Irlands größtes Musikfestival: Trad, Trubel und Talente

Am 21. Juni ist World Music Day – auch bekan­nt als Fête de la Musique: doch richtig rund geht es Anfang August beim Fleadh Cheoil in Belfast, dem Fes­ti­val für tra­di­tionelle irische Musik, Gesang und Tanz.

In punc­to Musik trifft Irland immer den richti­gen Ton. Auf der grü­nen Insel gehört Musik eben nicht zum Rah­men­pro­gramm, son­dern zum All­t­ag. Beson­ders spür­bar wird diese all­ge­gen­wär­tige und tief in der Seele des Lan­des und sein­er Geschichte ver­wurzelte Liebe zur Musik jedes Jahr am 21. Juni, wenn rund um den Globus der World Music Day gefeiert wird. Klar, dass der 1982 in Frankre­ich ins Leben gerufene und mit­tler­weile in über 120 Län­dern zele­bri­erte Aktions- und Gedenk­tag (Fête de la Musique) auch in Irland und Nordir­land began­gen wird. Die Grun­didee, dass sich an diesem Tag öffentliche Plätze, Straßen, Parks und Kneipen in Büh­nen ver­wan­deln, auf denen sowohl Ama­teur- als auch Profimusik­er bei freiem Ein­tritt auftreten, passt dabei per­fekt zum irischen Ver­ständ­nis: Statt eines zen­tralen Mega-Events gibt es zwis­chen Sli­go und Wex­ford und zwis­chen Bal­ly­cas­tle und Blar­ney Cas­tle allerorts kosten­lose Open-Air-Konz­erte, spon­tane Ses­sions in Pubs, Straßen­musik und Com­mu­ni­ty-Events. Ein genaueres Pro­gramm wird da – wenn über­haupt – meist erst kurzfristig veröf­fentlicht, oft über lokale Kul­turämter, Touris­mus­portale oder Ver­anstal­tungs­seit­en.

 

Acht Tage voller musikalischer Power

Ganz anders ver­hält es sich mit einem Ereig­nis, das jeden Som­mer die Aufmerk­samkeit der gesamten Trad-Welt auf sich zieht: Das Fleadh Cheoil na hÉire­ann, seines Zeichens welt­größtes jährlich­es Fes­ti­val für irische Musik, ist lange geplant. Das Beson­dere: Das Großereig­nis find­et in wech­sel­nden irischen Städten statt. Nach Droghe­da, Mullingar und Wex­ford, den Gast­ge­bern der ver­gan­genen Jahre, ist dieses Jahr Belfast dran. Zwis­chen 2. und 9. August wer­den in der 350.000-Einwohner-Stadt mehr als 800.000 Besucherin­nen und Besuch­er erwartet, darunter über 130.000 inter­na­tionale Gäste. Damit ist das Fleadh Cheoil – gälisch für „Fest der Musik“ – nicht nur das größte jemals aus­ge­tra­gene Fes­ti­val für tra­di­tionelle irische Musik, son­dern auch eines der größten Kul­tur­ereignisse Europas über­haupt.

Gut zu wis­sen: Gegrün­det wurde das Fes­ti­val 1951 von Comhal­tas Ceoltóirí Éire­ann mit dem Ziel, die tra­di­tionelle irische Musik zu bewahren und zu fördern. Heute vere­int es Wet­tbe­werbe auf höch­stem Niveau mit aus­ge­lassen­er Fes­ti­valat­mo­sphäre. Mehr als 180 Kat­e­gorien ste­hen auf dem Pro­gramm, von Solowet­tbe­wer­ben über Tanz bis hin zu Céilí- und March­ing Bands. Aus­tra­gung­sorte wie die Water­front Hall oder die tra­di­tion­sre­iche Ulster Hall wer­den dabei zu Büh­nen für einige der besten Musik­er, Sänger und Tänz­er der Insel.

 

Irland-Gefühl für alle Sinne

Doch das Fleadh lebt nicht nur von seinen Wet­tbe­wer­ben. Min­destens genau­so wichtig ist das, was zwis­chen den offiziellen Pro­gramm­punk­ten passiert. In Belfast wird sich die Musik während dieser August­woche durch die gesamte Stadt ziehen. Beson­ders das Cathe­dral Quar­ter dürfte zum Herzstück spon­tan­er Ses­sions wer­den. Dort braucht es wed­er Bühne noch Zeit­plan: Man öffnet die Tür eines Pubs und – tata – wom­öglich sitzt da schon wieder eine Gruppe Musik­er in der Ecke, spielt Reels und Jigs, während das Pub­likum mits­ingt oder mit dem Fuß den Takt klopft. Genau dieser spon­tane „Cra­ic“, die typ­isch irische Mis­chung aus Musik, Gesel­ligkeit und Lebens­freude, macht das Fleadh für viele Besuch­er unvergesslich.

Zu den Höhep­unk­ten 2026 zählt das große kosten­lose Fringe Fes­ti­val, das die ganze Stadt ein­bezieht. Musik­er, Tänz­er und Geschicht­en­erzäh­ler sor­gen auf zahlre­ichen Büh­nen für Fes­ti­val­stim­mung. Herzstück ist die große Open-Air-Bühne „Gig Rig“ vor der Belfast City Hall, dem ehrwürdi­gen Rathaus. Dort find­en jeden Abend Gratis-Konz­erte statt, von klas­sis­chen Trad-Klän­gen bis hin zu mod­er­nen Inter­pre­ta­tio­nen irisch­er Musik. Die Eröff­nungsnacht wird von der Akko­rdeon­istin Sharon Shan­non und ihrer Big Band ange­führt, die seit Jahrzehn­ten zu den wichtig­sten Botschaf­terin­nen der irischen Trad-Musik zählt. Auch das große Finale ver­spricht Gänse­haut: Beim Abschlus­sev­ent am 9. August treten in der Water­front Hal­ll die Gewin­ner des renom­mierten Senior Céilí Band Com­pe­ti­tion auf.

 

Kultureller Meilenstein für Belfast

Dass ger­ade Belfast den Reko­rd-Fleadh aus­richtet, wirkt mehr als passend. Seit Jahrhun­derten kanal­isiert die nordirische Hafen- und Haupt­stadt ihre Lei­den­schaft in Musik und Gesang. Van Mor­ri­son, Gary Moore, Snow Patrol, Stiff Lit­tle Fin­gers – alles Iko­nen ihres Gen­res, alle aus Belfast stam­mend. Fol­gerichtig, dass 2021 der Titel Unesco City of Music ver­liehen wurde, als erster und bis­lang einziger Stadt auf der grü­nen Insel. Zu dieser Ehre hat aber auch die Tat­sache beige­tra­gen, dass Live-Musik in den Pubs und Clubs der Stadt rund ums Jahr zum All­t­ag gehören und dass Ange­bote wie der Trad Music Trail, das Oh Yeah Music Cen­tre oder musikalis­che Stadt­führun­gen Ein­heimis­che wie Besuch­er tief in das kul­turelle Erbe ein­tauchen lassen. Das Fleadh Cheoil wird diese musikalis­che DNA von Belfast nun weltweit sicht­bar machen. Wobei die Stadt nicht nur Gast­ge­ber eines Fes­ti­vals wird, son­dern zur klin­gen­den Vis­itenkarte der gesamten irischen Musikkul­tur. Und um dem Ganzen noch die Kro­ne aufzuset­zen find­et das Fleadh 2027 eben­falls in Belfast statt – die Stadt selb­st spielt sich ja ohne­hin das ganze Jahr über in Stim­mung.

 

Der besondere Tipp: Viele Möglichkeiten zum Mitmachen!

Beim Fleadh Cheoil sind Gäste nicht nur als pas­sive Zuschauer und Zuhör­er willkom­men, son­dern ein­ge­laden, auch aktiv mitzuwirken. Eine ganze Rei­he von Work­shops ste­ht da zur Wahl. Beispiele gefäl­lig? Wer ein­mal die typ­isch irische Bodhrán-Trom­mel, das rhyth­mis­che Herzstück der irischen Folk­musik, spie­len will, kann an einem Anfänger-Kreis teil­nehmen. Oder bei einem Céilí, also dem tra­di­tionellen, gesel­li­gen Beisam­men­sein, das leb­hafte keltische Live-Musik mit Grup­pen­tänzen verbindet. Weit­ere Möglichkeit­en: im The MAC am St. Anne’s Square ein paar Worte Gälisch ler­nen oder sich im Instru­menten­bau am Belfast Met ver­suchen. Hier wie dort geht es nicht um Per­fek­tion, son­dern um das gemein­same Erleben und den Spaß an der Sache. Der ist beim Besuch ein­er Trisco, also ein­er Trad-Dis­co, so gut wie garantiert. Hier wird Folk­musik mit den Bässen und der Energie ein­er klas­sis­chen Dis­co oder eines Raves kom­biniert – ungewöhn­lich!

 

Mehr als Musik: Das Titanic Belfast

Belfast ist Musik, aber nicht nur. Es gibt soviel zu sehen: Belfast City Hall, Peace­line, St. George’s Mar­ket, Ulster Muse­um und und und. Absolute Top-Sehenswürdigkeit ist jedoch das Titan­ic Belfast. Schließlich wurde das berühmteste Schiff der Welt in den Docks der zur Jahrhun­der­twende enorm pros­perieren­den Großs­tadt gebaut und 1911 vom Stapel gelassen. Hun­dert Jahre nach dessen Unter­gang eröffnete 2012 das Titan­ic Belfast, Leucht­turm­pro­jekt des gle­ich­nami­gen Vier­tels, das mit edlen Woh­nun­gen, Restau­rants, Jachthafen und Geschäften eines der welt­größten Stadt­sanierung­spro­jek­te darstellt. Beein­druck­end, beson­ders eben das Muse­um, das von außen an drei sil­bern glänzende Schiffs­buge eben­so erin­nert. Oder an Eis­berge? Im Inneren erzählt es die Geschichte des (Alb-)Traumschiffs, vom Bau bis zum Unter­gang. Und schnell wird klar, warum die „Expe­ri­ence“ so beliebt ist und 2016 bei den World Trav­el Awards zum Gewin­ner gewählt wurde: Sie ist mul­ti­me­di­al, immer­siv, hochmod­ern. Man schwebt per Gondel durch Werftkulis­sen, hört Orig­i­nal­stim­men, erfährt von Einzelschick­salen und bekommt Gänse­haut, wenn die Namen der Toten an die Wand gebeamt wer­den. Ergreifend auch der Raum danach, unter dessen Decke sich ein zehn Meter großes, spacig beleuchtetes „Ship Of Dreams“ zu Céline Dions Titan­ic-Schmachthit „My heart will go on“ dreht.

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Was die irische Musik so besonders macht

Das sind zum einen die Texte, in denen oft uralte Sagen the­ma­tisiert wer­den und bei denen sich gern Lebens­freude und Melan­cholie mis­chen, und zum anderen die charak­ter­is­tis­chen Instru­mente. Allen voran ist das die Tin Whis­tle, eine kleine Flöte, deren helle Töne sofort das Bild von grü­nen Hügeln und rauschen­den Bächen her­auf­beschwören. Die Bodhrán, eine tra­di­tionelle Rah­men­trom­mel, gibt den rhyth­mis­chen Herz­schlag vor. Sie wird mit einem Holzschlägel gespielt und sorgt für den pulsieren­den Unter­grund, auf dem sich die Melo­di­en ent­fal­ten. Als weit­er­er zen­traler Bestandteil fungiert die Fid­dle, eine irische Form der Geige. Ihr dynamis­ches Spiel ver­lei­ht den schnellen Tanzstück­en – den Reels und Jigs – das gewisse Etwas. Neben diesen Instru­menten kom­men oft noch ein Akko­rdeon, die Uil­leann Pipes (eine Art Dudel­sack) und die Harfe, die es neben dem dreiblät­tri­gen Klee­blatt sog­ar zum Nation­al­sym­bol Irlands gebracht hat, zum Ein­satz.

Wenn Ihr mehr über Irland erfahren möchtet, dann hört doch ein­fach mal rein in den Pod­cast von Tourism Ire­land!

 

Fotos: Tourism Irland