ETFs statt Riester?Katharina Dauenhauer / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/183078 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.

Was das neue Altersvorsorgedepot für Frauen ab 45 bedeutet

Das neue Altersvor­sorgede­pot sorgt für Gesprächsstoff. Es ver­spricht mehr Flex­i­bil­ität und bessere Ren­ditechan­cen als die klas­sis­che Riester-Rente. Gle­ichzeit­ig fra­gen sich viele Frauen ab 45 Jahren, ob sich ein Ein­stieg oder Umstieg noch lohnt – oder ob die verbleibende Zeit bis zum Ruh­e­s­tand dafür zu kurz ist. Wer die falsche Entschei­dung trifft, ver­schenkt im schlimm­sten Fall wertvolle Zeit und Geld für den Ruh­e­s­tand.

Für viele Frauen kann das Altersvor­sorgede­pot eine inter­es­sante Ergänzung oder Alter­na­tive sein – entschei­dend ist aber, die per­sön­liche Lebenssi­t­u­a­tion und den Zei­tho­r­i­zont real­is­tisch zu bew­erten. Nach­fol­gend erfahren Sie, worauf Frauen ab 45 beim neuen Altersvor­sorgede­pot acht­en soll­ten, welche Unter­schiede zur Riester-Rente beste­hen und für wen sich ein Umstieg lohnen kann.

Mehr Kapitalmarkt, weniger Garantie

Ein wesentlich­er Unter­schied zur bish­eri­gen Riester-Rente liegt in der Gel­dan­lage. Bei Riester musste grund­sät­zlich gewährleis­tet sein, dass zu Beginn der Auszahlungsphase min­destens die eingezahlten Beiträge und Zula­gen vorhan­den sind. Diese Garantie schafft Sicher­heit, schränkt jedoch zugle­ich eine kon­se­quente Kap­i­tal­mark­tan­lage ein. Ein Teil des Ver­mö­gens muss defen­siv investiert wer­den, wodurch Ren­ditechan­cen ver­loren gehen kön­nen.

Beim neuen Altersvor­sorgede­pot kön­nen Anlegerin­nen dage­gen bewusst auf eine Beitrags­garantie verzicht­en und beispiel­sweise bre­it gestreut über Aktien­fonds oder ETFs investieren. Damit steigt zwar das Risiko zwis­chen­zeitlich­er Ver­luste, zugle­ich kann das Ver­mö­gen stärk­er an der langfristi­gen Entwick­lung der Kap­i­talmärk­te teil­haben.

Wer die Anlage nicht selb­st steuern möchte, kann das vorge­se­hene Stan­dard­de­pot nutzen. Dabei wird das Kap­i­tal auf einen chan­cenori­en­tierten und einen risikoärmeren Fonds verteilt. Nähert sich der Ruh­e­s­tand, soll das Anlagerisiko schrit­tweise sinken. Zudem sind die Effek­tivkosten beim Stan­dard­de­pot geset­zlich auf max­i­mal ein Prozent pro Jahr begren­zt. Für andere Vari­anten gilt diese Gren­ze nicht automa­tisch.

Ab 45 zählt die individuelle Rechnung

Auch mit 45, 50 oder später kann ein Ein­stieg sin­nvoll sein. Allerd­ings gewin­nt mit zunehmen­dem Alter der Ver­gle­ich mit einem gewöhn­lichen pri­vat­en ETF-Depot an Bedeu­tung. Denn neben der staatlichen Förderung muss auch die spätere steuer­liche Belas­tung berück­sichtigt wer­den.

Während der Ansparphase wer­den Erträge inner­halb des geförderten Depots nicht laufend besteuert und kön­nen weit­er investiert wer­den. In der Auszahlungsphase unter­liegen die geförderten Zahlun­gen jedoch grund­sät­zlich dem per­sön­lichen Einkom­men­steuer­tarif. Bei einem pri­vat­en ETF-Depot wird dage­gen bei ein­er Veräußerung grund­sät­zlich nur der erzielte Gewinn besteuert.

Ger­ade für Frauen ab 45 sollte deshalb nicht allein die Förderung den Auss­chlag geben. Entschei­dend ist, wie viele Jahre das Kap­i­tal noch arbeit­en kann, welche Kosten entste­hen und welch­er Steuer­satz im Ruh­e­s­tand zu erwarten ist. Wer später neben der geset­zlichen Rente weit­ere steuerpflichtige Einkün­fte erzielt, sollte diesen Effekt beson­ders genau berück­sichti­gen.

Je kürz­er die Ansparphase, desto weniger Zeit haben zudem Förderung und Steuer­stun­dung, um zusät­zliche Ren­dite zu erwirtschaften. Deshalb kann auch eine Kom­bi­na­tion sin­nvoll sein: Ein Teil der Vor­sorge läuft über das geförderte Depot, während zusät­zlich flex­i­bel in einem pri­vat­en ETF-Depot Ver­mö­gen aufge­baut wird.

Riester nicht vorschnell aufgeben

Wer bere­its einen Riester-Ver­trag besitzt, sollte diesen nicht allein wegen der neuen Möglichkeit­en aufgeben. Bei einem förderun­schädlichen Wech­sel kann das vorhan­dene geförderte Ver­mö­gen grund­sät­zlich in das neue Sys­tem über­tra­gen wer­den, ohne die bish­erige Förderung zurück­zahlen zu müssen.

Ob das vorteil­haft ist, hängt jedoch vom beste­hen­den Ver­trag ab. Attrak­tive Garantiezin­sen kön­nen eben­so für einen Verbleib sprechen wie hohe Kinderzu­la­gen bei geringem Eigen­beitrag. Hohe Abschluss‑, Ver­wal­tungs- oder Fond­skosten sowie eine sehr defen­sive Anlage kön­nen einen Wech­sel dage­gen inter­es­san­ter machen.

Vor einem Wech­sel lohnt es sich deshalb, die Kon­di­tio­nen des beste­hen­den Riester-Ver­trags genau mit denen des neuen Altersvor­sorgede­pots zu ver­gle­ichen. Neben den Gesamtkosten spie­len die ver­füg­baren ETFs und Fonds, die mögliche Aktien­quote, Anpas­sungsmöglichkeit­en sowie die Bedin­gun­gen der späteren Auszahlung eine Rolle. Das Altersvor­sorgede­pot ist nicht automa­tisch gün­stig oder passend, nur weil es mehr Frei­heit­en eröffnet.

Renditechancen und Sicherheit ausbalancieren

Der Verzicht auf eine Garantie bringt stärkere Kurss­chwankun­gen mit sich. Bei einem aus­re­ichend lan­gen Anlage­hor­i­zont muss das kein grund­sät­zlich­es Prob­lem sein. Allerd­ings soll­ten Aktien­quote und Anlageauswahl zur per­sön­lichen Risikobere­itschaft und zur verbleiben­den Zeit bis zum Ruh­e­s­tand passen.

Auch ETF ist nicht gle­ich ETF. Ein bre­it gestreuter Welt-ETF unter­schei­det sich hin­sichtlich Diver­si­fika­tion und Risiko deut­lich von einem Branchen‑, The­men- oder Län­der-ETF. Einige Jahre vor der geplanten Ent­nahme kann es zudem sin­nvoll sein, das Risiko schrit­tweise zu reduzieren. Beim Stan­dard­de­pot soll diese Anpas­sung automa­tisch erfol­gen.

Daneben bleibt finanzielle Flex­i­bil­ität wichtig. Da das Altersvor­sorgede­pot zweck­ge­bun­den ist, lässt sich nicht jed­erzeit frei auf das Kap­i­tal zugreifen, ohne möglicher­weise Förderun­gen oder steuer­liche Vorteile zu ver­lieren. Eine aus­re­ichende Liq­uid­ität­sre­serve sollte deshalb beste­hen bleiben.

Das Altersvor­sorgede­pot erweit­ert die Möglichkeit­en der geförderten Altersvor­sorge deut­lich. Ger­ade für Frauen ab 45 ist es jedoch wed­er automa­tisch die bessere Riester-Rente noch grund­sät­zlich einem pri­vat­en ETF-Depot über­legen. Entschei­dend bleibt die indi­vidu­elle Rech­nung aus Förderung, Kosten, Steuern, Anlage­hor­i­zont und per­sön­lichem Sicher­heits­bedürf­nis.

Über Katharina Dauenhauer

Katha­ri­na Dauen­hauer ist unab­hängige Hon­o­rar-Finan­zan­la­gen­ber­a­terin, Men­torin für Ver­mö­gen­sauf­bau für Frauen und Grün­derin der Dauen­hauer Con­sult­ing GmbH. Mit ihrer Erfahrung im Bankwe­sen, in der Lehre und Beratung ver­mit­telt sie Finanzwis­sen ver­ständlich und prax­is­nah. Ihr Schw­er­punkt liegt auf der finanziellen Beratung von Frauen ab 45. Zudem ist sie Autorin des Buch­es „Jet­zt oder nie – Investieren für Frauen ab 45+“. Weit­ere Infor­ma­tio­nen über sie find­et Ihr unter https://katharinadauenhauer.com/

 

Foto: Katha­ri­na Dauen­hauer