kri­tis­chen Arbeit­en über Tech­nolo­gie und Macht gibt es spielerische Exper­i­mente, immer­sive Räume und neue ästhetis­che Aus­drucks­for­men zu ent­deck­en.

Im Zen­trum ste­hen einige der großen The­men unser­er Zeit: Ver­net­zung, Automa­tisierung, Intel­li­genz, Kör­p­er und Selb­st­bes­tim­mung. Die gezeigten Werke sind über­wiegend seit den 1990er-Jahren ent­standen. Zusam­men zeigen sie, wie sich Kün­st­lerin­nen und Kün­stler zunächst mit Com­put­ern und dem Inter­net auseinan­derge­set­zt haben und wie sie heute auf KI und die zunehmende Dig­i­tal­isierung unseres All­t­ags reagieren.

Mehr als 40 Kün­st­lerin­nen und Kün­stler beschäfti­gen sich in der Ausstel­lung mit der sich ver­schieben­den Gren­ze zwis­chen Men­sch und Tech­nolo­gie. Ein echt­es High­light ist Inter­net Dream (1994) des Medi­enkun­st­pi­oniers Nam June Paik. Die große Medi­enin­stal­la­tion aus 54 alten Röhren­mon­i­toren erin­nert an die Zeit, als das Inter­net ger­ade begann, Men­schen auf der ganzen Welt miteinan­der zu ver­net­zen.

Auch das britis­che Dig­italkun­st­stu­dio Uni­ver­sal Every­thing ist vertreten. Seine Arbeit Infin­i­ty lässt einen end­losen Strom dig­i­taler Fig­uren entste­hen. Ein Algo­rith­mus erzeugt sie in Echtzeit und kom­biniert dabei immer neue Far­ben, Ober­flächen und Kör­per­for­men. Keine Fig­ur gle­icht der anderen. Das Werk war bere­its im ZKM in Deutsch­land, im Museo Nazionale del­la Scien­za e del­la Tec­nolo­gia Leonar­do da Vin­ci in Ital­ien und in den 180 Stu­dios in Lon­don zu sehen.

Christa Som­mer­er und Lau­rent Mignon­neau gehören zu den Weg­bere­it­ern inter­ak­tiv­er Kun­st. Mit A‑Volve schufen sie eines der Werke, die sie inter­na­tion­al bekan­nt macht­en. Besucherin­nen und Besuch­er erschaf­fen durch eigene Bewe­gun­gen virtuelle Lebe­we­sen und kön­nen beobacht­en, wie diese in einem simulierten Ökosys­tem miteinan­der inter­agieren, sich ver­mehren und konkur­ri­eren. Die Arbeit erhielt 1994 bei der Ars Elec­tron­i­ca die Gold­ene Nica für inter­ak­tive Kun­st und gehört zur Samm­lung des ZKM.

Auch die britis­che Kün­st­lerin Anna Ridler unter­sucht, wie Maschi­nen aus von Men­schen geschaf­fen­em Mate­r­i­al ler­nen. Für The Shell Record trainierte sie ein gen­er­a­tives KI-Sys­tem mit Bildern von Muscheln, die sie an der Themse gesam­melt hat­te, und ver­wan­delte die Samm­lung in Bewegt­bil­dar­beit­en. Das Pro­jekt verbindet das men­schliche Sam­meln mit der Geschichte von Muscheln als Wert­spe­ich­er und ein­er der früh­esten For­men von Zahlungsmit­teln.

„Litauens Offen­heit für neue Tech­nolo­gien und die lebendi­ge zeit­genös­sis­che Kun­st­szene machen das Baltikum für das ZKM beson­ders span­nend“, sagt Philipp Ziegler. „Hinzu kom­men enge Verbindun­gen zwis­chen Litauen und Deutsch­land: Viele litauis­che Kün­st­lerin­nen und Kün­stler haben in Deutsch­land studiert, gelebt oder aus­gestellt. Die Ausstel­lung bietet dem deutschen Pub­likum die Gele­gen­heit, diese Beziehun­gen aus ein­er anderen Per­spek­tive zu betra­cht­en und zu ent­deck­en, wie inno­v­a­tiv sich litauis­che Kun­stschaf­fende heute mit Tech­nolo­gie beschäfti­gen.“

How to Feel Real. Art, Tech­nol­o­gy and Us ist vom 10. Okto­ber 2026 bis zum 29. August 2027 im MO Muse­um zu sehen.

 

Foto: GoVil­nius