Überall leben Frauen länger als Männer

Außer in einer Region Sardiniens | Forscher fanden die Erklärung im Darm

Frauen leben im Schnitt länger als Män­ner. Im sehr hohen Alter wird das beson­ders deut­lich, unter Hun­dertjähri­gen sind sie fast über­all weltweit klar in der Überzahl. Doch es gibt eine Aus­nahme: In ein­er Gruppe von Bergdör­fern im Osten Sar­diniens erre­ichen Män­ner fast so häu­fig das 100. Leben­s­jahr wie Frauen. Ein Phänomen, das son­st fast nir­gend­wo doku­men­tiert ist.

In den Indus­trielän­dern kom­men auf einen hun­dertjähri­gen Mann bis zu sechs Frauen, in Sar­diniens Blue Zone sind es nur 1,35. Das zeigt eine Date­n­analyse von NB1, Anbi­eter per­son­al­isiert­er Ernährung auf Basis von Dar­m­mikro­biom-Tests, und dem Daten­jour­nal­is­mus-Stu­dio Dat­a­Pulse Research. Sie basiert aufde­mografis­chen Reg­is­tern, veröf­fentlicht­en Mikro­biom-Stu­di­en.

Auf Sardinien werden auch Männer richtig alt

In den meis­ten Län­dern mit ver­lässlichen Dat­en wächst der Anteil der Frauen in der Bevölkerung mit dem Alter. In den USA liegt das Ver­hält­nis unter Hun­dertjähri­gen bei rund drei Frauen zu einem Mann, in Deutsch­land bei 5,6 zu eins. In den Bergre­gio­nen Oglias­tra und Barba­gia im Osten Sar­diniens (Prov­inz Nuoro, Ital­ien) liegen die Män­ner dage­gen fast gle­ichauf. In Vil­la­grande Stri­saili über­wiegen die Män­ner unter den Hun­dertjähri­gen sog­ar leicht. Der Befund wurde anhand von Geburts‑, Heirats- und Ster­bereg­is­tern vali­diert.

Die Kernbefunde im Überblick

  • Geschlechter­ver­hält­nis:
    In Indus­trielän­dern bis zu 6 Frauen je Mann unter Hun­dertjähri­gen, in Sar­diniens soge­nan­nter Blue Zone 1,35 zu 1.
  • Vil­la­grande Stri­saili:
    einziger doku­men­tiert­er Ort, an dem Män­ner sog­ar leicht über­wiegen, mit rund 10,8 Hun­dertjähri­gen je 1.000 Neuge­bore­nen.
  • Dar­m­mikro­biom:
    Sardis­che Hun­dertjährige tra­gen etwa 4,7‑mal mehr Akker­man­sia muciniphi­la in sich als jün­gere Erwach­sene der­sel­ben Region. Es han­delt sich um einen mit Lan­glebigkeit assozi­ierten biol­o­gis­chen Mark­er, nicht um eine erwiesene Ursache.

Der Zusammenhang: ein Darmbakterium, Langlebigkeit — und Ozempic

Akker­man­sia muciniphi­la wird derzeit in der Stof­fwech­selmedi­zin viel disku­tiert. Das Bak­teri­um fördert die Stof­fwech­selge­sund­heit, indem es die Darm­bar­riere stärkt und als Sub­strat für andere nüt­zliche Darm­bak­te­rien dient. Dies wiederum wird mit einem gesün­deren Stof­fwech­sel assozi­iert, dass daraus ein län­geres Leben fol­gt, ist denkbar, aber wis­senschaftlich nicht belegt.

Laborstu­di­en zeigen zudem, dass die Akker­man­sia und ein von ihr gebildetes Pro­tein Zellen in der Darmwand dazu anre­gen kön­nen, mehr natür­lich­es GLP‑1 auszuschüt­ten, jenes Sät­ti­gung­shormon, das Medika­mente wie Ozem­pic und Wegovy nachah­men. GLP‑1 wird mit ver­schiede­nen zell- und organ­schützen­den Wirkun­gen in Zusam­men­hang gebracht. Die Forschung zu Akker­man­sia stammt bis­lang über­wiegend aus Zell- und Tierver­suchen. Sie beschreibt einen möglichen plau­si­blen Mech­a­nis­mus, wie das Bak­teri­um mit Lan­glebigkeit zusam­men­hängt, aber keine erwiesene Heil­meth­ode und keinen belegten Weg zu einem län­geren Leben.

Was sich daraus ablesen lässt

Das Beispiel Sar­dinien zeigt, dass der Geschlechterun­ter­schied in der Lebenser­wartung kein Naturge­setz ist. In den Bergdör­fern wirken Genetik, ein kör­per­lich fordern­des Hirten­leben und eine über Jahrzehnte pflanzen­be­tonte Ernährung zusam­men. Kein einzelnes Lebens­mit­tel lässt Akker­man­sia wach­sen, doch das Gesamt­bild ist kon­sis­tent: Eine bal­last­stof­fre­iche, pflan­zliche Ernährung fördert genau die Bak­te­rien, die bei diesen lan­glebi­gen Men­schen angere­ichert sind.

Die voll­ständi­ge Analyse mit allen Grafiken und ver­link­ten Quellen ist abruf­bar unter https://try.nb1.com/de/langlebigkeits-studie/

 

 

Grafik: NB1 / Dat­a­Pulse Research