Aufsehen erregender Scherz von Aktivistinnen gegen adidas

Clean Clothes Campaign — Kampagne für saubere Kleidung

Am Fash­ion-Week Montag,16.01.2023, haben Aktivistin­nen von The Yes Men in Zusam­me­nar­beit mit der Clean Clothes Cam­paign in einem öffentlichkeitswirk­samen Scherz die Schein­heiligkeit von adi­das in Bezug auf die Rechte der Bek­lei­dungsar­bei­t­erin­nen aufgezeigt. Geniesserinnen.de-Fotograf Gün­ther Dorn war vor Ort in der Plat­te Berlin dabei und die Aktion begann mit der erstaunlichen Ankündi­gung von ‘adi­das’:

 

Der ange­blich neuer Co-CEO von adi­das, Frau Vay Ya Nak Phoan (rechts) und der ange­bliche adi­das-Man­ag­er Mike Bonan­no von The Yes Men (links)
Bild: Gün­ther Dorn / geniesserinnnen.de

 

Arbeit­srechte sollen Pri­or­ität bekom­men und ab jet­zt geschützt wer­den. Angekündigt wurde auch die Absicht zur Ernen­nung ein­er ehe­ma­li­gen Bek­lei­dungsar­bei­t­erin und Gew­erkschafts­führerin aus Kam­bod­scha, ‘Vay Ya Nak Phoan’ (‘Bek­lei­dungsar­beit­er’ auf Khmer) zur Co-CEO neben Bjørn Gulden, der seit dem 1. Jan­u­ar die Leitung des Unternehmens über­nahm. ‘Phoan’ soll dabei vor allem die ethis­che Ver­ant­wor­tung von adi­das im Blick behal­ten. Ihr erster Schritt im Amt war die Unterze­ich­nung der Vere­in­barung ‘Pay Your Work­ers’, ein von Gew­erkschaften und Arbeit­srecht­sor­gan­i­sa­tio­nen entwick­el­ter Vorschlag zu Löh­nen, Abfind­un­gen und Vere­ini­gungs­frei­heit.

 

‘Own the Reality’ statt ‘Own the Game’

Am Mon­tag wurde eine Pressemit­teilung von der Domain adidas-group.com.de ver­schickt, in der das adi­das-Mot­to ‘Own the Game’ durch ‘Own the Real­i­ty’ erset­zt wurde. Sie enthielt Links zu einem Foto von Gulden und ‘Phoan’, die schein­bar die Vere­in­barung ‘Pay Your Work­ers’ unterze­ich­nen und sich verpflicht­en, die sys­temis­chen Prob­leme des Lohn- und Abfind­ungs­dieb­stahls und der Zer­schla­gung von Gew­erkschaften anzuge­hen.

Nach den Bericht­en über den Stre­ich am Mon­tag besucht­en zahlre­iche Mode­begeis­terte eine schock­ierende ‘adidas’-Modenschau im Rah­men der Berlin­er Mod­e­woche. Die Ein­führung der neuen Bek­lei­dungslin­ie suf­fer­ing-for­ward Real­i­ty­wear sollte die Not­lage der adidas-Arbeiter*innen in den Pro­duk­tion­slän­dern wider­spiegeln. Jedes Klei­dungsstück wurde ange­blich sechs Monate lang von kam­bod­sch­a­nis­chen Textilarbeiter*innen getra­gen, um einen wahrhaft verzweifel­ten Look zu erzie­len.

Während die Ankündi­gung eines neuen Co-CEO darauf abzielte, eine alter­na­tive Real­ität zu präsen­tieren, in der adi­das bere­it ist, sich für seine Arbei­t­erin­nen einzuset­zen, verdeut­lichte die offen­siv-geschmack­lose Mod­en­schau die bru­tale Real­ität, in der aktuell im Streben nach Prof­it die Rechte der Beschäftigten ver­let­zt wer­den.

 

Alternative Zukunft der Unternehmensführung

Der anschauliche Schwindel von The Yes Men zeigt eine alter­na­tive Zukun­ft der Unternehmensführung, die dem Schutz von Recht­en Pri­or­ität ein­räumt. Gle­ichzeit­ig prangert er die Heuchelei von adi­das an, ein­er Marke, die sich selb­st als Investor in die Stärkung der Rolle der Frau darstellt, während sie mit der anhal­tenden Aus­beu­tung von Bek­lei­dungsar­bei­t­erin­nen — über­wiegend in Pro­duk­tion­slän­dern ohne angemessene soziale Sicherungssys­teme — Mil­liar­dengewinne erzielt. Die Aktion verdeut­licht die Macht, die adi­das über die Bedin­gun­gen in sein­er Beschaf­fungs­kette hat.

 

Ein­er der 26 Arbei­t­erin­nen in Myan­mar, die wegen ihres Streiks in der Pou-Chen-Fab­rik ent­lassen wur­den, (er*sie wollte anonym bleiben) sagte: “adi­das ist welt­berühmt und sollte nicht ignori­eren, was mit den Arbei­t­erin­nen geschieht, die adi­das- Schuhe her­stellen. Kön­nen sie Pou Chen nicht zur Rechen­schaft ziehen für unsere ver­lore­nen Arbeit­splätze und das, was uns passierte?

 

“Die Nachricht über ihr neues Pro­gramm ist gefälscht, aber das Lei­den der adi­das-Arbei­t­erin­nen ist unbe­stre­it­bar real”, argu­men­tiert Mike Bonan­no von The Yes Men, die mit Tex­ti­lar­bei­t­erin­nen und Aktivistin­nen an dem Stre­ich gear­beit­et haben. “adi­das kann das Prob­lem beheben, indem es die entsprechende Vere­in­barung unter­schreibt und seinen Arbei­t­erin­nen zahlt, was ihnen zuste­ht”.

 

Deshalb fordern wir Bjørn Gulden auf, die drin­gend notwendi­gen Schritte zu unternehmen und das Pay Your Work­ers-Abkom­men zu unterze­ich­nen. Worte sind nicht genug, die Arbei­t­erin­nen und Arbeit­er brauchen jet­zt echte Tat­en, sie haben schon zu lange gewartet.

Ein guter Teil der Besuch­er fiel auf die Aktion here­in und auch so manche Nachricht­en­seite hat­te ihren Artikel schon online — löschte ihn dann aber schnell wieder. Auch geniesserinnen.de-Fotograf Gün­ther Dorn kam mit “span­nen­den Bildern” zurück in die Redak­tion. Erst bei der Recherche vor der Veröf­fentlichung der Bilder über die Neuigkeit von adi­das fiel auf, dass da etwas nicht stim­men kon­nte.

Mehr auf der Kam­pag­nen-Web­seite

 

Fotos: Gün­ther Dorn / geniesserinnen.de