Dem Geschmack der grünen Insel auf der Spur

Zwischen Whiskey und Räucherlachs warten in Irland vielseitige kulinarische Einblicke und überraschende Erkenntnisse

Von der lebendi­gen Street­food-Szene in den Städten über zahlre­iche Sterne­gas­tronomien bis zu den vie­len Pro­duzen­ten lokaler Spezial­itäten ist die irische Insel über die let­zten Jahrzehnte deut­lich über ihre kuli­nar­ischen Klis­chees hin­aus­gewach­sen. Das zeigt sich auch mehr und mehr in Form von Erleb­nis­sen, die mit all­dem ver­bun­den sind, was die Insel so an Ess- und Trinkbarem zu bieten hat.

Dabei gehen die kuli­nar­ischen Ange­bote inzwis­chen in Sachen Kreativ­ität deut­lich über die klas­sis­chen For­mate von Des­til­lerieführun­gen und Back­kurse für irisches Soda Bread hin­aus. Stattdessen geht es bei Algen- und Kräuter­touren nicht nur in span­nende wilde Land­schaften, son­dern auch einige Gen­er­a­tio­nen zurück in eine Zeit, in der Wildpflanzen eine viel größere Rolle im All­t­ag der Men­schen gespielt haben als heute. Gle­ichzeit­ig zeigt sich hin­ter den Kulis­sen von Fis­chräuchereien und unter Anleitung von Bar­be­cue-Experten, warum aus­gerech­net der Trend zu Slow Food so gut in die aktuelle Zeit passt.

Dabei liegen die Erleb­nisse, bei denen Besuch­er immer wieder haut­nah mit­bekom­men, wie irische Köstlichkeit­en entste­hen, regelmäßig auch in land­schaftlich beson­ders schö­nen Gegen­den der Insel. An den Austern­bänken, die DK Con­nemara Oys­ters in der Küsten­re­gion am Rand des gle­ich­nami­gen Nation­al­parks bewirtschaftet und bei geführten Touren Ein­blicke in die Austernzucht gibt, oder auf dem Gelände von High­bank Orchards im grü­nen Lan­desin­neren südlich von Kilken­ny, wo die hier wach­senden Äpfel zu Cider, Apfel­brandy, Essig und Sirup ver­ar­beit­et wer­den. In Nordir­land nimmt das neue Tast­ing-For­mat Spir­it of the Bann Food­ies mit zu außergewöhn­lichen Per­spek­tiv­en – bei ein­er Boots­fahrt im Mün­dungs­ge­bi­et des Riv­er Bann bei Col­eraine.

Dass nicht nur Land­schaften und Kost­proben im Mit­telpunkt ste­hen, dafür sorgt auch die Gast­ge­ber­fähigkeit der irischen Bevölkerung, die gutes Essen und lokal pro­duzierte Getränke auch tra­di­tionell als wichti­gen Teil der Willkom­men­skul­tur ver­ste­ht, über die man mit anderen ins Gespräch kommt. Das ste­ht bei den Kochevents von Mrs C.’s Home Kitchen (Coun­ty Down) bei den ver­schiede­nen Koch- und Back­kursen im Mit­telpunkt, die vom nordirischen Snack­klas­sik­er Fif­teens bis hin zu der Pota­to Expe­ri­ence reichen, bei der typ­is­che Rezepte wie die Kartof­felkuchen Box­ty auf dem Speise­plan ste­hen. Wer sich statt Mit­mach-Küche lieber bekochen lassen und dabei auch noch einem der besten Küchen­teams der Insel über die Schul­ter schauen will, bucht den Chef’s Table im Dublin­er Sterner­estau­rant Chap­ter One. Neben dem Essen auch um die per­fek­ten Zubere­itung­stech­niken geht es bei den Hin­ter-die-Kulis­sen-Touren des Räucher­fis­chex­perten Frank Hed­er­man (Hederman’s Smoke House) oder bei den Bar­be­cue-Events im Work­shop-Pro­gramm von Lo & Slo unweit von Derry~Londonderry.

Wer noch ein Stück vor der eigentlichen Zubere­itung ein­steigen und sich gemein­sam mit lokalen Food-Experten auf ein Out­door-Erleb­nis zum The­ma irisch­er Zutat­en begeben will, bucht eine For­ag­ing-Tour an der Küste oder im Lan­desin­neren und beg­ibt sich unter fachkundi­ger Anleitung selb­st auf Zutaten­suche. Beispiele dafür sind etwa die Work­shops von Atlantic Irish Sea­weed in der Graf­schaft Ker­ry oder Touren mit dem auf heimis­che Kräuter und Pilze spezial­isierten Anbi­eter Wild Ways in der Graf­schaft Kil­dare etwas süd­west­lich der Haupt­stadt Dublin. Sein Geschick beim Fliegen­fis­chen aus­pro­bieren kann man bei den Schnup­perkursen, die beispiel­sweise  Bal­ly­nahinch Cas­tle im Coun­ty Gal­way anbi­etet.

Der besondere Tipp: klassische Führungen und Besichtigungen

Wer klas­sis­che Führun­gen oder Indoor-Alter­na­tiv­en für reg­ner­ische Tage sucht, find­et natür­lich vor allem bei zahlre­ichen Brauereien und Des­til­le­rien Gele­gen­heit­en, für span­nende Ein­blicke hin­ter die Kulis­sen. Mit zu den beliebtesten außer­halb der Haupt­stadt Dublin zählen etwa die Smithwick’s Expe­ri­ence in Kilken­ny oder die Des­til­lerie-Führun­gen in den Pro­duk­tion­sräu­men beson­ders beliebter Marken wie Din­gle Gin oder dem geschicht­strächti­gen Whiskey-Her­steller Bush­mills in Nordir­land. Eine beson­dere Alter­na­tive zu den Klas­sik­ern ist der mit einem Boot­saus­flug ver­bun­dene Besuch der Pro­duk­tion von Clare Island Whiskey, bei dem Besuch­er auch viel über eine der wichtig­sten his­torischen Per­so­n­en der Region in der Graf­schaft Mayo ler­nen – die Piratenköni­gin Grace O’Malley. Wer sich lieber nicht-alko­holisch auf die Spuren eines Stück irischen Kul­turguts machen möchte, besucht in der Graf­schaft Armagh in Nordir­land das leg­endäre Tay­to-Cas­tle, wo seit den 1950er-Jahren eine von gle­ich zwei beliebten irischen Chips­marken namens Tay­to hergestellt wird.

Hintergrund: Über die irische Küche

Die mod­erne irische Küche kann viel mehr als ihre Klas­sik­er – wobei die herzhaften Stews und Pies, Seafood Chow­der und Fish and Chips bei Ein­heimis­chen wie Touris­ten nicht zu Unrecht zu den Klas­sik­ern zählen. Darüber hin­aus gibt es in Irland aber auch zahlre­iche mod­erne Konzepte, die es in die Ausze­ich­nungskat­e­gorien von Guide Miche­lin und etlichen anderen Kuli­narik-Rank­ings geschafft haben oder auf Street­food-Märk­ten in den Städten der Insel unter­wegs sind. Es beschäfti­gen sich auch einige spezial­isierte Museen mit den diversen Pro­duk­ten der Insel. Neben dem Irish Whiskey Muse­um in Dublin gibt es etwa das But­ter Muse­um in Cork oder das Irish Cof­fee Cen­tre als Teil des Foynes Fly­ing Boat & Mar­itime Muse­um.

 

Foto: Tourism Island