Winterblues: wenn mit dem Herbstwetter auch das Stimmungstief kommt

Was jetzt hilft und worauf Betroffene achten sollten

Mor­gens bleibt es länger dunkel, die Tage wer­den kürz­er und der Som­mer ver­ab­schiedet sich langsam. Was für die einen Men­schen gemütliche Herb­stzeit bedeutet, geht bei anderen mit Müdigkeit, Antrieb­slosigkeit und gedrück­ter Stim­mung ein­her. Der soge­nan­nte Win­terblues ist keineswegs ein seltenes Phänomen: In ein­er aktuellen Befra­gung des Mei­n­ungs­forschungsin­sti­tuts YouGov gaben 27 Prozent der Erwach­se­nen in Deutsch­land an, ihn selb­st bere­its erlebt zu haben. Wer hier frühzeit­ig gegen­s­teuert, kann viel für sein seel­is­ches Wohlbefind­en tun.

„Wenn das natür­liche Tages­licht abn­immt, kann das den Kör­p­er aus dem Gle­ichgewicht brin­gen“, erk­lärt Carsten Albrecht, Facharzt für Psy­chi­a­trie und Psy­chother­a­pie sowie Che­farzt der Pri­vatk­linik Beta­Ge­nese in Bonn. „Was zunächst wie ein harm­los­er Win­terblues erscheint, kann in manchen Fällen auch auf eine Depres­sion hin­deuten. Umso wichtiger ist es, die eige­nen Beschw­er­den richtig einzuord­nen und zu erken­nen, wann aus einem vorüberge­hen­den Stim­mungstief möglicher­weise eine behand­lungs­bedürftige Erkrankung wird.“

Winterblues oder Depression?

Typ­isch für einen leicht­en Win­terblues sind ein erhöht­es Schlaf­bedürf­nis, weniger Energie und generelle Lust­losigkeit. Tages­licht, regelmäßige Bewe­gung und soziale Kon­tak­te kön­nen dann helfen, die Beschw­er­den zu lin­dern. Hal­ten Niedergeschla­gen­heit und Antrieb­s­man­gel jedoch über län­gere Zeit an, gehen Freude und Inter­esse ver­loren oder wird der All­t­ag beru­flich wie pri­vat zunehmend zur Belas­tung, kann eine Depres­sion dahin­ter­steck­en. „Entschei­dend ist nicht allein, wie lange die Beschw­er­den beste­hen, son­dern auch, wie stark sie das Leben beein­trächti­gen“, erk­lärt der Experte. „Wer merkt, dass selb­st Dinge, die früher Freude gemacht haben, kaum noch etwas aus­lösen, sollte die Symp­tome ernst nehmen und fach­lich abklären lassen.“

Tageslicht nutzen – abends zur Ruhe kommen

Dass sich Stim­mung und Energie ger­ade in den Herb­st- und Win­ter­monat­en verän­dern kön­nen, hat vor allem auch mit dem fehlen­den Tages­licht zu tun. Licht bee­in­flusst die innere Uhr und damit auch den Schlaf-wach-Rhyth­mus. Beson­ders am Mor­gen ist Tages­licht wichtig: Es sig­nal­isiert dem Kör­p­er, dass der Tag begin­nt, macht wach­er und unter­stützt einen geregel­ten Schlafrhyth­mus. Deshalb emp­fiehlt es sich, möglichst früh nach draußen zu gehen – etwa bei einem Spazier­gang oder auf dem Weg zur Arbeit. Selb­st bei bewölk­tem Him­mel ist das natür­liche Tages­licht im Freien in der Regel deut­lich heller als die Beleuch­tung in Innen­räu­men. „Bei saison­al auftre­tenden depres­siv­en Beschw­er­den kann zudem eine pro­fes­sionelle Licht­ther­a­pie infrage kom­men“, emp­fiehlt Albrecht. „Dabei wird eine spezielle Lichtquelle einge­set­zt, um den Schlaf-wach-Rhyth­mus zu sta­bil­isieren und depres­sive Beschw­er­den zu lin­dern.“ Am Abend gilt dage­gen: Licht reduzieren und den Kör­p­er auf die Nachtruhe vor­bere­it­en. Dazu gehört, das Smart­phone oder Tablet möglichst eine Stunde vor dem Schlafenge­hen bei­seit­ezule­gen, helles Licht zu dim­men und auf regelmäßige Schlafen­szeit­en zu acht­en. Auch ruhige Aktiv­itäten wie Lesen oder Entspan­nungsübun­gen kön­nen helfen, leichter zur Ruhe zu kom­men und bess­er einzuschlafen.

Gut durch den Winter – ohne Druck

Nicht jed­er Tag muss gle­ich pro­duk­tiv sein. Ger­ade in der dun­klen Jahreszeit kann es helfen, die eige­nen Erwartun­gen anzu­passen, bewusst Pausen einzu­pla­nen und sich nicht zusät­zlich unter Druck zu set­zen. Auch kleine Dinge, auf die man sich freut – etwa ein gemein­sames Essen, ein Kinobe­such oder ein gemütlich­er Abend zu Hause –, kön­nen den All­t­ag bere­ich­ern. „Die dun­kle Jahreszeit muss nicht zwangsläu­fig eine belas­tende Zeit sein“, betont der Experte. „Wer auf die eige­nen Bedürfnisse achtet, sich schöne Momente schafft und bei anhal­tenden Beschw­er­den rechtzeit­ig Unter­stützung sucht, find­et auch im Herb­st und Win­ter eine gute Bal­ance.“

 

Foto: Aritha from Pix­abay