73 Prozent der Kinderkrankentage wurden im Jahr 2025 von Frauen genommen

AOK-Auswertung zum Kindertag

Eine aktuelle Auswer­tung des Wis­senschaftlichen Insti­tuts der AOK (WIdO) zum Inter­na­tionalen Kindertag (1. Juni 2026) zeigt, dass die Betreu­ung kranker Kinder nach wie vor haupt­säch­lich Frauen­sache ist. So wur­den im Jahr 2025 bun­desweit 73 Prozent aller Kinderkranken­t­age von weib­lichen AOK-Mit­gliedern beantragt. Der Anteil der Män­ner lag im sel­ben Jahr bei nur 27 Prozent. Am ger­ing­sten war die Beteili­gung der Väter dabei in Bay­ern: Hier wur­den 23 Prozent der Kinderkranken­t­age von Män­nern und 77 Prozent von Frauen in Anspruch genom­men. Die aus­ge­wogen­ste Aufteilung hat Sach­sen: Hier ent­fie­len auf die Väter fast 31 Prozent der Kinderkranken­t­age und auf die Müt­ter rund 69 Prozent.

Dass Kinderkranken­t­age in jedem einzel­nen deutschen Bun­des­land auch im Jahr 2025 noch über­wiegend von Frauen genom­men wer­den, zeigt, wie ungle­ich die Care-Arbeit in Fam­i­lien weit­er­hin verteilt ist”, sagt die Vor­standsvor­sitzende des AOK-Bun­desver­ban­des, Dr. Car­o­la Reimann. “Eltern sollen frei entschei­den kön­nen, wer das kranke Kind zu Hause betreut und wer arbeit­en geht. Ich würde mir aber wün­schen, dass diese Auf­gabe nicht automa­tisch in großen Teilen Frauen­sache bleibt und Män­ner häu­figer von ihrem eige­nen Recht­sanspruch auf Kinderkranken­t­age Gebrauch machen.

Denn der rechtliche Anspruch auf Kinderkranken­t­age ste­ht jedem geset­zlich ver­sicherten Eltern­teil gle­icher­maßen zu. Die Anzahl der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Tage pro Jahr richtet sich dabei nach der jew­eili­gen Fam­i­lien­si­t­u­a­tion. In ein­er Fam­i­lie mit einem Kind hat jedes Eltern­teil Anspruch auf 15 Arbeit­stage Kinderkranken­geld (Allein­erziehende: 30 Tage), bei mehreren Kindern sind es mehr Tage. Die Inanspruch­nahme set­zt dabei ein ärztlich­es Attest voraus, einge­führt wurde die Leis­tung im Jahr 1974.

Zwar bieten Kinderkranken­t­age geset­zlich kranken­ver­sicherten Eltern damit die Möglichkeit, zur Betreu­ung ihrer kranken Kinder der Arbeit fernzubleiben, sie gehen — anders als Krankmel­dun­gen bei ein­er eige­nen Arbeit­sun­fähigkeit — aber ab Tag 1 auch mit Lohnein­bußen ein­her. Aktuell haben Eltern bei einem Kinderkranken­tag einen geset­zlichen Anspruch auf reg­ulär 90 Prozent des aus­ge­fal­l­enen Net­to-Gehalts, der über die Krankenkasse beantragt und aus­gezahlt wird. Zudem ist der max­i­male Brut­to-Kinderkranken­gel­danspruch pro Tag bei 135,63 Euro gedeck­elt und von dem Kranken­geld wer­den noch Ver­sicher­tenan­teile zu Renten‑, Pflege- und Arbeit­slosen­ver­sicherung abge­zo­gen.

 

Gut und richtig, dass Kürzung beim Kinderkranken­geld vom Tisch ist
Dr. Car­o­la Reimann

 

Reimann: “Dass Frauen im Schnitt weniger ver­di­enen als Män­ner, dürfte auch dazu beitra­gen, dass die Kinderkranken­t­age nicht gle­ich­berechtigt aufgeteilt wer­den. Ger­ade vor diesem Hin­ter­grund ist es gut und wichtig, dass die zwis­chen­zeitlich von der Bun­desregierung im Rah­men des GKV-Beitragssta­bil­isierungs­ge­set­zes vorgeschla­gene Kürzung des Kinderkranken­geldes inzwis­chen vom Tisch ist und die ohne­hin schon beste­hen­den Ungle­ich­heit­en somit nicht noch weit­er ver­stärkt wer­den. Kinderkranken­geld ist eine wichtige Errun­gen­schaft der Sol­i­darge­mein­schaft, an der nicht gerüt­telt wer­den sollte.

 

Kinderkrankentage zuletzt wieder leicht rückläufig

Der Anteil der AOK-Mit­glieder mit min­destens einem Kinderkranken­fall pro Jahr ist im Jahr 2025 im Ver­gle­ich zum Vor­jahr wieder leicht gesunken. So melde­ten sich 2025 ins­ge­samt 4,6 Prozent aller Frauen und Män­ner, die bei der AOK ver­sichert sind und Anspruch auf Kinderkranken­geld haben, min­destens ein­mal “Kind krank” bei ihrem Arbeit­geben­den. Im 10-Jahresver­gle­ich wurde der Höch­st­stand im Jahr 2022 während der Coro­na-Pan­demie erre­icht: Damals reicht­en 5,1 Prozent der AOK-Mit­glieder min­destens einen Kinderkranken­tag ein. Auf jeden ein­gere­icht­en Kinderkranken­fall ent­fie­len in jen­em Jahr durch­schnit­tlich 2,8 Tage — im Jahr 2025 waren es hinge­gen nur 2,5 Tage pro Fall.

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