Mit dem Fahrrad nackt durch Berlin

500 Nackte fahren beim Naked Bike Ride Berlin 2026 durch die Hauptstadt

(Gün­ther Dorn / geniesserinnen.de) Am Son­ntag, 9. August 2026, radel­ten rund 500 nack­te Men­schen durch Berlin. Das nan­nte sich Naked Bike Ride.  Viele Nack­te, manche teil­weise Nack­te und so gut wie gar keine Bek­lei­de­ten radel­ten vom bekan­nten Mauer­park durch die Stadt­mitte Ost Rich­tung Trep­tow­er Park und erre­icht­en in Berlin-Schöne­feld ihr Ziel. Ein anderes Ziel war es, Aufmerk­samkeit und Tol­er­anz für Nack­theit und Natur zu erre­gen. Son­stige Erre­gung war allerd­ings aus­drück­lich nicht erwün­scht.

Beim World Naked Bike Ride han­delt es sich um eine Fahrrad-Demo, bei der die Teil­nehmerin­nen und Teil­nehmer nackt, bzw. so be- oder entk­lei­det teil­nehmen, wie sie sich selb­st am Wohlsten fühlen. Ver­ant­wortlich­er Ver­anstal­ter Ralf Sprenger betont: „Völ­lige Nack­theit ist ein Aus­druck von Tol­er­anz und Selb­stakzep­tanz, Naturver­bun­den­heit und Schutz der Umwelt, Inklu­sion und Vielfältigkeit sowie die Förderung des Natur­is­mus als Kul­turgut.

Berlin als Aus­tra­gung­sort sei nicht nur in Bezug auf den ansäs­si­gen FSV Adolf Koch e. V. (ein­er der Grün­derväter der FKK-Bewe­gung) der ide­ale Aus­tra­gung­sort, son­dern auch wegen der Geschichte der Stadt, die 28 Jahre geteilt in Ost und West war, so Sprenger. Die Route quer durch die Stadt, bzw. auf der ehe­ma­li­gen Mauer­gren­ze solle als Sym­bol die Zusam­men­führung und Ein­heit zum Aus­druck brin­gen.

Die Nack­theit der Teil­nehmer habe auch keinen sex­uellen Bezug. Hier­auf wur­den alle Teil­nehmer an dem World Naked Bike Ride Berlin 2026 nochmal aus­drück­lich hingewiesen. Alle Teil­nehmer soll­ten sich bitte sich im natur­is­tis­chen Sinne zu ver­hal­ten, was vor allem heiße, einen pos­i­tiv­en, respek­tvollen und friedlichen Umgang aller Demon­stri­eren­den miteinan­der zu ermöglichen und zu unter­stützen. Das tat­en dann auch alle.

 

Teil­nehmer Thomas, nur im weißen Hemd, Achtziger­jahre-Krawat­te und unten ohne, ist aus Leipzig angereist und erzählt uns: „Nach ein­er hal­ben Stunde ver­gisst Du vol­lkom­men, dass Du nackt bist. Und das Feel­ing, mit hun­derten Leuten und von der Polizei geschützt, durch die Stadt zu radeln, ist ein­fach unglaublich.“

 

Der World Naked Bike Ride (WNBR) ist ein inter­na­tionaler Fahrrad­protest mit weit­ge­hend nack­ten Teil­nehmern. Die Ver­anstal­tung find­et seit 2001 regelmäßig jedes Jahr im Som­mer in zahlre­ichen Städten auf der ganzen Welt statt. Der größte „Ride“ find­et in Lon­don statt; die Grün­dungsstadt ist allerd­ings Saragos­sa in Spanien.

Bere­its im Juni 2018 waren wir bei einem Naked Bike Ride in Berlin dabei. Damals gab es aber von den Behör­den die Auflage, dass keine vol­lkommene Nack­theit gezeigt wer­den dürfe. Daran hiel­ten sich damals die Teil­nehmer zu Beginn der Demo. Einige wur­den dann aber im weit­eren Ver­lauf der Fahrt immer nack­ter. Schließlich stoppte die Polizei damals den Bike Ride, bis kein­er mehr Naked und wieder alle züchtig bedeckt waren.

Dieses Mal wurde der nack­te Organ­isator Ralf Sprenger an der Spitze des Naked Bike Rides links und rechts von ein­er Fahrrad­polizistin und einem Fahrrad­polizis­ten begleit­et, die über­aus fre­undlich drein sahen und mit der Nack­theit keine Prob­leme hat­ten. Selb­stver­ständlich waren die Ein­satzkräfte in Arbeit­sklei­dung. Über­haupt hat­ten wir den Ein­druck, dass die Berlin­er Polizei ihre gesamte Fahrrad­staffel zum Son­ntagsaus­flug mit dem Naked Bike Ride Berlin aufge­boten hat­te. Und wie die Berlin­er Polizei eben so ist, waren die Beamtin­nen und Beamten auch alle gut gelaunt und mit Spaß und Pro­fes­sion­al­ität dabei. Nur wo die Polizis­ten und Polizistin­nen dann am Son­ntag­mit­tag mit­ten im Trep­tow­er Park spon­tan Piz­za als Verpfle­gung für sich her­bekom­men soll­ten, das war dann doch eine Her­aus­forderung.

 

Bildergalerie

 

Im Trep­tow­er Park machte die Demo eine große Pause – Berlin zeigte sich wet­ter­mäßig von sein­er heißesten Seite, bevor es dann weit­er ging zum Ziel in Berlin Schöne­feld. Wer sich die Route und die End­sta­tion am Ende der Welt aus­gedacht hat, war nicht ganz klar. Jeden­falls fuhr man nicht immer die vorher kom­mu­nizierte Strecke. Und ein Finale auf der grü­nen Wiese war der Sache auch eher unwürdig. Was schade war, denn so ver­gaben die Organ­isatoren die Chance auf wun­der­bare Bilder von nack­ten Rad­fahrern vor dem Reich­stag und unter dem Bran­den­burg­er Tor. Mar­ket­ing­mäßig sehen wir da bei den Berlin­er Nack­trad­fahrern noch einiges Poten­zial. Fragt doch mal bei den Kol­le­gen vom CSD oder Rave the Plan­et in Berlin an, liebe Nack­trad­fahrer. Die wis­sen, wie man Aufmerk­samkeit, schöne Bilder und Botschaft miteinan­der verbindet. Schauen wir mal, ob und wie es näch­stes Jahr läuft.

 

Fotos: Gün­ther Dorn / geniesserinnen.de / PIC ONE