Ungewöhnlichste Irland-Karte der Welt

Jahrelange  Handarbeit für das größte Strick-Diorama der Welt geschaffen

In knapp fünf Jahren Han­dar­beit ist in der irischen Graf­schaft Wick­low aus über 200 Knäueln Wolle die wohl ungewöhn­lich­ste Land­karte der Insel ent­standen. Nach Fer­tig­stel­lung ist das Dio­ra­ma inner­halb kurz­er Zeit zur Insta­gram-Sen­sa­tion gewor­den. Und auch einen Ein­trag im Guin­ness-Buch der Reko­rde hat sich das Pro­jekt von 18 Hob­by-Han­dar­bei­t­erin­nen aus der Graf­schaft südlich der Haupt­stadt Dublin Ende let­zten Jahres schon gesichert.

Die kuriose Idee, die dem Pro­jekt 2019 seinen Anschub gegeben hat, begann mit ein­er beson­ders kreativ ges­tarteten Karte für Touris­ten. Die stellte einige der wichtig­sten Sehenswürdigkeit­en her­aus und inspiri­erte die Ini­tia­torin­nen der Gruppe Cre­ative Crafters Ire­land zu ein­er ungewöhn­lichen Frage: Kann man das eigentlich auch strick­en?

Gesagt, getan. Es wurde zum Skizzen­block und den ersten Wol­lknäueln gegrif­f­en und für jede der vier his­torischen irischen Prov­inzen — Lein­ster, Mun­ster, Con­nacht und Ulster — ein Konzept erar­beit­et. Zur daraus ent­stande­nen 3D-Karte der irischen Insel zählen Besucher­high­lights wie Blar­ney Cas­tle und Giant’s Cause­way, die ikonis­chen gel­ben Hafenkräne von Belfast und natür­lich auch das berühmte Haupt­tor der Guin­ness-Brauerei in Dublin. Wer näher hin­schaut, ent­deckt zwis­chen Dutzen­den Schafen, neugieri­gen Touris­ten, umtriebi­gen Bauern und pad­del­nden Fis­ch­ern auch Orte wie den Japanis­chen Garten in Kil­dare oder Szenen ein­er Pfer­derennbahn in Gal­way. Selb­st die Ortschaft Carnew, wo sich die fleißi­gen Strick­erin­nen aus Wick­low regelmäßig trafen, hat einen Platz auf der Irland­karte erhal­ten, für die ger­ade nach ein­er langfristi­gen Ausstel­lungsmöglichkeit gesucht wird.

Denn eine Attrak­tion ist das fast vier mal fünf Meter große Kunst­werk mit seinen 3D-Mod­ellen von Leucht­tür­men, his­torischen Bauw­erken und sog­ar ganzen Inseln alle­mal. Vor allem, wenn man sich ein wenig mit den Anek­doten beschäftigt, die in Inter­views zum Pro­jekt, das irische Medi­en begeis­tert, immer wieder ans Licht kom­men. So ver­ri­et eine der Ini­tia­torin­nen, dass für einige Ele­mente ein ordentlich­es Stück Zusatzkreativ­ität notwendig war und sich unter den Basalt­säulen des Giant’s Cause­way etwa sech­seck­ige Smar­ties-Pack­un­gen ver­ber­gen. Oder dass das Schiff mit dem Namen “Lady Mar­garet”, das irgend­wo auf Höhe Lim­er­ick auf der Karte über den Fluss Shan­non schip­pert, nach einem inzwis­chen ver­stor­be­nen Grup­pen­mit­glied benan­nt wurde. Die kreativ­en Ein­fälle und das gemein­same Engage­ment haben ihren Ein­satz zu etwas Beson­derem und sog­ar das Guin­ness-Buch der Reko­rde auf das Pro­jekt der Frauen aufmerk­sam gemacht. Das nahm die 3D-Karte im ver­gan­genen Jahr als größtes Strick-Dio­ra­ma der Welt in seine Samm­lung an Reko­r­den auf.

 

Tipps am Rand zwischen Nord und Süd

Han­dar­beit und vor allem die Ver­ar­beitung irisch­er Wolle hat auf der Irischen Insel tra­di­tionell einen großen Stel­len­wert. Bestes Beispiel dafür, sind die berühmten Aran Jumpers, die tra­di­tionell gegen das raue Atlantikkli­ma, etwa von Fis­ch­ern auf See getra­gen wur­den und nach der ursprünglichen Her­stel­lung aus unge­wasch­en­er Wolle durch das enthal­tene Wollwachs sog­ar wasser­ab­weisend waren. Die kann man ganz authen­tisch beim Aus­flug mit der Fähre auf die gle­ich­namige Insel­gruppe Aran Islands bei Gal­way erwer­ben — die berühmten Pullover wer­den aber auch in jedem Winkel der Insel zum Verkauf ange­boten.

Ähn­lich pop­ulär sind die Pro­duk­te aus dem berühmten Done­gal Tweed, einem gewebten Stoff, der für seine beson­dere Musterung bekan­nt ist und inzwis­chen sog­ar als eine der geschützten Herkun­fts­beze­ich­nun­gen der EU gilt. Mit­tler­weile stellen nicht nur tra­di­tionelle Fir­men Mützen, West­en und Anzüge aus dem Gewebe her: Auch junge irische Design­er arbeit­en mit dem Klas­sik­er. Einen Ein­blick in die Her­stel­lung des Stoffs gibt es etwa im Städtchen Ardara in der Graf­schaft Done­gal, wo die Tra­di­tion­s­marke Tri­ona in ihrem Laden ein kleines Besucherzen­trum ein­gerichtet hat und Pro­duk­tions­führun­gen anbi­etet.

 

Hintergrund

Die gestrick­te Irland-Karte wurde bere­its 2024 in einem Pflege­heim in Carnew (Graf­schaft Wick­low) erst­mals aus­gestellt, ist aber erst über die ver­gan­genen Monate zur Berühmtheit gewor­den, sodass nun nach ein­er länger­fristi­gen Ausstel­lungsmöglichkeit gesucht wird. Nach Angaben der Ini­tia­torin­nen wurde zwis­chen 2019 und 2024 mit eini­gen Monat­en Zwangspause während der Pan­demie an dem Pro­jekt gear­beit­et. Ver­wen­det wur­den dafür 200 Knäuel Wolle (80 Prozent davon gespendet), 1,5 Kilo­me­ter Alu­folie, 5000 Steck­nadeln, über 50 Meter Draht und über 100 Kleb­s­tifte.

Zum Team Cre­ative Crafters Ire­land gehören: Mary Blake, Liz But­ler, Mol­ly Cullen, Mar­i­on Healy, Tere­sa Moran, Tru­di Mills, Helen Car­roll Kel­ly, Josie Doyle, Geral­dine Coogan, Mary Con­nol­ly, Bet­ty Kavanagh, Bet­ty Jef­fers, Ann Fog­a­r­ty, Mary Cathrine Mur­phy, Daphne Hollingsworth, Mag­a­ret Douse, Susan Red­mond, Ann Edwards und Ellen Elliot.

Wenn Du mehr über Irland erfahren möcht­en, höre doch ein­fach mal rein in die Pod­casts von Tourism Ire­land.

 

Foto: Conor McCabe Pho­tog­ra­phy.