Zollverein Essen vollendet weltweit einzigartigen Denkmalpfad

Neue Stationen erschließen bislang verborgene Bereiche der Kokerei

Mit der Eröff­nung der bei­den finalen Sta­tio­nen “Umweltschutz” und “Beheizen” ist der Aus­bau des Essen­er Denkmalp­fads Kok­erei abgeschlossen. Mod­erne Ausstel­lung­stech­nik, Lichtin­sze­nierun­gen, his­torische Auf­nah­men und Orig­i­nalschau­plätze machen Indus­triegeschichte heute dort erleb­bar, wo einst täglich tausende Ton­nen Kohle zu Koks ver­ar­beit­et wur­den. Beson­ders spek­takulär ist die neue Sta­tion “Beheizen” im Inneren der Kok­söfen von Bat­terie 9.

Nach dem Rück­bau des Son­nen­rads wur­den die aufgeschnit­te­nen Öfen in sieben Meter Höhe durch einen rund 30 Meter lan­gen Lauf­steg bege­hbar gemacht. Ermöglicht wird der Aus­bau durch die RAG-Stiftung als Haupt­förderin, den Land­schaftsver­band Rhein­land (LVR), die NRW-Stiftung, die Gesellschaft der Fre­unde und Förder­er der Stiftung Zol­lvere­in e. V. sowie die opta data Zukun­fts-Stiftung.

Zol­lvere­in in Essen ist die einzige voll­ständig im Orig­i­nal erhal­tene Kok­erei, die muse­al erschlossen und dauer­haft für Besucherin­nen und Besuch­er zugänglich gemacht wurde. Bere­iche, die über Jahrzehnte nicht öffentlich zugänglich waren, sind dabei zu neuen Erleb­nisorten gewor­den. Wo einst in 304 Öfen bei Tem­per­a­turen von rund 1.250 Grad täglich etwa 10.000 Ton­nen Kohle zu rund 8.600 Ton­nen Koks vere­delt wur­den, kön­nen Besucherin­nen und Besuch­er heute die Pro­duk­tion­s­abläufe und Arbeit­sorte mehrerer Gen­er­a­tio­nen von Kok­erei-Beschäftigten nachvol­lziehen. Über sechs Jahre hin­weg wur­den zehn Ver­mit­tlungssta­tio­nen geschaf­fen: Bere­iche, die bis­lang ver­bor­gen oder früher auss­chließlich den Mitar­beit­ern der einst größten Zen­tralkok­erei Europas vor­be­hal­ten waren.

“Mit der Fer­tig­stel­lung der zehn Ver­mit­tlungssta­tio­nen erre­ichen wir einen beson­deren Meilen­stein für Zol­lvere­in”, sagt Christoph Tesche, Vor­standsvor­sitzen­der der Stiftung Zol­lvere­in. “Die Kok­erei ist ein außergewöhn­lich­es Zeug­nis der Indus­triegeschichte — und nun kön­nen Besucherin­nen und Besuch­er diese Geschichte an immer mehr authen­tis­chen Orten unmit­tel­bar erleben. Mein beson­der­er Dank gilt allen Förder­ern und Part­nern, die diesen Weg gemein­sam mit uns möglich gemacht haben.”

Starke Partner für ein außergewöhnliches Projekt

Entschei­dend für die Umset­zung des Denkmalp­fads war die langfristige Unter­stützung durch starke Förder­part­ner. Seit Beginn des Pro­jek­ts engagieren sich die RAG-Stiftung als Haupt­förderin, der Land­schaftsver­band Rhein­land, die NRW-Stiftung, die Gesellschaft der Fre­unde und Förder­er der Stiftung Zol­lvere­in e. V. sowie die opta data Zukun­fts-Stiftung.

Zwei finale Stationen: Feuer, Rauch und der blaue Himmel über der Ruhr

Wie wur­den die Öfen auf der Kok­erei durch Flam­men und die Abhitze der Rauch­gase beheizt? Genau das ver­an­schaulicht eine Lichtin­sze­nierung in der neuen Sta­tion “Beheizen”; grafis­che Ele­mente unter­stützen die Darstel­lung des Beheizungswegs. Beson­ders spek­takulär: Inter­essierte bewe­gen sich in etwa sieben Metern Höhe im Inneren der Kok­söfen von Bat­terie 9. Nach dem Rück­bau des Son­nen­rads führt jet­zt ein 30 Meter langer Lauf­steg quer durch die aufgeschnit­te­nen Öfen.

Die zweite neue Sta­tion “Umweltschutz” richtet den Blick auf ein anderes Kapi­tel der Kok­erei-Geschichte. Die Anlage nahm 1961 ihren Betrieb auf — in ein­er Zeit, in der zugle­ich das öffentliche Bewusst­sein für die enorme Luftver­schmutzung im Ruhrge­bi­et wuchs. His­torische Fil­mauf­nah­men, Zitate und Infor­ma­tio­nen zu typ­is­chen Emis­sio­nen ver­an­schaulichen den Kon­flikt zwis­chen indus­trieller Pro­duk­tion, Nach­barschaft und zunehmenden Anforderun­gen an den Umweltschutz.

Eine Riech­sta­tion ver­mit­telt auf schad­stoff­freier Basis sog­ar einen charak­ter­is­tis­chen Geruch der Kokerei.Die Sta­tion zeigt zugle­ich, wie tech­nis­che Entwick­lun­gen den Emis­sion­sausstoß im Laufe der Jahrzehnte deut­lich ver­ringerten und welche Lösun­gen auf der Kok­erei Zol­lvere­in zum Ein­satz kamen.

Ste­fanie Reichart, Vor­standsmit­glied der Stiftung Zol­lvere­in, sagt: “Um Zukun­ft gestal­ten zu kön­nen, müssen wir ver­ste­hen, woher wir kom­men. Ger­ade auf Zol­lvere­in bedeutet Ver­mit­tlung deshalb weit mehr, als tech­nis­che Abläufe zu erk­lären. Wir erzählen auch von den Men­schen, die hier gear­beit­et haben, von ihren Arbeits­be­din­gun­gen und von gesellschaftlichen Verän­derun­gen.”

Zehn Stationen erzählen einen Produktionsprozess

Mit “Umweltschutz” und “Beheizen” schließt sich der Kreis eines Pro­jek­ts, das 2020 mit der Eröff­nung der Sta­tion “Löschen” begann. Es fol­gten unter anderem “Arbeit und Leben”, “Drück­en”, “Verkokung” und “Neben­pro­duk­te”. Im Jahr 2025 wur­den die Sta­tio­nen “Abkühlen”, “Über­gabe” sowie “Fuchs und Schorn­stein” eröffnet. Ab sofort erschließen jet­zt ins­ge­samt zehn Ver­mit­tlungssta­tio­nen die kom­plex­en Abläufe der Kok­erei — vom Weg der Kohle über Verkokung, Beheizung und Küh­lung bis zu Neben­pro­duk­ten, Arbeitswelt und Umweltschutz. Gemein­sam mit dem Gestal­tungs­büro “jan­gled nerves” ent­stand dafür ein Ver­mit­tlungskonzept, das tech­nis­che Zusam­men­hänge nicht nur erk­lärt, son­dern mit Licht, Pro­jek­tio­nen, Film, Ton und räum­lichen Insze­nierun­gen sinnlich erfahrbar macht. Die architek­tonis­che Umset­zung stammt vom Büro “New Architek­ten” aus Köln.

Über die Stiftung Zollverein

Die Stiftung Zol­lvere­in hat den Auf­trag, das UNESCO-Wel­terbe Zol­lvere­in in Essen zu bewahren und zu entwick­eln und ist Eigen­tümerin der übertägi­gen Gebäude und Anla­gen. Die “schön­ste Zeche der Welt” gehört seit 2001 zum UNESCO-Wel­terbe. Seit­dem wer­den Zeche und Kok­erei Zol­lvere­in als iden­titätss­tif­ten­des Denkmal bewahrt und mit muse­alen Ange­boten, Konz­erten und Ver­anstal­tun­gen kul­turell bespielt. Mit rund 1,7 Mio. Besuchen jährlich ist Zol­lvere­in die größte Touris­te­nat­trak­tion im Ruhrge­bi­et und mit zahlre­ichen Unternehmen aus der Kreativ- und Inno­va­tion­swirtschaft ein wach­sender Wirtschafts­stan­dort.

 

Foto: Jochen Tack/Zollverein