Mocktails überall

Warum alkoholfreie Drinks jetzt Mainstream sind

Mock­tails sind 2025 all­ge­gen­wär­tig. Die alko­hol­freien Cock­tails sind vom Nis­chen­the­ma zur kul­turellen Bewe­gung gewor­den. Getränke­marken launchen eigene Mock­tail-Lin­ien, Bars erweit­ern ihre alko­hol­freie Karte und vor allem junge Men­schen zeigen ein wach­sendes Inter­esse an stil­vollem Genuss ohne Promille. Doch was steckt hin­ter dem Boom? Warum ste­hen auf ein­mal Frucht­säfte mit Minze, Limette oder Laven­del im Ram­p­en­licht — wo früher Gin, Rum und Wod­ka dominierten?

 

Vom Ausweichgetränk zum Lifestyle-Statement

Noch vor weni­gen Jahren gal­ten alko­hol­freie Drinks besten­falls als Notlö­sung für Aut­o­fahrer oder Schwan­gere. Heute sind sie ästhetisch, vielfältig und iden­titätss­tif­tend. “Mock­tails tre­f­fen den Zeit­geist. Sie ste­hen für Genuss ohne Verzicht, für sozialen Anschluss ohne Grup­pen­zwang und für eine neue Def­i­n­i­tion von Sta­tus”, so Klaus Heitlinger, Geschäfts­führer des Ver­bands der deutschen Frucht­saft-Indus­trie. Sein Ver­band freut sich über diesen Trend, denn ger­ade bei jun­gen Kon­sumenten hat Frucht­saft in den let­zten Jahren an Rel­e­vanz ver­loren.

Vor allem für die Gen­er­a­tion Z dürften Mock­tails mehr sein als ein kur­zlebiger Trend: Sie spiegeln das verän­derte Lebens­ge­fühl junger Men­schen wider. Frucht­säfte spie­len dabei als zen­trale Zutat eine wesentliche Rolle. Ein Grund: 83 % der Jugendlichen acht­en laut Shell Jugend­studie 2024 bewusst auf ihre Gesund­heit.

Auch die offiziellen Zahlen bele­gen diesen Wan­del: Die Bun­deszen­trale für gesund­heitliche Aufk­lärung (BZgA) doku­men­tiert für den Zeitraum von 2001 bis 2023 einen deut­lichen Rück­gang der Zahl der 12- bis 17-jähri­gen Mäd­chen und Jun­gen, die schon ein­mal Alko­hol getrunk­en haben. In der Alters­gruppe der 18- bis 25-jähri­gen Män­ner ist der regelmäßige Alko­holkon­sum seit 2014 kon­tinuier­lich gesunken. Beson­ders stark ist der Rück­gang bei jun­gen Frauen dieser Alters­gruppe: Zwis­chen 2021 und 2023 sank ihr regelmäßiger Alko­holkon­sum von 25,4 % auf 16,7 %.

Alko­hol ver­liert als Sym­bol für Frei­heit oder Cool­ness an Bedeu­tung. Wer heute Mock­tails trinkt, macht keine Aus­nahme, son­dern eine klare Aus­sage. Drei gute Gründe für den Mock­tail-Boom:

  1. Gesellschaftlich­er Wan­del
    Der Alko­holkon­sum junger Men­schen geht seit Jahren deut­lich zurück. Stattdessen gewin­nen The­men wie Acht­samkeit, Nach­haltigkeit und men­tale Gesund­heit an Bedeu­tung. Mock­tails passen per­fekt in dieses Wertepro­fil.
  2. Visuelle Kul­tur
    Mock­tails sind foto­gen, bunt und “insta­gram­ma­ble”. Unter Hash­tags wie #mock­tail­recipe, #sober­cu­ri­ous oder #dry­ish teilen Tausende ihre Rezepte, Gläs­er und Som­mervibes. Die Drinks sind Teil eines ästhetis­chen Aus­drucks, in dem sich Lebens­ge­fühl und Hal­tung visuell man­i­festieren.
  3. Wirtschaftlich­er Rück­en­wind
    Was auf Social Media begann, hat längst Auswirkun­gen auf den Markt: Getränke­marken entwick­eln eigene Mock­tail-Pro­duk­te, Bars investieren in alko­hol­freie Barkarten, teils umfan­gre­ich­er als die alko­holis­che Auswahl. Mock­tails sind ein fes­ter Bestandteil mod­ern­er Gas­tronomie gewor­den und damit auch ein wirtschaftlich­er Fak­tor.

Bunte Mock­tails sind Aus­druck eines neuen Ver­ständ­niss­es von Genuss: nicht mehr rebel­lisch gegen Kon­ven­tio­nen, son­dern bewusst im Ein­klang mit Kör­p­er und Kon­text. Psy­cholo­gen sprechen von “kog­ni­tiv­er Kohärenz”. Das eigene Ver­hal­ten soll zu Werten, Zie­len und sozialem Umfeld passen. Junge Men­schen wollen dazuge­hören, ohne sich ver­stellen zu müssen. Mock­tails ermöglichen genau das: Sie schaf­fen Gemein­schaft ohne Rausch, aber mit Rit­u­al. Was früher verzicht­en hieß, heißt heute entschei­den.

Der Mock­tail-Trend ist deshalb kein modis­ch­er Hype, son­dern Teil eines langfristi­gen Kul­tur­wan­dels. Eine neue Gen­er­a­tion entschei­det sich bewusst für alko­hol­freie Alter­na­tiv­en und das nicht aus Zwang, son­dern aus Überzeu­gung. So machen sich Aktio­nen wie der “Dry Jan­u­ary” auch beim Absatz von alko­holis­chen Getränken deut­lich bemerk­bar. Im Jan­u­ar 2024 war der Absatz alko­holis­ch­er Getränke laut Sta­tis­tis­chem Bun­de­samt gut ein Vier­tel niedriger (-26,4 %) als im Durch­schnitt der Monate Feb­ru­ar bis Dezem­ber 2023.

 

Foto: VdF Ver­band der deutschen Frucht­saft-Indus­trie / KI