Wien für Kulturreisende und Designliebhaber

Spittelberg als Bezirk für Architektur und Kunst

Städtetrips haben sich verän­dert: Wer heute nach Wien reist, sucht nicht mehr nur nach Oper, Kaf­fee­haus und Schloss Schön­brunn, son­dern nach Orten, an denen sich Architek­tur, Kun­st und All­t­ag unmit­tel­bar begeg­nen. Im Wiener Bezirk Spit­tel­berg, einem der dicht­esten Kreativvier­tel der Stadt, öffnete kür­zlich ein neues Hotel, das genau an dieser Schnittstelle anset­zt — und damit einen Trend ver­stärkt, der Wien als Design- und Kun­st­des­ti­na­tion zusät­zlich pro­fil­iert.

Kul­tur, Stadtleben und kurze Wege

Spit­tel­berg als das his­torische Vier­tel im 7. Bezirk zählt zu den lebendig­sten Kreativquartieren Wiens und ist geprägt von kleinen Gassen, Innen­höfen, Gale­rien, Restau­rants, Bars und Kul­turin­sti­tu­tio­nen. Zen­trale Sehenswürdigkeit­en wie das Muse­um­sQuarti­er, das Leopold Muse­um, das mumok, das Kun­sthis­torische Muse­um, die Hof­burg und die Wiener Staat­sop­er sind bequem erre­ich­bar.

In der Kirch­berggasse 6 ergänzt nun ein neue, urbanes Hotel diese Kulisse: das Miiro Spit­tel­berg mit 132 Zim­mern und Suit­en. Ein Haus, das präzise Architek­tur und kuratierte Kun­st verbindet. Das Haus ver­ste­ht sich dabei nicht als abgeschlossen­er Hotelkos­mos, son­dern vielmehr als Teil seines Vier­tels — mit ein­er offe­nen Erdgeschoß­zone, die Hotel­gäste, Nach­barschaft und Stadt­pub­likum miteinan­der verbindet.

Architek­tur und Design: Urban, ruhig und präzise

Ent­wor­fen wurde das Haus vom Wiener Architek­ten Gabriel Kacerovsky (Archi­sphere), der auf eine mod­erne Sprache set­zt. Die Struk­tur ist klar, fast streng: reduzierte Lin­ien, eine schmale Palette an Mate­ri­alien, viel Ruhe. Stein, geölte Eiche, Kalkputz, Wolle und Samt ziehen sich durch die Räume, ergänzt von kühlen Weißtö­nen und einzel­nen kräfti­gen Farbfeldern.

In den Zim­mern tre­f­fen geöltes Holz und tex­tile Ober­flächen auf akustisch gedämpfte Wände; die Bäder sind bewusst schlicht gehal­ten — weiße Fliesen, ver­chromte Arma­turen, Stein­bö­den. Der Luxus liegt weniger im Spek­takel, son­dern in Pro­por­tio­nen, Hap­tik und Licht: maßge­fer­tigte Leucht­en, Lese­lam­p­en statt Deck­en­flut­licht, Zonen, die eher an eine Stadt­woh­nung als an ein anonymes Zim­mer erin­nern. Damit knüpft das Haus an einen bre­it­eren europäis­chen Trend an, bei dem Design­ho­tels ver­stärkt auf handw­erk­liche Präzi­sion und All­t­agstauglichkeit set­zen.

Kura­torisches Pro­gramm mit lokalen Posi­tio­nen und zeit­genös­sis­chen Impulsen

Beson­ders deut­lich wird der Anspruch im Umgang mit Kun­st. In den öffentlichen Bere­ichen und in den Zim­mern selb­st hän­gen Arbeit­en von Chris­t­ian Lud­wig Attersee, Kurt Moldovan, Josef Mikl, Hubert Pfaf­fen­bich­ler, Heimo Zobernig und Cor­nelius Kolig. Die Auswahl bildet zen­trale Posi­tio­nen der öster­re­ichis­chen Kun­st nach 1945 ab.

Kun­st fungiert hier nicht als aus­tauschbare “Wand­fül­lung”, son­dern als inte­graler Bestandteil des räum­lichen Konzepts: groß­for­matige Arbeit­en set­zen in den öffentlichen Bere­ichen Akzente, in den Zim­mern tauchen sie als konzen­tri­erte Blick­punk­te auf und struk­turi­eren die anson­sten bewusst ruhig gehal­tene Gestal­tung. Ergänzt wird das durch den Refresh Room — einen Zwis­chen­raum für An- und Abreise -, in dem Werke von Helen Mae LaCroix instal­liert sind.

Kuli­nar­isches Konzept aus Lon­don

Im Erdgeschoß liegt mit poco die Bar und das Restau­rant des Haus­es. Die Lon­don­er Gas­tronomen Jake Buck­nall und Jacob Stut­tard (D4100) haben das kuli­nar­ische Konzept miten­twick­elt: Ofenge­back­ene Piz­za, Gerichte zum Teilen, Desserts, dazu Spritz-Vari­anten, Aper­i­tifs, Cock­tails und Bier. Das Set­ting bewegt sich zwis­chen ital­ienisch inspiri­ertem Bar-Restau­rant und Nach­barschaft­slokal — als Anlauf­stelle für Hotel­gäste eben­so wie für das Grätzel. Musikalisch set­zt man auf analoge Sig­nale: Ein DJ Cor­ner mit Plat­ten­spiel­ern und Vinyl Nights am Woch­enende sollen das Haus stärk­er mit der jün­geren urba­nen Szene verbinden. Ein 24-Stun­den-Gym und der bere­its erwäh­nte Refresh Room adressieren Städtereisende, die Wien nicht in Etap­pen, son­dern am Stück erleben wollen.

Mit der Eröff­nung fügt das Haus dem Spit­tel­berg einen weit­eren Baustein hinzu: ein Ort, an dem sich Architek­tur, kuratierte Kun­st und Nach­barschafts­bezug über den klas­sis­chen Hotel­rah­men hin­aus über­lagern — und an dem das Hotel selb­st Teil des kul­turellen Pro­gramms eines Städtetrips wird.

 

Foto: Miiro