Female Leadership in der Sleep-Innovation-Branche

Warum Catarina Dahlin Schlaf neu denkt

Liebe Geniesserin­nen, seit zehn Jahren arbeit­et Cata­ri­na Dahlin daran, Schlaf neu zu denken. Mit Dagsme­jan baute sie keine klas­sis­che Nachtwäschemarke auf, son­dern eine wis­senschaftlich fundierte Sleep-Inno­va­tion-Brand an der Schnittstelle von Regen­er­a­tion, Per­for­mance und Forschung. Lange bevor Schlaf zum Longevi­ty- und Well­be­ing-The­ma wurde, beschäftigte sich Dahlin mit der Frage, wie Tem­per­atur, Mate­ri­alien und das Schlafk­li­ma die nächtliche Erhol­ung bee­in­flussen.


Im Inter­view spricht sie über den Auf­bau ein­er neuen Kat­e­gorie, Führung in einem wis­senschaftlich geprägten Umfeld und darüber, warum Schlaf zunehmend zur Infra­struk­tur mod­ern­er Gesund­heit wird. Außer­dem erk­lärt sie, weshalb viele Unternehmen Wis­senschaft noch immer als Mar­ketin­gin­stru­ment nutzen, wo die Gren­zen von Schlaf­track­ing liegen und warum echte Inno­va­tion oft dort entste­ht, wo unter­schiedliche Diszi­plinen aufeinan­dertr­e­f­fen.

 

Frau Dahlin, Sie sprechen sel­ten über Dagsme­jan als klas­sis­che Grün­der­sto­ry. Warum?
Cata­ri­na Dahlin: Weil mich das Unternehmer­tum nie als Selb­stin­sze­nierung inter­essiert hat. Natür­lich gibt es bei jed­er Grün­dung diesen Moment der Idee, des Risikos und des Auf­baus. Aber für mich war Dagsme­jan von Anfang an größer als die Geschichte eines Start-ups. Mich hat vielmehr die Frage beschäftigt, warum Schlaf trotz sein­er enor­men Bedeu­tung für Gesund­heit und Leis­tungs­fähigkeit so lange unter­schätzt wurde. Wir opti­mieren Ernährung, Bewe­gung und Pro­duk­tiv­ität bis ins Detail – aber die Nacht behan­deln viele Men­schen immer noch wie einen blind­en Fleck. Deshalb ver­ste­he ich Dagsme­jan weniger als klas­sis­che Fash­ion-Brand, son­dern als Unternehmen an der Schnittstelle von Wis­senschaft, Regen­er­a­tion und Gesund­heit. Genau dort wird in den kom­menden Jahren enorm viel Inno­va­tion entste­hen.

Sie führen ein Unternehmen zwis­chen Wis­senschaft, Pro­duk­tin­no­va­tion und Kon­sumgüter­markt. Was bedeutet Lead­er­ship in diesem Umfeld?
Vor allem, Kom­plex­ität ver­ständlich zu machen. In wis­senschaftlich geprägten Unternehmen reicht es nicht, nur Visio­nen zu for­mulieren. Man muss unter­schiedliche Wel­ten zusam­men­brin­gen: Forschung, Pro­duk­ten­twick­lung, Design, Kom­mu­nika­tion und die tat­säch­lichen Bedürfnisse der Men­schen. Ich sehe meine Rolle deshalb oft als Über­set­zerin. Auf der einen Seite ste­hen Dat­en, Tests und phys­i­ol­o­gis­che Erken­nt­nisse. Auf der anderen Seite Men­schen, die schlicht bess­er schlafen oder erholter aufwachen möcht­en. Lead­er­ship bedeutet in diesem Kon­text auch, kon­se­quent zu bleiben. Wis­senschaft funk­tion­iert langsam, Märk­te oft sehr schnell. Die Her­aus­forderung beste­ht darin, langfristige Glaub­würdigkeit nicht kurzfristi­gen Trends zu opfern.

Wie schwierig ist es, in ein­er schnel­llebi­gen Kon­sumwelt wis­senschaftliche Stan­dards aufrechtzuer­hal­ten?
Sehr schwierig. Ger­ade weil Gesund­heits- und Well­be­ing-The­men oft emo­tion­al ver­mark­tet wer­den. Der Druck, schnelle Aus­sagen oder ein­fache Ver­sprechen zu machen, ist groß. Deshalb war für uns früh klar: Wis­senschaft darf kein Mar­ketingele­ment sein, son­dern muss die Grund­lage des Unternehmens bilden. Wir arbeit­en mit Forschungspart­nern wie der EMPA oder der HSLU, testen Mate­ri­alien im Labor und vali­dieren Pro­duk­te der­ma­tol­o­gisch oder klin­isch. Gle­ichzeit­ig muss Inno­va­tion all­t­agstauglich bleiben. Ein Pro­dukt kann wis­senschaftlich noch so inter­es­sant sein, wenn Men­schen es nicht gerne tra­gen, wird es keine Rel­e­vanz haben.

Was mussten Sie per­sön­lich ler­nen, um sich in wis­senschaftlich geprägten Diskus­sio­nen sich­er zu bewe­gen?
Vor allem, dass Führung nicht bedeutet, über­all die Exper­tin sein zu müssen. Ich komme nicht aus der Mate­ri­al­wis­senschaft oder Schlaf­forschung. Am Anfang hat­te ich großen Respekt davor. Mit der Zeit habe ich ver­standen, dass meine Auf­gabe nicht darin beste­ht, alles selb­st bess­er zu wis­sen. Entschei­dend ist, die richti­gen Fra­gen zu stellen und genü­gend Ver­ständ­nis zu entwick­eln, um fundierte Entschei­dun­gen tre­f­fen zu kön­nen. Diese Offen­heit ist wichtig. Ger­ade in inno­va­tion­s­getriebe­nen Unternehmen entste­ht Fortschritt oft dort, wo unter­schiedliche Per­spek­tiv­en aufeinan­dertr­e­f­fen.

Dagsme­jan bewegt sich in einem Markt, der ger­ade stark wächst. Warum wird Schlaf aus Ihrer Sicht jet­zt zu einem strate­gis­chen Zukun­ft­s­the­ma?
Weil viele Men­schen merken, dass reine Leis­tung­sop­ti­mierung an Gren­zen stößt. Lange Zeit ging es vor allem darum, den Tag effizien­ter zu gestal­ten. Heute ver­ste­hen wir bess­er, dass die Qual­ität des Tages entschei­dend davon abhängt, was nachts passiert. Schlaf ist keine pas­sive Pause. In der Nacht reg­uliert der Kör­p­er Tem­per­atur, ver­ar­beit­et Stress, regener­iert Muskeln und sta­bil­isiert zen­trale biol­o­gis­che Prozesse. Das Bewusst­sein dafür durch Forschung, Wear­ables und die gesamte Longevi­ty-Diskus­sion wächst. Ich glaube deshalb, dass Schlaf in den näch­sten Jahren eine ähn­liche Entwick­lung nehmen wird wie Ernährung oder Fit­ness: weg vom Spezialthe­ma, hin zu einem selb­stver­ständlichen Bestandteil mod­ern­er Gesund­heit­skul­tur.

Beobacht­en wir einen nach­halti­gen Wan­del oder nur einen kurzfristi­gen Trend?
Bei­des. Es gibt aktuell defin­i­tiv eine Phase erhöhter Aufmerk­samkeit. Gle­ichzeit­ig beste­ht bei Gesund­heit­s­the­men immer die Gefahr von Übertrei­bung und ober­fläch­lichen Ver­sprechen. Darunter liegt aber ein echter struk­tureller Wan­del. Men­schen begin­nen zu ver­ste­hen, dass Regen­er­a­tion kein Luxus ist, son­dern Voraus­set­zung für Leis­tungs­fähigkeit, men­tale Sta­bil­ität und langfristige Gesund­heit. Die entschei­dende Frage wird sein, welche Unternehmen langfristig Sub­stanz liefern und welche nur auf kurzfristige Aufmerk­samkeit set­zen.

Welche Rolle spielt Tech­nolo­gie kün­ftig beim The­ma Schlaf?
Tech­nolo­gie wird eine wichtige Rolle spie­len. Vor allem dort, wo sie Bewusst­sein schafft. Viele Men­schen haben erst durch Wear­ables ver­standen, wie stark Schlaf ihre Energie, Konzen­tra­tion oder Erhol­ung bee­in­flusst. Die Gren­ze sehe ich dort, wo Mess­barkeit mit Verbesserung ver­wech­selt wird. Dat­en allein führen nicht automa­tisch zu besserem Schlaf. Im schlimm­sten Fall erzeu­gen sie zusät­zlichen Druck. Die Zukun­ft liegt aus mein­er Sicht deshalb in ein­er intel­li­gen­ten Verbindung aus Tech­nolo­gie und realen Bedin­gun­gen: Tem­per­atur, Licht, Mate­ri­alien, Rou­ti­nen und ein Umfeld, das den Kör­p­er tat­säch­lich unter­stützt.

Wenn Sie heute auf den Auf­bau von Dagsme­jan zurück­blick­en: Welche Entschei­dung wür­den Sie anders tre­f­fen?
Ich würde früher Entschei­dun­gen tre­f­fen und schneller akzep­tieren, dass Klarheit oft erst durch Bewe­gung entste­ht. Wir haben uns am Anfang bewusst viel Zeit genom­men. Ins­beson­dere für die wis­senschaftliche Basis und die Pro­duk­ten­twick­lung. Das war richtig. Gle­ichzeit­ig habe ich an manchen Stellen zu lange ver­sucht, max­i­male Sicher­heit zu bekom­men. Heute weiß ich: Ger­ade in jun­gen Unternehmen lernt man nicht nur durch Analyse, son­dern vor allem durch Han­deln. Wichtig ist, kon­trol­lierte Risiken einzuge­hen und gle­ichzeit­ig am Kern der eige­nen Vision festzuhal­ten.

Was unter­schei­det aus Ihrer Sicht starke Marken langfristig von kurzfristi­gen Trends?

Cata­ri­na Dahlin: Sub­stanz und Rel­e­vanz. Viele Marken reagieren auf Aufmerk­samkeit. Wirk­lich starke Unternehmen bauen hinge­gen Ver­trauen über Jahre hin­weg auf. Für uns war immer klar: Wenn wir langfristig rel­e­vant sein wollen, müssen wir ein reales Prob­lem lösen. Nicht Mode um der Mode willen entwick­eln, son­dern Pro­duk­te, die einen mess­baren Unter­schied machen. Ich glaube, Kon­sumentin­nen und Kon­sumenten wer­den in Zukun­ft noch stärk­er zwis­chen kurzfristigem Mar­ket­ing und echter Inno­va­tion unter­schei­den.

Was ver­ste­hen wir beim The­ma Schlaf heute noch nicht gut genug?

Cata­ri­na Dahlin: Wie indi­vidu­ell Schlaf tat­säch­lich ist. Men­schen reagieren sehr unter­schiedlich auf Tem­per­atur, Stress, Hor­mone, Mate­ri­alien oder Umge­bun­gen. Beson­ders unter­schätzt wird das Mikrokli­ma direkt auf der Haut. Wir sprechen viel über Matratzen oder Schlaf­track­ing, aber erstaunlich wenig darüber, welche Rolle Tem­per­atur- und Feuchtigkeit­sreg­ulierung während der Nacht spie­len. Genau dort wird in den kom­menden Jahren noch viel Forschung und Inno­va­tion entste­hen. Schlaf muss stärk­er als Sys­tem ver­standen wer­den. Als Zusam­men­spiel aus Kör­p­er, Umge­bung, Ver­hal­ten und Mate­ri­alien.