Klippenkino: Wo Puffins die Hauptrolle spielen

Irland ist Spotting-Hot-Spot für „Clowns der Meere“ | Nur kurze Saison für Papageitaucher

Das schwarz-weiße Fed­erkleid, der geschniegelte Look, der schlur­fige Watschel­gang, dazu die ern­ste Miene: Wenn Papageitauch­er laufen, ähnelt ihr Gang meist dem eines schlecht gelaun­ten Kell­ners. Dazu kom­men orange­far­bene Füße samt leuch­t­en­dem Schn­abel, der aussieht, als hätte jemand einen Tropen­vo­gel mit einem Clown ver­heiratet. Kein Wun­der, woher also der Spitz­name „Clowns der Meere“ rührt! In Irland heißen die tauben­großen Vögel indessen Puffins und genießen dort beina­he Star-Sta­tus. Wer die witzi­gen Sym­pa­thi­eträger beobacht­en will, sollte jedoch nicht erst im Hochsom­mer anreisen.

 

Gewusel an der Steilküste

Die beste Zeit ist ganz klar der späte Früh­ling, also der Mai und mehr noch der Juni. Dann herrscht in den Kolonien Hochbe­trieb: Die Vögel brüten, balzen, stre­it­en, lan­den etwas unbe­holfen auf den Klip­pen und fliegen im Minu­ten­takt mit kleinen Sil­ber­fis­chen im Schn­abel her­an. Eine quirlige Flugshow, bei der Zuschauer gar nicht wis­sen, wo sie zuerst hin­se­hen sollen. Sie soll­ten es auf jeden Fall bald tun, denn das Spek­takel ist nur von kurz­er Dauer. Schließlich ver­brin­gen Papageitauch­er die meiste Zeit ihres Lebens gar nicht an Land. Vielmehr treiben sie sich rund acht Monate im Jahr draußen auf dem Atlantik herum. Das tun sie, ins­beson­dere bei ihren Beutezü­gen unter Wass­er, übri­gens erstaunlich ele­gant, ganz im Gegen­satz zu ihren tap­si­gen Auftrit­ten an Land.

Im Früh­ling kehren sie dann zu ihren Brut­plätzen zurück, wo die ein­samen Hochseevögel plöt­zlich zu gesel­li­gen Nach­barn mit Hang zu laut­starken Diskus­sio­nen mutieren. Dann sitzen Tausende Puffins dicht gedrängt an den Klip­pen, graben ihre Bruthöhlen in die Erde oder star­ren mit stois­ch­er Gelassen­heit aufs Meer hin­aus.

 

Wo es hohe Sich­tungschan­cen gibt

Gut zu wis­sen: Nicht zulet­zt dank der zahlre­ichen abgele­ge­nen Felsen und Klip­pen gehört Irland zu den besten Orten in Europa, um Papageitauch­er in freier Wild­bahn zu erleben. Beson­ders spek­takulär sind die Brut­stellen an den Steilk­lip­pen im Coun­ty Ker­ry, allen voran Puf­fin Island (siehe Extratipp) und Skel­lig Islands, die sich auch in ein­er Boot­s­tour kom­binieren lassen. Die zerk­lüftete Fels­enin­sel Great Skel­lig wirkt ohne­hin wie eine Filmkulisse, was sie im Übri­gen spätestens seit „Star Wars“ offiziell auch ist. Wer bei ruhiger See mit dem Boot über­set­zt, erlebt Puffins vor drama­tis­chen Klip­pen und ural­ten Kloster­mauern. Allerd­ings entschei­det hier oft das Wet­ter über Erfolg oder Rück­fahrt in den Hafen.

 

Dies­bezüglich entspan­nter geht es auf Great Saltee zu. Die kleine Insel vor der irischen Südostküste beherbergt eine der größten Papageitaucherkolonien des Lan­des. Schon die Boots­fahrt fühlt sich an wie eine Mini-Expe­di­tion (mit deut­lich gesichert­eren Fahrzeit­en), und oben auf den grasi­gen Hän­gen sitzen die Vögel oft erstaunlich nah an den Besuch­ern – neugierig und unbeein­druckt von Kam­eras. Im Übri­gen lassen sich hier noch jede Menge andere Vögel blick­en, han­delt es sich bei der Insel im Coun­ty Wex­ford doch um eines der größten Vogelschutzge­bi­ete Europas.

 

Puffins, live und auf dem XXL-Bildschirm

Weit­ere Hot Spots gefäl­lig? Die Aran Islands in der Bucht von Gal­way gehören auf jeden Fall dazu. Auf Inish­more, der größten der per Fähre gut erre­ich­baren Inseln, lassen sich Puffins wun­der­bar mit einem klas­sis­chen Irland­tag kom­binieren: Trock­en­stein­mauern, Atlantik­wind und anschließend ein Pubbe­such mit Seafood Chow­der. Die am Fes­t­land gegenüber gele­ge­nen, berühmten Cliffs of Moher liefern zwar keine Puf­fin-Garantie, aber – wenn Papageitauch­er an den über 200 Meter hohen Klip­pen auf­tauchen – großes Kino. Das ist dur­chaus wörtlich zu ver­ste­hen, läuft doch im preis­gekrön­ten Besucherzen­trum ein atmo­sphärisch­er 4D-Film über Robben, Wan­der­falken und eben Papageitauch­er.

 

Wildlife nahe der Hauptstadt

Ein weit­eres Puf­fin-Dora­do liegt ganz nah bei Dublin: Ireland‘s Eye. Die kurze Boot­s­tour von Howth dauert nur wenige Minuten, und doch find­et man sich plöt­zlich zwis­chen wilden Küsten­felsen und wilden Seevögeln wieder. Fast absurd, wie schnell die Großs­tadt hier ver­schwindet. Rauer, windi­ger und ursprünglich­er geht es schließlich an der Steilküste Nordir­lands zu. Auch dieser Abschnitt ist bei Puffins (und allen, die sie beobacht­en wollen) beliebt. Rund um Rathin Island etwa kreisen im Früh­som­mer zuver­läs­sig Tausende Seevögel über den Klip­pen, während unten die Bran­dung gegen die Felsen don­nert – und mit­ten­drin ste­hen die kleinen Papageitauch­er, als hät­ten sie den ganzen Trubel eigentlich gar nicht bestellt. Auch hier gilt: ran­hal­ten, denn wie über­all auf der grü­nen Insel machen sich die Tiere spätestens Ende Juli, Anfang August wieder vom (irischen) Ack­er. Auf ein Wieder­se­hen im näch­sten Jahr!

 

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Wie die meis­ten in freier Wild­bahn leben­den Tiere mögen es auch die unter Naturschutz befind­lichen Papageitauch­er lieber ruhig als hek­tisch. Auf Störun­gen und unge­wohnte Lär­mquellen reagieren sie empfind­lich. Wer ihnen zu nahe kommt oder quer über Brut­flächen stapft, sorgt also schnell für Stress im Voge­lall­t­ag. Daher lieber Abstand hal­ten, langsam bewe­gen und die Puffins „ein­fach sein lassen“. Die besten Chan­cen auf beson­ders aktive Vögel beste­hen übri­gens früh am Mor­gen oder am späten Nach­mit­tag. Dann herrscht reger Flugverkehr zwis­chen Meer und Klip­pen, während mit­tags oft eher gemütliche Sies­ta-Stim­mung ange­sagt ist. Ein Fer­n­glas oder – für ambi­tion­ierte Fotografen – ein Teleob­jek­tiv gehört unbe­d­ingt ins Gepäck. Und noch ein wichtiger Tipp für die Reise­pla­nung: Boot­s­touren zu den Inseln sollte man früh buchen. Ger­ade im Mai und Juni sind die Plätze oft Tage, mitunter gar Wochen im Voraus ausverkauft. Das Inter­esse an den „Puffins in Action“ ist eben groß.

 

Der besondere Tipp: Puffin Island, ein streng geschütztes Vogelreservat

Auf Puf­fin Island vor der irischen Süd­west­küste ist der Name Pro­gramm. Im Früh­som­mer leben hier tat­säch­lich Papageitauch­er – und das nicht zu knapp. Das kleine, unbe­wohnte Eiland im Coun­ty Ker­ry wirkt wie ein zerzauster Fel­sklotz im Atlantik: karg, win­dum­tost und ger­ade deshalb ein per­fek­ter Brut­platz für Seevögel. Zwis­chen Graspol­stern und steilen Kan­ten graben die Puffins ihre Bruthöhlen und starten von hier ihre Flug­manöver hin­aus aufs Meer. Erre­ichen lässt sich die Insel nur per Boot von der Ker­ry-Küste aus, meist im Rah­men geführter Touren – und nur bei halb­wegs gnädi­gem Wet­ter, denn der Atlantik bes­timmt den Fahrplan. An Land gehen darf man in der Regel nicht, die Beobach­tung erfol­gt respek­tvoll vom Wass­er aus. Mit etwas Glück und einem guten Fer­n­glas sieht man die Papageitauch­er dicht an dicht sitzen oder mit Fisch im Schn­abel zurück­kehren. Ger­ade in der Brutzeit wirkt die Insel dann wie ein quirliges Naturthe­ater mit­ten im Meer. Tick­ets für die einein­halb­stündi­ge „Ker­ry Cliffs and Puf­fin Tour“ kosten beim Ver­anstal­ter Skel­lig Coast Adven­tures 20–35 Euro. Los geht es in Port­magee.

 

3 Papageientaucher vor der Insel Inishturk in der Grafschaft Mayo

 

Hintergrund: So steht es um die Bestände

So niedlich sie wirken: Die Entwick­lung der Puf­fin-Bestände macht Naturschützern zunehmend Sor­gen. Der Atlantis­che Papageitauch­er gilt inzwis­chen inter­na­tion­al als „gefährdet“ beziehungsweise „poten­ziell bedro­ht“. Haupt­prob­leme: Kli­mawan­del und Über­fis­chung. Steigende Meer­estem­per­a­turen verän­dern die Fis­chbestände, beson­ders San­daale, die wichtig­ste Nahrung viel­er Puffins, wer­den mancherorts knap­per. Find­en die Eltern­tiere nicht genug Nahrung, sinken die Über­leben­schan­cen der Küken deut­lich. Dazu kom­men stärkere Stürme, Plas­tik­müll im Meer und eingeschleppte Räu­ber wie Rat­ten oder Nerze auf eini­gen Bruti­n­seln. Irland gehört allerd­ings weit­er­hin zu den wichtig­sten Rück­zug­sorten dieser Art in Europa. Beson­ders an den Atlantikküsten und auf vorge­lagerten Inseln existieren noch große, ver­gle­ich­sweise sta­bile Kolonien. Damit die kleinen „Clowns der Meere“ auch kün­ftig noch über die irischen Klip­pen watscheln und durch den Atlantik schießen, sind respek­tvoller Touris­mus und Schutz­maß­nah­men so wichtig.

 

Wenn Ihr mehr über Irland erfahren möchtet, dann hört doch ein­fach mal rein in den Pod­cast von Tourism Ire­land!

 

Fotos: Tourism Irland