Junge Menschen kaufen weniger Bücher

Lesekompetenz sinkt, Handlungsbedarf wächst

Die Lesekrise hat nun auch den Buch­markt erre­icht: Der sich immer weit­er ver­schlechternde Zus­tand der Lesekom­pe­tenz in Deutsch­land schlägt sich erst­ma­lig deut­lich in den Buchkäufen nieder. Die Zahl der Buchkäufer*innen zwis­chen 10 und 15 Jahren ging 2025 im Ver­gle­ich zum Vor­jahr um 30,6 Prozent zurück, die Aus­gaben in dieser Alters­gruppe sanken um 23,8 Prozent. Der Branchenum­satz ins­ge­samt lag mit 9,62 Mil­liar­den Euro um 2,7 Prozent unter dem des Vor­jahres. Das zeigt der Bericht „Buch­markt kom­pakt 2025/2026“, den der Börsen­vere­in des Deutschen Buch­han­dels am 09.07.2026 veröf­fentlicht.

Sebas­t­ian Gug­golz, Vorste­her des Börsen­vere­ins: „Jahrzehn­te­lange Ver­säum­nisse in der Bil­dungspoli­tik haben zu ein­er fortschre­i­t­en­den Ver­schlechterung der Lesekom­pe­tenz geführt – das Ergeb­nis lässt sich nun unmit­tel­bar an den Mark­tzahlen able­sen. Diese Zahlen müssen auch ein Weck­ruf an die Poli­tik sein, es braucht umge­hend kon­se­quente Maß­nah­men, um Bil­dung und Lesekom­pe­tenz zu verbessern. Dies muss zur ober­sten Pri­or­ität für Bund, Län­der und Kom­munen wer­den. Denn Lesen ist imma­terielle Infra­struk­tur – so grundle­gend wie Straßen, Strom­net­ze und funk­tion­ierende Ver­wal­tun­gen. Wer lesen kann, ist auch in der Lage, die Hal­tung ander­er zu ver­ste­hen, Wider­sprüche zu erken­nen, kann Entschei­dun­gen abwä­gen, eine dif­feren­zierte Mei­n­ung aus­bilden und eigene Inter­essen for­mulieren. Öffentlichkeit organ­isiert sich immer stärk­er im dig­i­tal­en Raum, die Lese­fähigkeit wird damit eine noch wichtigere Voraus­set­zung demokratis­ch­er Mit­gestal­tung und Selb­st­be­haup­tung.

Peter Kraus vom Cleff, Haupt­geschäfts­führer des Börsen­vere­ins: „Zusät­zlich zur ekla­tant rück­läu­fi­gen Lesekom­pe­tenz sor­gen die schwache Kon­junk­tur und hohe Ver­braucherun­sicher­heit auf dem Buch­markt für Umsatzrück­gänge. Im ver­gan­genen Jahr lag die Sparnei­gung in Deutsch­land auf dem höch­sten Stand seit der Finanz- und Wirtschaft­skrise 2008. Par­al­lel binden über­bor­dende bürokratis­che Anforderun­gen Ressourcen in den Unternehmen. Für viele Buch­hand­lun­gen und Ver­lage bedeutet das eine nochma­lige Zunahme des bere­its hohen Kos­ten­drucks.

Hand­lungs­be­darf beste­ht auch bei Kün­stlich­er Intel­li­genz und bei der Kul­tur­förderung. Peter Kraus vom Cleff: „Das näch­ste poli­tis­che Ver­säum­nis zeigt sich deut­lich beim Umgang mit Gen­er­a­tiv­er KI: Obwohl längst klar ist, welche tief­greifend­en Auswirkun­gen die auf mas­sivem Dieb­stahl geisti­gen Eigen­tums basierende Gen­er­a­tive Kün­stliche Intel­li­genz auf unsere Gesellschaft hat, fehlt es nach wie vor an klaren Reg­u­lar­ien für KI und einem drin­gend nöti­gen Auf­bau von Medi­enkom­pe­tenz in der Gesellschaft, beson­ders bei jun­gen Men­schen. Eine vielfältige Buch­han­dels- und Ver­lags­land­schaft hinge­gen öffnet Debat­ten­räume – Räume, die es ger­ade in Zeit­en der Polar­isierung und Spal­tung zu schützen gilt, auch durch entsprechende Förderun­gen.

Die Zahlen 2025/2026 im Überblick

Die Zahl der Buchkäufer*innen ging 2025 gegenüber dem Vor­jahr um 4,9 Prozent zurück. Beson­ders davon betrof­fen sind die 10- bis 15-Jähri­gen, hier sank die Zahl um 30,6 Prozent im Ver­gle­ich zu 2024. Auch die 20- bis 29-Jähri­gen verze­ich­nen hohe Rück­gänge von 17,8 Prozent. Bei den 16- bis 19-Jähri­gen ist die Lage mit +7,7 Prozent noch sta­bil. Die Rück­gänge bei der jun­gen Ziel­gruppe zeigen sich auch bei den Aus­gaben. So gaben die 10- bis 15-Jähri­gen 2025 23,8 Prozent weniger für Büch­er aus als 2024, die 20- bis 29-Jähri­gen 8,5 Prozent weniger. Die 16- bis 19-Jähri­gen sind auch hier mit +6,3 Prozent bis­lang nicht von den Rück­gän­gen betrof­fen.

Die Branche erwirtschaftete 2025 einen Gesam­tum­satz von 9,62 Mil­liar­den Euro (2024: 9,88 Mil­liar­den Euro). Während das Online-Geschäft sta­bil blieb, musste der sta­tionäre Buch­han­del, nach wie vor größter Ver­trieb­sweg für Büch­er, Ein­bußen hin­nehmen. Das Geschäft vor Ort ging im Ver­gle­ich zu 2024 um 3,7 Prozent auf 3,93 Mil­liar­den Euro zurück; damit hat der Sor­ti­ments­buch­han­del (ohne E‑Commerce) einen Anteil von 40,8 Prozent am gesamten Branchenum­satz. Das Online-Geschäft mit Büch­ern, bei dem etwa die Hälfte auf die Shops der sta­tionären Buch­hand­lun­gen ent­fällt, stag­nierte (bei­de Jahre: 2,51 Mil­liar­den Euro). Damit wur­den 2025 26,1 Prozent der Umsätze am Gesamt­markt im Inter­net erwirtschaftet.

Von den Rück­gän­gen sind die meis­ten Waren­grup­pen betrof­fen. Reise­büch­er ver­loren 2025 im Ver­gle­ich zu 2024 11,6 Prozent an Umsatz, Rat­ge­ber 8,1 Prozent, Sach­büch­er 4,6 Prozent und Kinder- und Jugend­büch­er 2,4 Prozent. Sta­bil behauptet sich hinge­gen die Bel­letris­tik, die größte Waren­gruppe. Sie verze­ich­nete ein Umsatz­plus von 1,2 Prozent. Auch in den beliebten Gen­res Young Adult und New Adult gin­gen die Umsätze 2025 nach oben: Der Umsatz mit Young-Adult-Titeln nahm im Ver­gle­ich zum Vor­jahr um 4,8 Prozent zu, der mit New-Adult-Titeln um 9,6 Prozent. Die Zahl der Käufer*innen in den bei­den Gen­res wuchs eben­falls – um 8,8 Prozent im Ver­gle­ich zu 2024 und um 47,5 Prozent seit 2021.

Die Zahl der Erstau­fla­gen war erneut rück­läu­fig. 2025 erschienen 52.644 neue Titel, das sind 9,8 Prozent weniger als 2024 (58.346). Zum einen pla­nen Ver­lage in unsicheren Zeit­en vor­sichtiger. Zum anderen sind Back­list-Titel, d.h. Büch­er, deren Erschei­n­ungstag beim Verkauf mehr als 12 Monate zurück­lag, inzwis­chen ein großer Umsatzbringer: Mehr als die Hälfte der 2025 verkauften Büch­er, näm­lich 57 Prozent, waren Back­list-Titel.

Die Zahl der Über­set­zun­gen ins Deutsche ging auf 8.465 Titel zurück (2024: 8.756). Der Anteil über­set­zter Titel an allen Neuer­schei­n­un­gen stieg – wegen des Rück­gangs der gesamten Titel­pro­duk­tion – von 15,0 auf 16,1 Prozent. Der Lizen­zverkauf nahm 2025 hinge­gen deut­lich­er ab. 6.137 Buchrechte verkauften deutsche Ver­lage im ver­gan­genen Jahr ins Aus­land, 2024 waren es 6.669 Verträge. Die wichtig­sten Abnehmer waren Chi­na, Rus­s­land und Spanien.

Das Geschäft mit E‑Books pen­delte sich auf sta­bilem Niveau ein. Mit unverän­dertem Umsatz und einem leicht gestiege­nen Umsatzan­teil von 6,1 auf 6,3 Prozent am Pub­likums­markt (ohne Schul- und Fach­büch­er) gab es wenig Verän­derung. Ganz anders das Hör­buch. Hier stiegen die Umsätze 2025 im Ver­gle­ich zu 2024 um 13,2 Prozent. Weit­er­hin ist das Dig­i­talgeschäft für das Wach­s­tum ver­ant­wortlich: Das Stream­ing nahm um 23,1 Prozent zu, Down­loads um 9,2 Prozent.

Hal­b­jahres­bi­lanz 2026: Das schwache Kon­sumk­li­ma hält auch im laufend­en Jahr an. Nach den ersten sechs Monat­en des Jahres 2026 liegt der Umsatz in den zen­tralen Ver­trieb­swe­gen um 4,1 Prozent hin­ter dem des Vor­jahreszeitraums zurück, der Absatz um 4,5 Prozent.

Geniesserin­nen hält dage­gen: Damit Jün­gere (und Ältere) Leses­toff bekom­men und die Lesekom­pe­tenz erhal­ten wird, ver­losen wir hier auf geniesserinnen.de regelmäßig Büch­er. Mal unter­halt­sam, mal ernst. Aber immer mit span­nen­dem Inhalt.

 

Foto: Börsen­vere­in des Deutschen Buch­han­dels / Christof Jakob