Sieben Fototipps für die kommenden Orioniden | Ratgeber von Robert Vanelli, Fotograf, Pädagoge und Director of Education bei Luminar.
Tipp 1: Smartphone und Kamera ruhig halten
Einer der wichtigsten Tipps für gelungene Sternschnuppenfotos ist, das Smartphone oder die Kamera möglichst ruhig zu halten. Als Director of Education bei Luminar erlebt Robert Vanelli in seinen Workshops immer wieder, dass Teilnehmende ihre ersten Nachtaufnahmen aus der Hand machen und sich dann über verwischte Lichtspuren statt klarer Sterne wundern. Schon kleine Bewegungen machen sich bei längeren Belichtungszeiten sofort bemerkbar. Ein kleines Stativ ist ideal, notfalls funktioniert auch eine Mauer, Bank oder eine andere feste Unterlage.
Tipp 2: Stadtlicht und Mondschein meiden
Stadtlicht macht gerade schwächere Sternschnuppen schnell unsichtbar. Deshalb lohnt es sich, einen möglichst dunklen Standort abseits von Straßenlaternen und anderen Lichtquellen zu suchen. Auch der Mond spielt eine Rolle: In der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober ist er bereits gut zur Hälfte beleuchtet und hellt den Himmel spürbar auf. Erst in den frühen Morgenstunden geht er unter. Die besten Chancen hat man deshalb in der zweiten Nachthälfte, wenn der Mond verschwunden ist und es bis zur Morgendämmerung richtig dunkel wird.
Tipp 3: Mit dem Nachtmodus experimentieren und hellen Bildschirm vermeiden
Viele aktuelle Smartphones haben bereits einen Nacht- oder sogar Astromodus. Die Belichtung wird automatisch verlängert und so kann man am meisten aus dem dunklen Himmel herausholen. Zu beachten ist, dass manche Nachtmodi auf Smartphones mehrere Belichtungen kombinieren, sodass sich schnell bewegende Meteore möglicherweise nicht immer in der finalen Aufnahme zu sehen sind.
Wer einen Pro-Modus nutzt oder mit einer Kamera fotografiert, kann zusätzlich manuell einstellen. Als Faustregel bieten sich eine Belichtungszeit von 15 bis 25 Sekunden, eine möglichst weit geöffnete Blende und ein ISO-Wert zwischen 1.600 und 3.200 an. Den Fokus stellt man am besten manuell auf einen hellen Stern scharf, denn der Autofokus findet im Dunkeln oft keinen Halt.
Ein weiterer hilfreicher Hinweis: Wer ständig auf ein helles Display schaut, muss sich danach erst wieder an die Dunkelheit gewöhnen. Hobbyfotografen sollten also die Bildschirmhelligkeit reduzieren und das Smartphone nach dem Einrichten möglichst in Ruhe fotografieren lassen.
Tipp 4: Den richtigen Ausschnitt wählen und abwarten
Wer sein Aufnahmegerät erst herausholt, wenn eine Sternschnuppe auftaucht, ist meistens zu spät. Besser ist es, den Ausschnitt vorher schon festzulegen und dann viele Bilder hintereinander aufzunehmen. Bei Kameras kann dafür auch die Intervallfunktion hilfreich sein.
Für die Ausrichtung hilft ein Blick auf das Sternbild Orion, aus dem die Sternschnuppen zu kommen scheinen. Es steigt am späten Abend im Osten auf und steht nach Mitternacht hoch genug am Himmel. Am besten richtet man die Kamera nicht direkt auf Orion, sondern etwas seitlich davon: Dort erscheinen die Leuchtspuren länger und wirken auf dem Foto eindrucksvoller.
Wo genau eine Sternschnuppe auftaucht, lässt sich leider nicht vorhersehen. Mit einem aufmerksamen Auge und einem großen Himmelsausschnitt steigt aber die Chance, eine zu erwischen. Beim Smartphone eignet sich dafür der Weitwinkelmodus, bei Kameras ein entsprechendes Weitwinkelobjektiv. Digitalen Zoom sollte man eher meiden.
Tipp 5: Dem Himmel einen Rahmen geben
Ein Baum, eine Häuserkante oder die Umrisse eines Berges im Vordergrund machen aus einer reinen Himmelsaufnahme ein spannendes Bild. Seen oder andere ruhige Wasserflächen können dem Motiv zusätzliche Tiefe verleihen. Ein tief liegender Horizont lässt viel Platz für den Sternenhimmel. Wenige, klar erkennbare Elemente im Vordergrund sorgen dafür, dass die Sternschnuppen im Mittelpunkt bleiben.
Tipp 6: Details mit der Bearbeitung sichtbar machen
Bei Nachtaufnahmen verschwinden feine Strukturen schnell im Dunkeln. Leichte Korrekturen bei Helligkeit, Kontrast, Schatten und Klarheit können Sterne und Himmel stärker voneinander abheben. Man darf die Regler dabei aber nicht zu weit aufdrehen: Der Nachthimmel sollte dunkel bleiben und nicht grau oder überarbeitet wirken.
Tipp 7: Mehrere Sternschnuppen in einem Bild zusammenbringen
Wer über längere Zeit fotografiert, hat am Ende oft mehrere Aufnahmen mit einzelnen Sternschnuppen. In der Bildbearbeitung von Luminar lassen sich diese Bilder übereinanderlegen und zu einer Aufnahme kombinieren. So können mehrere Meteore auf einem Bild abgebildet werden, auch wenn sie gar nicht gleichzeitig am Himmel zu sehen waren. Auf diese Weise lassen sich die Sternschnuppen einer ganzen Nacht in einer einzigen Aufnahme festhalten.
„Das Geheimnis beim Fotografieren eines Meteorschauers liegt nicht unbedingt darin, die teuerste Kamera oder Ausstattung zu besitzen. Es kommt darauf an, gut vorbereitet zu sein, die Einstellungen seines Geräts zu verstehen und genügend Geduld zu haben. Hat man einen dunklen Ort gefunden und den richtigen Bildausschnitt gewählt, geht es vor allem ums Dranbleiben! Manchmal entstehen die schönsten Fotos genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet“, kommentiert Robert Vanelli.
Über Robert Vanelli und Luminar
Robert Vanelli ist ein in Florida lebender Sport- und Fotograf, Pädagoge und Autor. Nach einer erfolgreichen Karriere als dreifacher „Triple Crown“-Karate-Meister wandte sich Vanelli dem Unterricht in bildender Kunst zu. Als erfahrener Pädagoge hat Vanelli Videos für LinkedIn Learn erstellt, Hunderte von Artikeln verfasst, auf bedeutenden Fotokonferenzen unterrichtet und zahlreiche Programme für Fotografie und digitale Arbeitsabläufe entwickelt, darunter „Click for Kids“. Derzeit ist er Director of Education bei Skylum, leitet Workshops, schreibt für Photofocus und erstellt Tutorials für die Reihe „Vanelli and Friends“.
Luminar ist eine KI-gestützte Fotobearbeitungssoftware von Skylum und eine bekannte, kostengünstigere Alternative zum Markführer Photoshop. Luminar ist vor allem eine KI-basierte Fotobearbeitungssoftware, die fortschrittliche Technologien mit einer intuitiven Benutzeroberfläche verbindet und damit wirbt “professionelle Bildbearbeitung für jeden zugänglich zu machen”. Die Software vereint Werkzeuge für Landschafts‑, Porträt- und Alltagsfotografie in einem nahtlosen Workflow. Luminar ist auf Desktop, mobil und plattformübergreifend verfügbar.
Foto: Mirosław i Joanna Bucholc from Pixabay
