Algen als Wundermittel haben in Irland Tradition

Wellness-Anbieter auf der grünen Insel setzen auf Algenbäder und Naturkosmetik aus dem Meer | Auch als Nahrungsmittel gefragt

Die Nutzung von Algen als Well­ness- und Gesund­heit­shelfer ist auf der irischen Insel weniger Trend als jahrhun­dertealte Tra­di­tion. Was inzwis­chen auch wis­senschaftlich bewiesen ist. Denn je nach Alge­nart haben die Meere­spflanzen – teils als Nahrungsmit­tel, teils auch als Kos­metikpro­dukt – dank bes­timmter Inhaltsstoffe pos­i­tive Auswirkun­gen auf den Kör­p­er.

Ein Ange­bot, das über die ver­gan­genen Jahre in den Küsten­re­gio­nen der Insel an Beliebtheit deut­lich zugenom­men hat, sind Well­ness-Ein­rich­tun­gen mit Algen­bädern – in klas­sis­chen Spa-Bere­ichen von lux­u­riösen Hotels, in eini­gen Fällen aber auch direkt am Strand. Dafür gibt es mobile Anbi­eter wie Wild Atlantic Sea­weed Baths, die hölz­erne Hot-Tubs an ver­schiedene Orte der Küste der Graf­schaft Clare brin­gen und fürs Bad mit frisch geern­teten Algen befüllen. Algen­bäder mit fes­ten Stan­dorten gibt es etwa bei Sneem Sea­weed Baths mit Blick auf Berge und Seen der Graf­schaft Ker­ry, bei Sólás na Mara unweit von Dun­gar­van an der Süd­küste der Insel im Coun­ty Water­ford oder im Day-Spa Con­nemara Sea­weed Baths in Clif­den in der Graf­schaft Gal­way. Ein Beispiel für eine entspan­nende Algen­be­hand­lung in Nordir­land ist etwa im Coun­ty Fer­managh das Spa Lusty Beg.

Dass man über­haupt auf die gesund­heits­fördernde Wirkung vom Kör­perkon­takt mit Algen aufmerk­sam gewor­den ist, liegt wie vieles in Irland an der stark land­wirtschaftlich geprägten Geschichte der Insel. So wur­den vor über hun­dert Jahren die natür­lich vork­om­menden Algen der Küsten­re­gio­nen vor allem zum Dün­gen der Felder genutzt. Beim Ern­ten und Trans­port merk­te die Land­bevölkerung allerd­ings mit der Zeit, dass es diverse Neben­ef­fek­te gab. So sollen etwa Arthri­tis-Beschw­er­den durch den Hautkon­takt mit den Algen zurück­ge­gan­gen sein. Auch die Hau­theilung beanspruchter Hände sei pos­i­tiv bee­in­flusst wor­den.

Mit dieser Erken­nt­nis wur­den Algen­bäder um die Jahrhun­der­twende zumin­d­est für die reiche Ober­schicht und englis­che Badegäste zu ein­er beliebten Aktiv­ität auf der grü­nen Insel. Das älteste auf Algen­bäder spezial­isierte Bade­haus, das bis heute betrieben wird, ist das 1912 eröffnete Bade­haus in Ennis­crone (Graf­schaft Sli­go), das heute unter dem Namen Kil­cullen Sea­weed Baths ver­mark­tet wird und seine Besuch­er dabei mit­nimmt auf eine kleine Zeitreise.

Eben­falls eine Insti­tu­tion in der Graf­schaft Sli­go ist das Spa der Naturkos­metik-Marke Voya, die die pos­i­tive Wirkung von Algen über die ver­gan­genen 20 Jahre zum Lifestyle-Pro­dukt weit­er­en­twick­elt hat. Die Pflege­pro­duk­te der Marke wer­den nicht nur im eige­nen Spa in Strand­hill einge­set­zt, son­dern auch in zahlre­ichen anderen europäis­chen Kos­metik­studius und Well­ness-Ein­rich­tun­gen von Nor­we­gen bis Kroa­t­ien.

Über die klas­sis­chen Bade­häuser hin­aus kom­men Algen­bäder und Kuren mit Pro­duk­ten aus Algen aber auch in vie­len Day-Spas und Well­ness­bere­ichen von Hotels zum Ein­satz. Beliebte Beispiele dafür sind das Ice House Hotel in Bal­li­na (Graf­schaft Mayo), der Spa-Bere­ich im Holy­rood-Hotel in Bun­do­ran (Graf­schaft Done­gal) oder das Slieve Donard Resort & Spa im nordirischen Coun­ty Down. Hotel-Spas, die in der Nähe von Dublin Algen­be­hand­lun­gen anbi­eten, sind das Spa des Port­marnock-Resort etwas nördlich der Stadt sowie der Well­ness­bere­ich des Roy­al Marine Hotel in Dún Laoghaire.

Der besondere Tipp: Algen auch kulinarisch angesagt

Wer sich über Algen­bäder und Well­ness hin­aus noch weit­er mit der heil­samen Wirkung von Algen beschäfti­gen will, find­et ent­lang der gesamten irischen Küste auch viele Anbi­eter, die sich kuli­nar­isch mit dem The­ma auseinan­der­set­zen und spezielle For­ag­ing-Touren anbi­eten. Im Nation­al­park Bur­ren bietet etwa Ernährung­sex­per­tin Oon­agh O’Dwyer unter dem Mot­to Wild Kitchen regelmäßige For­ag­ing-Touren mit Fokus auf die hier wach­senden Algen an, in Sli­go gibt es im Pro­gramm von Irish Sea­weed Kitchen neben geführten Touren auch Rezep­tideen von Algen­ex­per­tin Dr. Pran­nie Rhati­gan. Auch an der Süd­west­küste am Ring of Ker­ry gibt es speziell geführte Algen-Work­shops mit vie­len Infor­ma­tio­nen zu The­men wie der nach­halti­gen Ernte des Super­foods mit Atlantic Irish Sea­weedOpens in new win­dow.

 

Hintergrund

Als wichtige Sauer­stoff­pro­duzen­ten fürs Kli­ma, Leben­sraum und Nahrung für Meeres­be­wohn­er und wichtige Quelle für Nahrungsmit­tel und heilende Öle für Men­schen gel­ten Algen schon seit Gen­er­a­tio­nen als beson­ders viel­seit­ige Pflanze. Dank tausender Kilo­me­ter Küsten­lin­ie prof­i­tieren auch viele Regio­nen in Irland vom Vorkom­men ver­schieden­ster Alge­narten, wobei die beson­dere Lage der Insel im Nor­dat­lantik für eine beson­dere Arten­vielfalt sorgt. Allein vor der Küste der am Atlantik gele­ge­nen Graf­schaft Clare sind fast 350 der ins­ge­samt über 500 um die Insel nachgewiese­nen Meere­sal­gen vorhan­den. Die größte Vielfalt stellen an den Küsten Irlands Rotal­gen dar.

 

Foto: Tourism Ire­land