Die Pille für den Mann — eine Lösung?

Weltverhütungstag 2026 | Mehr als die Hälfte der Männer in Deutschland wünscht laut Umfragen sich die Pille für den Mann | Aber was dann?

55 Prozent der Män­ner in Deutsch­land wün­schen sich mehr Ver­hü­tungsmöglichkeit­en für Män­ner, in der Alters­gruppe der 18 bis 24-Jähri­gen sind es sog­ar 72 Prozent. Dies ergab eine Umfrage unter 14.000 Män­nern im Alter von 18 bis 45 Jahren in sieben europäis­chen Län­dern — der bis­lang größten Studie zur Nach­frage nach Ver­hü­tungsmit­teln für Män­ner in Europa. Im Schnitt aller Län­der gaben mehr als die Hälfte der Män­ner an, dass sie ein neuar­tiges Ver­hü­tungsmit­tel für Män­ner inner­halb eines Jahres nach dessen Zulas­sung anwen­den wür­den.

Auch Frauen sind für die Pille für den Mann: Nach ein­er repräsen­ta­tiv­en Umfra­gen sprechen sich über 75 Prozent der befragten Frauen für eine Pille oder hor­mon­freie Ver­hü­tungsmit­tel für den Mann aus. Aber es gibt da ein großes Prob­lem: Kann Frau dem Mann ver­trauen? Ein zen­traler Kri­tikpunkt von Frauen ist die Kon­troll­frage: Frauen haben große Bedenken, ob sie sich zu hun­dert Prozent darauf ver­lassen kön­nen, dass der Mann die Pille auch wirk­lich regelmäßig und zuver­läs­sig ein­nimmt. Umgekehrt gilt das natür­lich auch. Im Falle eines Fall­es lan­det die biol­o­gis­che und gesellschaftliche Last ein­er unge­woll­ten Schwanger­schaft weit­er­hin bei der Frau. Warum also soll sie die Ver­ant­wor­tung kom­plett aus der Hand geben? Das The­ma ist nicht ein­fach!

“Diese Ergeb­nisse unter­stre­ichen, wie wichtig die Beschle­u­ni­gung der Entwick­lung von Ver­hü­tungsmeth­o­d­en für den Mann für die öffentlichen Gesund­heit in Deutsch­land und darüber hin­aus ist, da weltweit nach wie vor ein ungedeck­ter Bedarf an Ver­hü­tungsmit­teln beste­ht”, erk­lärt im Vor­feld des diesjähri­gen Weltver­hü­tungstags (26. Sep­tem­ber 2026) Sebas­t­ian Tripp, Vor­standsvor­sitzen­der der Deutschen Stiftung Welt­bevölkerung (DSW) anlässlich der Präsen­ta­tion der vom Forschung­sun­ternehmen Desire­Line durchge­führten Studie.

Die europäis­chen Ergeb­nisse bestäti­gen ein glob­ales Muster: Eine frühere Studie des­sel­ben Teams in den Vere­inigten Staat­en, Banglade­sch, Viet­nam, Kenia, Nige­ria, der Demokratis­chen Repub­lik Kon­go und der Elfen­beinküste zeigte, dass durch­schnit­tlich 61 Prozent der Män­ner ein Ver­hü­tungsmit­tel für Män­ner inner­halb des ersten Jahres nach dessen Mark­te­in­führung aus­pro­bieren möcht­en, wobei der Anteil in Nige­ria und Banglade­sch mit 76 Prozent am höch­sten war.

Mit den neuen europäis­chen Dat­en umfasst die glob­ale Evi­denzba­sis nun mehr als 32.000 Män­ner in 14 Märk­ten, wobei in fast jedem davon eine mehrheitliche Nach­frage beste­ht.

Bisher: Kondom oder Vasektomie

Bis­lang gibt es für Män­ner nur zwei ver­lässliche Ver­hü­tungsmeth­o­d­en: das Kon­dom oder die irre­versible Vasek­tomie. Die Befragten in Deutsch­land, Frankre­ich, Ital­ien, Polen, Schwe­den, der Türkei und dem Vere­inigten Kön­i­gre­ich wur­den gebeten, sechs real­is­tis­che Pro­duk­t­pro­file zu bew­erten, die neue Meth­o­d­en wider­spiegeln, die sich derzeit in der klin­is­chen Entwick­lung befind­en. Auf die Frage, welch­es Pro­dukt sie am ehesten nutzen wür­den, wählten etwa sechs von zehn Män­nern eine Pille.

Die Europaab­ge­ord­neten Peter Liese und Kata­ri­na Bar­ley haben im ver­gan­genen Jahr daran gear­beit­et, reg­u­la­torische Hür­den zu beseit­i­gen, um die Entwick­lung neuar­tiger Ver­hü­tungsmit­tel für Män­ner zu fördern und Investi­tio­nen in Forschung und Wis­sensaus­tausch zu stärken. Sie fordern die EU auf, ihre Mit­tel für Forschung und Inno­va­tion im Bere­ich der Ver­hü­tung aufzu­s­tock­en und damit die Investi­tio­nen Deutsch­lands zu ver­stärken. “Kein Land kann dies allein bewälti­gen”, kon­sta­tiert Sebas­t­ian Tripp, weshalb es umso wichtiger sei, dass sich weit­ere öffentliche und pri­vate Geldge­ber zusam­men­schließen, um die Ver­füg­barkeit dieser drin­gend benötigten und gefragten Tech­nolo­gien zu beschle­u­ni­gen. “Wir ste­hen an einem Punkt, wo wir eine echte Chance auf eine gerechtere und gle­ich­berechtigtere Verteilung der repro­duk­tiv­en Ver­ant­wor­tung haben.”

 

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