Dokumentarfilm über die Geschichte der Pionierinnen des Frauenfußballs

Es gab eine Zeit, in der Frauen in Deutsch­land nicht Fußball spie­len durften. Män­ner glaubten, sie kön­nten Frauen von den Plätzen fern­hal­ten und der Deutsche Fußball-Bund ver­bot ihnen, unter seinem Dach zu spie­len, denn “Kör­p­er und Seele erlei­den unweiger­lich Schaden und das Zurschaustellen des Kör­pers ver­let­zt Schick­lichkeit und Anstand” (DFB 1955).

 

Ab 3. Juli 2025 in der ARD Mediathek

Der Doku­men­tarfilm “Mäd­chen kön­nen kein Fußball spie­len” von Torsten Körn­er erzählt von den Pio­nierin­nen des Frauen­fußballs, die allen Wider­stän­den trotzten und sich 1982 zum ersten offiziell anerkan­nten Län­der­spiel gegen die Schweiz spiel­ten. Ab 3. Juli 2025 ist der Film in der ARD Mediathek abruf­bar. Am 4. Juli um 23.15 Uhr ist er im Anschluss an das Auf­tak­t­spiel des deutschen Teams gegen Polen bei der Frauen-Europameis­ter­schaft 2025 im Ersten zu sehen.

 

Ein Blick auf vergessene Geschichte und unbeirrbaren Mut

Es klingt unglaublich, aber bis in den Herb­st 1970 ver­bot der DFB Frauen auf seinen Plätzen das Fußball­spie­len. In der DDR gab es kein Ver­bot, doch auch hier sahen sich Fußbal­lerin­nen mit Ver­nach­läs­si­gung kon­fron­tiert. Hier wie dort galt Frauen­fußball nicht als gle­ich­w­er­tig und eben­bür­tig. Der Doku­men­tarfilm gibt den Pio­nierin­nen des Frauen­fußballs erst­mals eine eigene Bühne. Unbeein­druckt von den männlichen Strate­gien, mit Ehrgeiz und Humor fan­den sie Wege, den Män­ner­bün­den des DFB die Stirn zu bieten, grün­de­ten Mannschaften und spiel­ten trotz­dem. Und das erfol­gre­ich. Auch in der DDR bewiesen Frauen mit Aus­dauer, Hingabe und Liebe für ihren Sport, dass “Mäd­chen” sehr wohl Fußball spie­len kön­nen.

Regis­seur Torsten Körn­er: “Die Lei­den­schaft, mit der die Pro­tag­o­nistin­nen unseres Films vor der Kam­era erzählten und in der Erin­nerung mit den Chau­vin­is­ten rangen, zeigt deut­lich, dass da Wun­den geschla­gen wur­den, die immer noch bren­nen. An diese Kämpfe zu erin­nern war mir wichtig, denn Zukun­ft braucht Herkun­ft. Wir erzählen von den span­nungsvollen Herkün­ften des Frauen­fußballs in Ost und West und wollen damit einen Beitrag leis­ten zur Doku­men­ta­tion der Geschichte der Fußball-Pio­nierin­nen.

Die Erzäh­lun­gen der Zeitzeug­in­nen Bir­git Dahlke, Anne Tra­bant-Haar­bach, Mar­i­on Isbert, Christa Klein­hans, Petra Lan­ders, Doreen Meier, Han­nelore Ratze­burg, Sabine Sei­del, Hei­di Vater und Bär­bel Wohlleben sind mit viel­sagen­den Fund­stück­en aus dem Archiv ver­woben. Die Mon­tage des Films schafft einen lebendi­gen Dia­log und macht dabei die zähe Entwick­lung von Gle­ich­berech­ti­gung deut­lich — nicht nur auf dem Platz.

Der jahrzehn­te­lange und skur­rile Kampf für ihren Sport war auch ein Kampf um die Anerken­nung und Rechte der Frau. Diese kul­turelle und gesellschaftliche Zeitreise mit den Pio­nierin­nen des Frauen­fußballs in Ost und West zeugt von bewun­dern­swertem weib­lichen Empow­er­ment. Sie zeigt, wie stark patri­ar­chales Ver­hal­ten das Leben von Frauen bee­in­flusst und ist auch heute noch von ent­lar­ven­der Aktu­al­ität. Ohne den unbeir­rbaren Mut der Pio­nierin­nen von damals gäbe es den erfol­gre­ichen Deutschen Frauen­fußball nicht. Die Frauen, die damals trotz aller Hin­dernisse nie aufge­hört haben, Fußball zu lieben, sind zu Vor­bildern der Spielerin­nen von heute gewor­den.

Torsten Körn­er ist u.a. für seine erfol­gre­ichen Doku­men­tarfilme “Schwarze Adler” (2021) über Schwarze Spieler:innen im deutschen Fußball und “Die Unbeugsamen”(2021) über Poli­tik­erin­nen der Bon­ner Repub­lik bekan­nt. “Mäd­chen kön­nen kein Fußball spie­len” ist eine Pro­duk­tion von DOCDAYS Pro­duc­tions im Auf­trag von rbb/MDR (gemein­sam fed­er­führend), hr, NDR und WDR.

 

Foto: rbb/DOCDAYS/Imago/Dahlke