Drei Red Flags beim Kennenlernen

Die laut Emanuel Erk 90 % aller Singles übersehen

Eigentlich weiß ich es doch bess­er.“ Diesen Satz hört Beziehungscoach Emanuel Erk fast täglich von seinen Klien­ten. Viele Frauen und Män­ner haben Regale voller Beziehungsrat­ge­ber, ken­nen ihre Bindungsäng­ste beim Vor­na­men und waren vielle­icht sog­ar schon in Ther­a­pie. Und doch sitzen sie nach drei Wochen Ken­nen­lern­phase wieder da und fra­gen sich: Warum fühlt sich das schon wieder so an? Das Prob­lem ist nicht man­gel­ndes Wis­sen. Das Prob­lem ist, dass wir uns bes­timmte Warnsignale so lange schönre­den, bis sie sich wie Liebe anfühlen. Emanuel Erk erk­lärt, warum wir Red Flags oft erst dann sehen, wenn es schon wehtut und welche drei Sig­nale 90 % aller Sin­gles schlichtweg ignori­eren.

Ver­lus­tangst, emo­tionale Abhängigkeit, das Fes­thal­ten an Men­schen, die einem nicht gut­tun: Diese The­men sind vie­len Betrof­fe­nen nicht nur ver­traut, son­dern häu­fig auch bere­its inten­siv reflek­tiert. Das Ver­ständ­nis für die eige­nen Muster ist damit also oft vorhan­den, den­noch greifen schon beim Ken­nen­ler­nen diesel­ben Reak­tio­nen wie immer. Der Ver­stand erken­nt das Prob­lem, doch die innere Dynamik bleibt unverän­dert. Was viele dabei nicht wis­sen: Der Grund liegt nicht in man­gel­nder Ein­sicht, son­dern darin, dass Beziehungsmuster tiefer ver­ankert sind. Nicht sel­ten entste­hen sie aus frühkindlichen Erfahrun­gen, in denen gel­ernt wurde, was in Beziehun­gen sich­er oder bedrohlich ist. „Wer trotz viel Reflex­ion und Vor­wis­sen schon während der Ken­nen­lern­phase immer wieder in densel­ben Dynamiken lan­det, hat nicht ver­sagt. Die Muster sitzen schlicht tiefer, als reines Ver­ste­hen je erre­ichen kann. Solange sie nicht an der Wurzel bear­beit­et wer­den, bleibt echte Verän­derung aus“, erk­lärt Emanuel Erk.

Genau deshalb erlebe ich täglich, wie Frauen trotz ehrlich­er Auseinan­der­set­zung mit sich selb­st nicht weit­erkom­men. Was wirk­lich hil­ft, ist ein Ansatz, der nicht nur das Ver­ste­hen fördert, son­dern tat­säch­lich etwas im inneren Erleben trans­formiert“, fügt der Beziehungscoach hinzu. Seit fast zehn Jahren begleit­et Emanuel Erk Men­schen mit belas­ten­den Beziehungsmustern und ken­nt die The­matik nicht nur aus sein­er fach­lichen Arbeit, son­dern auch aus eigen­er Erfahrung: Frühere Part­ner­schaften waren von Unsicher­heit, Dis­tanz und schmerzhaften Kon­flik­ten geprägt. Trotz ver­schieden­er Coach­ings und Ther­a­pi­en geri­et er immer wieder in diesel­ben Muster, bis er begann, eigene frühkindliche Bindungsver­let­zun­gen an der Wurzel zu bear­beit­en. Diese per­sön­liche Erfahrung prägt heute seine fach­liche Arbeit. Für seine Kli­entin­nen entwick­elte Emanuel Erk die TEB-Methodik – ein trau­masen­si­bles und emo­tion­sin­te­gri­eren­des Beziehungscoach­ing, das evi­denzbasierte Ansätze aus ver­schiede­nen Ther­a­pie- und Coach­in­grich­tun­gen verbindet. Bei welchen beson­deren Red Flags Frauen während des Ken­nen­ler­nens aufhorchen soll­ten, ver­rät Emanuel Erk hier.

Red Flag Nr. 1: Unzuverlässigkeit als Bindungssignal

Tre­f­fen wer­den kurzfristig abge­sagt, Nachricht­en bleiben tage­lang unbeant­wortet, klare Absprachen wer­den gemieden und ein echt­es Beken­nt­nis zur Verbindung lässt auf sich warten. Unzu­ver­läs­sigkeit ist eines der häu­fig­sten und zugle­ich am meis­ten unter­schätzten Warnsignale in Ken­nen­lern­phasen. Dabei ist sie sel­ten bloße Gle­ichgültigkeit, son­dern kann Aus­druck eines prob­lema­tis­chen Bindungsver­hal­tens sein. So haben Men­schen mit Bindungss­chwierigkeit­en oft Prob­leme damit, Entschei­dun­gen zu tre­f­fen und bei ihnen zu bleiben – ein Muster, das häu­fig in eige­nen Kind­heit­ser­fahrun­gen wurzelt, die von Unsicher­heit und ambiva­len­tem Ver­hal­ten geprägt waren. Bei ver­mei­den­dem Bindungsstil oder Bindungsangst zeigt sich Unzu­ver­läs­sigkeit oft als Form von Dis­tanzierung: Der Rück­zug dient dann dazu, Nähe abzuwehren und das Gegenüber auf Abstand zu hal­ten. Dahin­ter kann die Angst ste­hen, selb­st ver­let­zt oder ver­lassen zu wer­den.

Auf der anderen Seite entste­ht dabei ein typ­is­ches Gegen­muster: Das Ver­hal­ten wird rel­a­tiviert, die eige­nen Erwartun­gen wer­den infrage gestellt, die Angst wächst, zu viel zu wollen, und die Ten­denz nimmt zu, dem anderen immer mehr Raum zu geben. „Wiederkehrende Unzu­ver­läs­sigkeit ist kein Zufall und kein Zeichen man­gel­nder Reife, die sich von selb­st legt. Sie ist ein Hin­weis auf tiefer liegende Bindungsmuster, die ohne gezielte Bear­beitung beste­hen bleiben. Entschei­dend ist, das Ver­hal­ten wahrzunehmen und nicht dauer­haft zu entschuldigen“, so Emanuel Erk.

 

 

Red Flag Nr. 2: Überwältigende Zuwendung von Anfang an

Sehr viele Kom­pli­mente, inten­sive emo­tionale Nähe in kürzester Zeit, ein starkes Bindungs­ge­fühl, das sich fast zu schnell anfühlt, um wahr zu sein. Was auf den ersten Blick wie aufrichtige Zunei­gung wirkt, kann ein weit­eres bedeut­sames Warnsignal sein. Dieses Ver­hal­ten, das auch als emo­tionale Über­stim­u­la­tion oder Love­bomb­ing beschrieben wer­den kann, geht nicht zwin­gend mit gesun­der Verbindlichkeit ein­her. Dahin­ter kann ein starkes Bedürf­nis nach Kon­trolle ste­hen: Die inten­sive Zuwen­dung dient dann dazu, den anderen schnell an sich zu binden.

Als möglich­er Hin­ter­grund gilt frühe Ver­nach­läs­si­gung. Men­schen mit dieser Prä­gung haben häu­fig gel­ernt, sich stark bemühen zu müssen, damit andere bei ihnen bleiben. Die auf­fal­l­end starke Anfangsnähe ist deshalb kein ver­lässlich­es Zeichen echter Sicher­heit in der Verbindung. „Was sich zu Beginn wie große Wärme und Aufmerk­samkeit anfühlt, kann in Wirk­lichkeit Aus­druck eines alten Musters sein – näm­lich des Ver­suchs, Nähe durch Über­wäl­ti­gung herzustellen, weil echte Verbindung sich nie sich­er ange­fühlt hat. Das zu erken­nen, schützt davor, sich von Inten­sität täuschen zu lassen“, erläutert Emanuel Erk.

Red Flag Nr. 3: Fehlende Kritikfähigkeit und geringe Selbstreflexion

Das dritte Warnsignal beschreibt Emanuel Erk als beson­ders entschei­dend – und das aus gutem Grund: Unzu­ver­läs­sigkeit oder über­steigerte Zuwen­dung wer­den erst dann wirk­lich prob­lema­tisch, wenn sie nicht ange­sprochen und gemein­sam reflek­tiert wer­den kön­nen. Wer auf Rück­mel­dun­gen mit sofor­tiger Abwehr, stark­er Gereiztheit, Beschuldigun­gen, Schul­dumkehr, Rück­zug oder Abw­er­tung reagiert, zeigt damit ein Muster, das tief in einem frag­ilen Selb­st­wert­ge­fühl ver­wurzelt sein kann. Ursache dafür kann zu wenig Liebe oder emo­tionale Sicher­heit in der Kind­heit sein. Wenn diese The­men nie ver­ar­beit­et wur­den, greifen Abwehrmech­a­nis­men sehr schnell. Typ­is­che Aus­sagen oder Hal­tun­gen sind dann: „Du willst zu viel“, „Du engst mich ein“ oder „Mit dir geht alles zu schnell“.

Für das Gegenüber entste­ht dabei leicht die Ten­denz, sich selb­st infrage zu stellen und die Ver­ant­wor­tung bei sich zu suchen. Genau diese Selb­stverun­sicherung gehört zu den prob­lema­tis­chen Dynamiken, die sich aus solchen Begeg­nun­gen entwick­eln kön­nen. „Wenn jemand nicht in der Lage ist, Kri­tik anzunehmen oder das eigene Ver­hal­ten zu reflek­tieren, ist das kein Charak­ter­fehler, son­dern oft ein Zeichen unver­ar­beit­eter Ver­let­zun­gen. Das Prob­lem dabei: Wer sich in dieser Dynamik befind­et, zweifelt am Ende häu­fig an sich selb­st, statt das Muster des anderen klar zu sehen“, betont Emanuel Erk.

Wann wird es wirklich kritisch?

Die drei Warnsignale müssen stets im jew­eili­gen Aus­maß betra­chtet wer­den. Nicht jede Form von Unsicher­heit oder Sen­si­bil­ität ist automa­tisch Aus­druck ein­er unge­sun­den Beziehung. Entschei­dend ist, wie häu­fig das Ver­hal­ten auftritt, wie stark es aus­geprägt ist, ob Ein­sicht und Reflex­ion möglich sind und ob Verän­derungs­bere­itschaft vorhan­den ist. Beson­ders kri­tisch wird eine Verbindung jedoch, wenn starke Gren­züber­schre­itun­gen, kör­per­liche oder emo­tionale Belei­di­gun­gen, mas­sive Stim­mungss­chwankun­gen, emo­tionale Manip­u­la­tion oder ein stark wech­sel­ndes Ver­hal­ten zwis­chen Nähe und Dis­tanz hinzukom­men. Zeigt jemand in einem Moment sehr viel Zuwen­dung und weist im näch­sten abrupt zurück oder schweigt, kann das auf eine aus­geprägte Form von Bindungsangst hin­weisen. Genau das markiert den Punkt, ab dem eine Beziehung als deut­lich unge­sund beschrieben wer­den muss.

Fazit: Vom Erkennen zur echten Veränderung

Warnsignale zu ken­nen ist ein erster wichtiger Schritt, doch allein das Wis­sen darum reicht let­ztlich nicht aus, um sich dauer­haft anders zu ver­hal­ten. Verän­derung set­zt dabei an mehreren Punk­ten gle­ichzeit­ig an: dem Auf­bau eines sta­bil­eren Selb­st­werts, dem klaren Set­zen und Ein­hal­ten von Gren­zen, der Über­prü­fung eigen­er Tol­er­anz­gren­zen und der Aufar­beitung alter Wun­den. Zen­tral ist dabei die Frage, welche Ver­hal­tensweisen akzep­tiert wer­den und welche nicht ver­han­del­bar sind. Ziel ist es, sich in Ken­nen­lern­phasen nicht allein auf das Bauchge­fühl zu ver­lassen, son­dern prob­lema­tis­che Muster klar­er erken­nen und einord­nen zu kön­nen.

In sein­er 1:1‑Begleitung betra­chtet Emanuel Erk gemein­sam mit seinen Kli­entin­nen genau diese Phasen: Er hil­ft dabei, einzuord­nen, ob bere­its kri­tis­che Warnsignale vor­liegen, ob bei ein­er Verbindung noch Entwick­lung möglich ist und wie indi­vidu­elle Beziehungsmuster sowie Bindungsver­let­zun­gen bear­beit­et wer­den kön­nen. Meth­o­d­en zur Beruhi­gung des Ner­ven­sys­tems und die schrit­tweise Lösung alter Schutzmech­a­nis­men sind dabei eben­so Teil des Prozess­es wie die Frage, wie sich die Beziehung zu sich selb­st grundle­gend verän­dern kann. Die möglichen Ergeb­nisse reichen von Sin­gles, die nach langer Zeit einen Part­ner find­en, über Paare, die aus dauer­haften Kon­flik­ten wieder in Verbindung find­en, bis hin zu Men­schen, die sich aus Beziehun­gen lösen, an denen sie aus Ver­lus­tangst viel zu lange fest­ge­hal­ten haben. Wer ein­mal per­sön­lich mit Emanuel Erk Kon­takt aufnehmen möchte, erre­icht ihn hier auf sein­er Web­seite.

 

Titelfo­to: Pix­abay
Artikelfo­to: Emanuel Erk