Weltverhütungstag 2026 | Mehr als die Hälfte der Männer in Deutschland wünscht laut Umfragen sich die Pille für den Mann | Aber was dann?
Auch Frauen sind für die Pille für den Mann: Nach einer repräsentativen Umfragen sprechen sich über 75 Prozent der befragten Frauen für eine Pille oder hormonfreie Verhütungsmittel für den Mann aus. Aber es gibt da ein großes Problem: Kann Frau dem Mann vertrauen? Ein zentraler Kritikpunkt von Frauen ist die Kontrollfrage: Frauen haben große Bedenken, ob sie sich zu hundert Prozent darauf verlassen können, dass der Mann die Pille auch wirklich regelmäßig und zuverlässig einnimmt. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Im Falle eines Falles landet die biologische und gesellschaftliche Last einer ungewollten Schwangerschaft weiterhin bei der Frau. Warum also soll sie die Verantwortung komplett aus der Hand geben? Das Thema ist nicht einfach!
“Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig die Beschleunigung der Entwicklung von Verhütungsmethoden für den Mann für die öffentlichen Gesundheit in Deutschland und darüber hinaus ist, da weltweit nach wie vor ein ungedeckter Bedarf an Verhütungsmitteln besteht”, erklärt im Vorfeld des diesjährigen Weltverhütungstags (26. September 2026) Sebastian Tripp, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich der Präsentation der vom Forschungsunternehmen DesireLine durchgeführten Studie.
Die europäischen Ergebnisse bestätigen ein globales Muster: Eine frühere Studie desselben Teams in den Vereinigten Staaten, Bangladesch, Vietnam, Kenia, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo und der Elfenbeinküste zeigte, dass durchschnittlich 61 Prozent der Männer ein Verhütungsmittel für Männer innerhalb des ersten Jahres nach dessen Markteinführung ausprobieren möchten, wobei der Anteil in Nigeria und Bangladesch mit 76 Prozent am höchsten war.
Mit den neuen europäischen Daten umfasst die globale Evidenzbasis nun mehr als 32.000 Männer in 14 Märkten, wobei in fast jedem davon eine mehrheitliche Nachfrage besteht.
Bisher: Kondom oder Vasektomie
Bislang gibt es für Männer nur zwei verlässliche Verhütungsmethoden: das Kondom oder die irreversible Vasektomie. Die Befragten in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Schweden, der Türkei und dem Vereinigten Königreich wurden gebeten, sechs realistische Produktprofile zu bewerten, die neue Methoden widerspiegeln, die sich derzeit in der klinischen Entwicklung befinden. Auf die Frage, welches Produkt sie am ehesten nutzen würden, wählten etwa sechs von zehn Männern eine Pille.
Die Europaabgeordneten Peter Liese und Katarina Barley haben im vergangenen Jahr daran gearbeitet, regulatorische Hürden zu beseitigen, um die Entwicklung neuartiger Verhütungsmittel für Männer zu fördern und Investitionen in Forschung und Wissensaustausch zu stärken. Sie fordern die EU auf, ihre Mittel für Forschung und Innovation im Bereich der Verhütung aufzustocken und damit die Investitionen Deutschlands zu verstärken. “Kein Land kann dies allein bewältigen”, konstatiert Sebastian Tripp, weshalb es umso wichtiger sei, dass sich weitere öffentliche und private Geldgeber zusammenschließen, um die Verfügbarkeit dieser dringend benötigten und gefragten Technologien zu beschleunigen. “Wir stehen an einem Punkt, wo wir eine echte Chance auf eine gerechtere und gleichberechtigtere Verteilung der reproduktiven Verantwortung haben.”
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