Wie Marilyn Monroe den Bikini als Karrierebooster nutzte

5. Juli — Tag des Bikinis

Ihr lieben Geniesserin­nen, heute hat der Biki­ni Geburt­stag! 76 Jahre wird er alt. Sein Erfind­er Louis Réard war ein Visionär und inno­v­a­tives Mar­ket­ingge­nie aus Paris: 1946 schuf er den Biki­ni, das wohl skan­dalös­es­te Klei­dungstück der Geschichte und Sym­bol der weib­lichen Selb­st­bes­tim­mung. Réard präsen­tierte den Biki­ni in Paris, der Haupt­stadt der Mode, im Rah­men ein­er auf­se­hen­erre­gen­den Show und ern­tete weltweites Entset­zen, Erstaunen und immensen Wider­stand. Der Biki­ni war ein Skan­dal – nicht ansatzweise trag­bar für die Frauen­welt der kon­ser­v­a­tiv­en Nachkriegszeit.

 

Und genau dieses skan­dalöse Poten­zial wurde genutzt: Die auf­streben­den Mod­els rund um den Globus ris­sen sich um Louis Réards pro­voka­tive Schöp­fun­gen – sich im Biki­ni zu zeigen, garantierte Schlagzeilen: „Bad news are good news“.

Die damals als freizügig erachteten Fotografien von Brigitte Bar­dot, Rita Hay­worth oder Esther Williams sind heute welt­berühmt. Und ein Welt­star, damals noch den Tauf­na­men „Nor­ma Jeane“ tra­gend, nutzte den Biki­ni-Hype in den USA, um aus der Bedeu­tungslosigkeit auszubrechen. Mar­i­lyn Mon­roe startete ihre furiose Kar­riere mit inten­siv­en Biki­ni-Serien und ihr schneller Ruhm half vice ver­sa, den Biki­ni salon­fähig zu machen. Wie Brigitte Bar­dot war sie als Man­nequin für den Biki­ni-Erfind­er Réard tätig.

 

Der Bikini als Karrierebooster für Hollywood-Diven

Als Louis Réard, gel­ern­ter Maschi­nen­bauin­ge­nieur, vor 76 Jahren im Paris­er Schwimm­bad Moli­tor einen nabel­freien und für die rigide Sex­ual­moral der Nachkriegszeit viel zu knap­pen Biki­ni von der Nacht­clubtänz­erin Miche­line Bernar­di­ni präsen­tieren ließ, hielt die Welt vor Entset­zen den Atem an.

Réard war sein­er Zeit weit voraus: Den „Biki­ni“ benan­nte er nach dem gle­ich­nami­gen Biki­ni-Atoll, das wegen der kurz zuvor stattge­fun­de­nen Atom­bomben-Tests der Amerikan­er die inter­na­tionalen Schlagzeilen dominierte – so sollte seine Erfind­ung mit der Sprengkraft ein­er Atom­bombe assozi­iert wer­den. Wen­ngle­ich rund 20 Jahre vergin­gen, bis der Biki­ni im Zuge der sex­uellen Rev­o­lu­tion und der Emanzi­pa­tions­be­we­gung salon­fähig wurde, hat­ten sich Hol­ly­wood­stars wie Brigitte Bar­dot, Esther Williams oder Mar­i­lyn Mon­roe bere­its früh in Réards pro­voka­tiv­er Schöp­fung gezeigt, um medi­ales Inter­esse auf sich zu ziehen – der hier­durch aus­gelöste Skan­dal diente als wirk­samer Kar­ri­ere­boost­er.

 

Marilyn Monroe als Werbefigur des Bikini-Erfinders Louis Réard

Laut Ghis­laine Ray­er, Bade­mod­en­ex­per­tin und Kura­torin des BikiniART­mu­se­ums in Bad Rap­pe­nau, bestand zwis­chen Mar­i­lyn Mon­roe und dem Biki­ni-Erfind­er eine enge Verbindung: Unter dem Namen „Nor­ma Jeane Bak­er“ ließ sich die Hol­ly­wood­ikone bere­its in den 1950er-Jahren medi­en­wirk­sam im Biki­ni fotografieren – eine Zeit, in der etwa deutsche Mag­a­zine noch der Ansicht waren, dass eine anständi­ge junge Frau so etwas Freizügiges niemals tra­gen würde. Zwar fand zwis­chen Mon­roe und Réard keine per­sön­liche Begeg­nung statt, doch ver­wen­dete der Mod­e­schöpfer eine ihrer Fotografien, um für Lin­gerie zu wer­ben, die er zum Verkauf in sein­er Bou­tique anbot.

Tragis­cher­weise ver­starb Mar­i­lyn Mon­roe in jen­em Jahr, in welchem der Biki­ni durch Ursu­la Andress‘ Auftritt im Bond­streifen „007 jagt Dr. No“ (1962) erst­mals für eine bre­it­ere Masse attrak­tiv wurde. Den­noch gilt Mon­roe auf­grund ihres modis­chen Selb­st­be­wusst­seins und ihres Muts zur Pro­gres­siv­ität als unbe­strit­tene Weg­bere­i­t­erin jenes Stückchen Stoffs, das noch heute viele Bade- und Schwimm­begeis­terte treu durch den Som­mer begleit­et.

 

Marilyns originaler Badeanzug im BikiniARTmuseum

Die umfassende Bade­mod­en­samm­lung des BikiniART­mu­se­ums birgt auch ein von Mar­i­lyn Mon­roe getra­genes Exponat: Es han­delt sich um einen schwarzen Ein­teil­er, beset­zt mit Spitze und Samt, den Mon­roe im Rah­men eines Werbeshoot­ings für den Film „Love Nest“ (1951) getra­gen hat und der Details über die reale Statur der Schaus­pielikone ver­rät: Ent­ge­gen der gängi­gen Annahme, Mon­roe wäre ein kurviges Plus-Size-Mod­el gewe­sen, passte der Badeanzug kein­er Schaufen­ster­puppe mit Größe 34, denn mit einem Tail­lenum­fang von nur 56 cm war die Film­le­gende über­aus schlank.

Zu dieser Erken­nt­nis gelangte jüngst auch Kim Kar­dashi­an, die für ihren umstrit­te­nen „Met Gala“-Auftritt im Mai diesen Jahres 7 kg an Gewicht ver­loren hat­te, um in Mon­roes Orig­i­nal-Kleid zu passen. Die fol­gen­den medi­alen Diskus­sio­nen um Kar­dashi­ans geschicht­strächtige Klei­der­wahl führten vor Augen, wie tief Mar­i­lyn Mon­roe als arche­typ­is­che Hol­ly­wood­ikone im kollek­tiv­en Gedächt­nis ver­ankert ist: Dass die Vor­re­i­t­erin der sex­uellen Rev­o­lu­tion das ästhetis­che Poten­zial des Biki­nis lange Zeit vor dessen Durch­bruch erkan­nte, soll auch am 76. Geburt­stag des skan­dalösen Stückchen Stoffs gewürdigt wer­den.

 

Über das BikiniARTmuseum

Das BikiniART­mu­se­um in Bad Rap­pe­nau ist der weltweit erste Ort, an dem das gesamte his­torische und zeit­genös­sis­che Wis­sen zu den The­men­feldern Bade­mode und Bade­mod­enkul­tur akku­muliert und der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Die Besucher:innen erwarten rund 400 ab 1870 datierte Exponate, inter­ak­tive Sta­tio­nen sowie ein inte­gri­ertes Self­iemu­se­um. Neben Mar­i­lyn Mon­roes Spitzenein­teil­er stellen die Bade­mod­en­stücke des Biki­ni-Erfind­ers Louis Réard Höhep­unk­te der Ausstel­lung dar – 13 der 17 noch erhal­te­nen Orig­i­nale befind­en sich im Besitz des BikiniART­mu­se­ums.

 

Quelle: Alexan­dra Regiert, BikiniART­mu­se­um
Video: BikiniART­mu­se­um